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Wie Netflix die TV-Produktion revolutionieren will

Netflix hat aktuell rund 118 Millionen Abonnenten
© Paul Sakuma Photography
Netflix hat aktuell rund 118 Millionen Abonnenten
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Die Organisation von Film- und TV-Produktionen ist eine Herausforderung - zig Gewerke und unzählige Beteiligte müssen am Set und bei der Postproduktion koordiniert werden. Der Streamingdienst Netflix will sich auch in diesem Bereich an die Spitze setzen und Produktionsprozesse mit einer selbst entwickelten Softwarelösung vereinfachen. 
"Aus historischer Sicht ist das Metier des Filmemachens ein harter, komplexer und (aufgrund zahlreicher Überschneidungen) ineffizienter Prozess", beschreibt Chris Goss, Director of Studio Technology bei Netflix das Grundproblem in einem Blogeintrag. "Hunderte von Menschen, die nie zuvor zusammengearbeitet haben, finden sich an einem neuen Ort irgendwo auf der Welt ein und investieren Millionen von Dollar in eine einzige Idee. Film- und Serienproduktionen mit mehreren globalen Drehorten sorgen aufgrund der Notwendigkeit des Reisens, der verschiedenen Zeitzonen, der kulturell verschiedenen Geschäftspraktiken und vielem mehr für zusätzliches Chaos." 

Moderne Technologien, um TV-Produktionen zu managen und zu koordinieren, kommen dabei im Vergleich zu anderen Branchen noch vergleichsweise selten zum Einsatz - vieles wird noch klassisch per E-Mail koordiniert. Zwar gebe es speziell für Filmproduktionen entwickelte Softwarelösungen, diese seien aber nicht robust oder modular genug gestaltet, um die Bedürfnisse komplexer Produktionsprozesse zu befriedigen, moniert der Manager. 

Netflix hat daher in den vergangenen zwei Jahren eine eigene Softwarelösung entwickelt, mit der die zahlreichen Eigenproduktionen künftig effizienter organisiert werden sollen. Dreh- und Angelpunkt ist die selbstentwickelte App Prodicle Move. Diese stellt allen an der Produktion Beteiligten sämtliche Schlüsseldaten zu den aktuellen Dreharbeiten zur Verfügung. "Die zentrale Erfassung und Bereitstellung von Informationen, die einst nur in Form von E-Mails und PDFs bereitgestellt wurden, eröffnet uns zahllose Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung – sowohl für die Produktions- als auch für die Studioteams", schwämt Goss. 

Es gehe darum, Lösungen zu erarbeiten, die sowohl für die Produktions- als auch für die Studioabläufe gleichermaßen von Nutzen sind. 
"Wir setzen auf die Macht der Technik, um unseren Kreativteams mehr Freiraum zu geben und die organisatorischen Hürden der Produktionsverwaltung für Darsteller und Crews zu verringern. Auf diese Weise sollen alle Beteiligten dazu befähigt werden, bei der Arbeit für Netflix die bestmögliche Leistung zu vollbringen", erklärt der Manager. 

Bislang wurde die Software bei den Netflix-Eigenproduktionen "Glow" und "Eine Reihe betrüblicher Ereignisse" getestet und soll nun weiter verbessert werden. Für den weltweit größten Streamingdienst geht es dabei nicht zuletzt um viel Geld: Für 2018 hat das Unternehmen Investitionen in Höhe von sieben bis acht Milliarden Dollar in Serien und Filme angekündigt, um die Konkurrenz auf Distanz zu halten. dh



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