Schleichwerbe-Verdacht

Amazon spricht mit Medienanstalten über Pastewka

Immer schön im Bild: Media-Markt und das Wohnmobil von Dethleffs
© Amazon Video
Immer schön im Bild: Media-Markt und das Wohnmobil von Dethleffs
Bewegung beim Schleichwerbe-Vorwurf bei Pastewka: Amazon ist nun im Gespräch mit Cornelia Holsten, der Vorsitzenden der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten. "Wir sind im Gespräch. Mein Eindruck ist, dass Amazon offen dafür ist, sich anzuhören, was ich zu sagen habe", bestätigt Holsten gegenüber HORIZONT. Die DLM-Vorsitzende hatte in HORIZONT Produktintegrationen in der 8. Staffel von "Pastewka" kritisiert, die bei Amazon Prime Video zu sehen ist.
Amazon hat sich bislang nicht zum Thema geäußert und an die Produktionsfirma Brainpool verwiesen. In der 8. Staffel sind zahlreiche Marken zu sehen, unter anderem spielt eine ganze Folge in einem Media-Markt, der als solcher gut erkenntlich ist. "Die Media-Markt-Integration würden wir wahrscheinlich als ungekennzeichnete Produktplatzierung werten, im schlimmsten Fall als Schleichwerbung", hatte Holsten im Interview mit HORIZONT gesagt und ihre Erwartung formuliert, dass Amazon bei der Kennzeichnung nachbessert.  Eine Kennzeichnung, dass es sich um Produktplatzierung handelt, gibt es bei der Serie nämlich nicht. Brainpool hält diese auch nicht für notwendig, weil die Markenpräsenzen keine Produktplatzierungen seien, so die Firma auf Anfrage.

Cornelia Holsten, Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten
Annette Koroll, © Annette Koroll
Cornelia Holsten, Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten
Umso spannender ist es, dass Amazon nun doch mit der deutschen Medienaufsicht spricht. Zumal diese formal gar nicht der erste Ansprechpartner wäre. Zwar ist "Pastewka" für den deutschen Markt produziert, verantwortlich für das Angebot von Amazon sind laut Impressum jedoch verschiedene Firmen in Luxemburg.  Daher haben Holsten und Tobias Schmid, Direktor der Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen und Vize-Vorsitzender der European Regulators Group for Audiovisual Media Services (ERGA), die luxemburgische Aufsichtsbehörde angeschrieben, die sich nun mit dem Fall beschäftigt. Der Clou: Im luxemburgischen Amazon-Angebot ist "Pastewka" gar nicht zu sehen.

Auch Christian Solmecke, Partner der Medienrechtskanzlei Wilde Beuger Solmecke, bewertet die Mediamarkt-Intergration kritisch. In HORIZONT erläutert er unter welchen Bedingungen Produktintegrationen zulässig sind, was Sender und Marken dürfen und wo die Grenzen sind. pap


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