Spiegel 3.0

Print-Betriebsrat schießt weiter gegen Büchner und Saffe

Im Spiegel-Verlag kehrt keine Ruhe ein
© Foto: Jürgen Herschelmann
Im Spiegel-Verlag kehrt keine Ruhe ein
Im Spiegel-Verlag haben Geschäftsführer Ove Saffe und Chefredakteur Wolfgang Büchner weiter mit massivem Gegenwind zu kämpfen. Der Print-Betriebsrat wirft den Erfindern des Spiegel-3.0-Konzepts vor, "verantwortungslos" zu handeln. Die Existenz des Magazins stehe auf dem Spiel.

Spiegel-Chaostage: Das sind die handelnden Personen


Nachzulesen sind die Anschuldigungen in einem Schreiben, das der Print-Betriebsrat nach HORIZONT-Informationen bereits vor 12 Tagen via Newsletter verbreitet hat - und das offenbar erst jetzt an den Springer-Titel "Bilanz" durchgesteckt wurde, der das Schreiben im Wortlaut veröffentlicht. Warum derlei Interna an die Öffentlichkeit geraten, ist klar: Der Betriebsrat des gedruckten Magazins will den Druck auf Geschäftsführung und Chefredaktion weiter erhöhen - und Spiegel 3.0 verhindern. Das umstrittene Konzept, das Chefredakteur Wolfgang Büchner und Geschäftsführer Ove Saffe wie berichtet vor rund zwei Monaten vorgestellt hatten, sorgt seitdem für dicke Luft. Vor allem der Plan, die Print-Ressortleiterposten neu auszuschreiben und gemeinsame Ressortleitungen für Magazin und Online-Auftritt zu schaffen, kommt bei den Arrivierten verständlicherweise nicht sonderlich gut an. Weshalb in den vergangenen Wochen auch zahlreiche böse Briefe verschickt und Rücktrittsforderungen an den Chefredakteur gerichtet wurden


Dass der Print-Betriebsrat von den Spiegel-3.0-Plänen nicht viel hält, ist nicht überraschend. Neu sind allerdings die Argumente, mit denen die Arbeitnehmervertretung die Pläne verhindern will. So werde der geplante Umbau, den Büchner und Saffe aus Sicht des Betriebsrats "ohne grünes Licht der Gesellschafter handstreichartig umsetzen", den Verlag "finanziell erheblich belasten", heißt es in dem Schreiben.

Ove Saffe
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Der bewusste Eiertanz des Spiegel-Geschäftsführers

Vor ein paar Monaten, als die Welt beim „Spiegel“ nach außen hin noch heile war, da hatte Geschäftsführer Ove Saffe eine Einladung des Clubs Hamburger Wirtschaftsjournalisten (CHW) angenommen. Jetzt sollte es soweit sein. Doch in der Zwischenzeit: Riesentumulte um Chefredakteur Wolfgang Büchner und sein digitales Umbaukonzept „Spiegel 3.0“. Muss er gehen? Oder doch nicht? Wer kommt? Wie ist die Lage bei den Gesellschaftern? Man hätte verstanden, wenn Saffe den Termin dann doch noch abgesagt hätte. Hat er aber nicht.

Begründet wird das unter anderem damit, dass ein Anwalt die Befristungsklausel in den Ressortleiterverträgen für unwirksam erklärt habe. "Der Plan der Geschäftsführung, die Ressortleiterstellen einfach neu auszuschreiben, ist deshalb nicht nur unanständig gegenüber den bisherigen Stelleninhabern. Er kann auch aus rechtlichen Gründen nicht, oder jedenfalls nur mit immensen Kosten, umgesetzt werden", mutmaßt der Betriebsrat, der entsprechend mit hohen Kosten nicht nur für die Eingruppierung der Online-Führung, sondern auch für eventuelle Abfindungen und die Weiterbezahlung nicht mehr erwünschter Print-Ressortleiter rechnet.


Wie teuer es am Ende werden könnte, ist unklar. In dem Schreiben heißt es, die Spiegel-Geschäftsführung rechne mit Kosten zwischen drei und zehn Millionen Euro. Überprüfen lasse sich das aber nicht. Auch weil der Verlag angeblich keine Wirtschaftlichkeitsanalyse vorgenommen hat, zieht der Betriebsrat die rote Karte. Die Dimension des Vorhabens habe das Potential, "den Spiegel in seiner Existenz zu bedrohen",  heißt es in dem Schreiben. Die Gesellschafter müssten diese "unhaltbare Situation" endlich klären. mas
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