Score-Media-CEO Heiko Genzlinger

"Meine Gesellschafter rechnen mit sehr spitzen Bleistiften"

Rückenwind durch regionale Tageszeitungen: Heiko Genzlinger, CEO von Score Media
© Hans-Rudolf Schulz für HORIZONT
Rückenwind durch regionale Tageszeitungen: Heiko Genzlinger, CEO von Score Media
Als Heiko Genzlinger mit dem Zeitungsvermarkter Score Media im Herbst 2016 an den Start ging, hatte ihn so manch ein Branchenvertreter fast schon wieder abgeschrieben.  Zu langsam, zu unsichtbar sei er. Heute, nach dem ersten richtigen Jahr im Markt, ist Genzlinger immer noch CEO. Und er hat einiges auf seiner Haben-Liste vorzuweisen.

Der größte Posten: die Automatisierung des Tagesgeschäfts. Um drei Magnumflaschen Champagner hatte Genzlinger Anfang vergangenen Jahres gewettet, dass das Score-Media-Team um Judith Sterl (COO) und Christian Zimmer (CRO) bis Ende 2017 vollautomatisiert auf die Disposysteme der Mitgliedsverlage  zugreifen kann. Es hat geklappt, am 8. Dezember wurde in München die erste Kampagne vollautomatisiert abgewickelt. "Wir sind aber längst noch nicht da angekommen, wo wir hinwollen", sagt der Vermarkterchef – und skizziert im Interview mit HORIZONT seine Wachstumsideen.

Die Pläne von Score-Media-Chef Heiko Genzlinger

… für die Vermarktung von Anzeigenblättern:
"Wir führen aktuell erste Gespräche und arbeiten an einem Konzept. Einen konkreten Stand, wann wir die Vermarktung übernehmen werden, gibt es aber noch nicht. Der Markt der Anzeigenblätter ist noch um ein Vielfaches komplexer als der der regionalen Tageszeitungen. Teilweise gibt es in enger Absprache mit den Kunden und den Gesellschaftern aber schon jetzt erste gemeinsame Projekte, vor allem dort, wo die Haushaltsabdeckung zu niedrig ist. Wir nähern uns dem Thema also langsam an und sammeln erste Erfahrungen, aber wir brauchen erst einmal die Expertise und auch entsprechende Systeme. Wir machen also auch hier unsere Hausaufgaben."
Heiko Genzlinger: "Gegengewicht zu den großen digitalen Giganten aufbauen"
© Hans-Rudolf Schulz für HORIZONT
Heiko Genzlinger: "Gegengewicht zu den großen digitalen Giganten aufbauen"

… für Kooperationen im Medienmarkt:
"Score Media arbeitet gerade noch das Pflichtprogramm ab, die Kür ist noch ein Stück weit weg. Aber ich denke, dass wir im Laufe des Jahres 2018 bereit sind für Gespräche, aber nicht über Übernahmen, sondern schlichtweg über Kooperationen. Es macht doch total viel Sinn, dass Medien mit nationaler Verbreitung und regionaler Aussteuerung miteinander sprechen und überlegen, wie sie Pakete schnüren können, um es den Kunden einfacher zu machen. Da ist auch TV für uns sehr naheliegend. Eine Kombination aus Branding abends im TV und Produktwerbung am nächsten Morgen erscheint mir zumindest sehr sinnvoll. Wir arbeiten gerade an einem Konzept, wie ein solcher Nachweis aussehen könnte. Grundsätzlich teile ich aber die Branchenauffassung, durch Kooperationen ein Gegengewicht zu den großen digitalen Giganten aufbauen zu können und zu zeigen, dass es gattungsübergreifend auch bei nationalen Vermarktern nur einen Ansprechpartner, beste Targetingmöglichkeiten und einfache Prozesse geben kann."


… für die Preisentwicklung:
"Wir haben klare Preisvorgaben von unseren Gesellschaftern. Ob die jetzt gut oder schlecht sind, sei einmal dahingestellt, aber wir wären schlecht beraten, preisaggressiv zu verkaufen. Wir haben es ja gerade durch die verstärkte Betonung unserer hochwertigen Zielgruppe, der besonderen Nutzungssituation, dem hohen Stellenwert der regionalen Tageszeitung bei den Konsumenten, der Qualität der Inhalte etc. geschafft, die Gattung wieder ins Relevant Set vieler Kunden zu bringen.
„Entweder, die anderen Medien werden teurer, oder - und das ist wahrscheinlicher - wir müssen uns ein Stück weit anpassen“
Heiko Genzlinger, Score Media
Trotzdem müssen wir früher oder später eine völlig neue Rechnung aufmachen. Und ich tendiere ganz klar zu später. Warum? Score Media war im ersten Jahr vor allem damit beschäftigt, Personal, Systeme und Kundenbeziehungen hochzufahren, sich überhaupt erst einmal zu etablieren. 2018 wird für uns das erste Jahr sein, in dem wir als Vermarkter messbar werden. Und natürlich müssen wir dann irgendwann darüber sprechen, um wie viel Prozent wir das jetzige Preisniveau senken und auf Bestandsumsatz verzichten müssen, um endlich wieder realistischen Neuumsatz machen zu können. Daran führt meiner Meinung nach kein Weg vorbei. Aktuell liegt die regionale Tageszeitung im intermedialen Vergleich bei einem Preisindex von 300! Unsere Werbekunden zahlen gerne mehr für hohe Qualität und eine tolle Zielgruppe – aber nicht so viel mehr. Es gibt also nur zwei Möglichkeiten: Entweder, die anderen Medien werden teurer, oder - und das ist wahrscheinlicher - wir müssen uns ein Stück weit anpassen."




… für die Onlinevermarktung:
"Der Vertrag mit Ströer läuft noch bis 2019 (Anm.d.Red.: Ströer hat im Anfang 2016 mit der OMS den Onlinevermarkter regionaler Tageszeitungen übernommen und seitdem die Websites diverser Titel in seinem Portfolio). Ich wäre sicher falsch als CEO, wenn ich nicht sagen würde, dass das Onlineportfolio unserer Mitgliederverlage zu Score Media gehört. Klar ist aber auch: Ein Selbstläufer wird das nicht. Nach eineinhalb Jahren weiß ich, dass meine Gesellschafter mit sehr spitzen Bleistiften rechnen. Wenn Score Media im Digitalbereich signifikant weniger Umsatz prognostiziert als Ströer, dann stehen wir nicht zur Diskussion. Und auch Ströer wird als größter Digitalvermarkter des Landes sicherlich den Anspruch haben, besser zu sein als wir. Aber wir haben ja noch etwas Zeit, uns darauf vorzubereiten. Wenn es einen Pitch gibt, sind wir auf jeden Fall dabei." kan 
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