Presserat Netanjahu-Karikatur der SZ verstößt nicht gegen den Pressekodex

Mittwoch, 13. Juni 2018
Die umstrittene Karikatur von Dieter Hanitzsch
Die umstrittene Karikatur von Dieter Hanitzsch
© Screenshot

Eine Netanjahu-Karikatur in der Süddeutschen Zeitung hatte im Mai für Aufregung gesorgt. Nach Ansicht des Deutschen Presserats verstößt die Zeichnung von Dieter Hanitzsch aber nicht gegen den Pressekodex, sondern ist vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt. Die Entscheidung war aber auch innerhalb des Gremiums umstritten. 
Die Selbstkontrollinstanz der deutschen Presse entschied am Mittwoch, dass die umstrittene Karikatur die Grenze zur Diskriminierung von Juden nach Ziffer 12 des Pressekodex nicht überschritten habe. Die Darstellung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sei zwar überzeichnet, aber im Rahmen der Meinungsfreiheit zulässig.  Die Karikatur zeigt den israelischen Regierungschef im Gewand der Eurovision Song Contest-Gewinnerin Netta. In der Hand hält der Politiker eine Rakete mit einem aufgemalten Davidstern, der im Hintergrund ebenfalls zu sehen ist. Netanjahu selbst ist mit großer Nase und abstehenden Ohren dargestellt. Viele Leser sahen sich durch die Karikatur an Zeichnungen der nationalsozialistischen Wochenschrift Der Stürmer erinnert. Acht Personen hatten sich beim Presserat beschwert.

In dem Gremium wurde die Darstellung offensichtlich ebenfalls kontrovers diskutuiert. Einige Mitglieder hätten die "stereotype Bildsprache" kritisiert und die Beschwerden für begründet gehalten, teilte der Presserat mit. Auch die Verwendung des Davidstern als religiöses und zugleich staatliches Symbol sei "unterschiedlich bewertet" worden. Die Mehrheit der Mitglieder des Presserats sah in der Karikatur aber keinen Verstoß gegen den Pressekodex. 

Die Süddeutsche Zeitung hatte sich nach der Kritik an der Karikatur öffentlich entschuldigt und die Zusammenarbeit mit Zeichner Dieter Hanitzsch beendet. Dieser hatte seine Zeichnung verteidigt. Es tue ihm aber leid, wenn sich jemand verletzt fühle. Er werde versuchen, die Karikatur zu erklären und seinen Standpunkt darzustellen. "Ich fühle mich aber nicht schuldig", sagte Hanitzsch dem Redaktionnetzwerk Deutschland. dh
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