Pressekodex

Presserat spricht zehn öffentliche Rügen aus

Der Rhein Neckar Blog berichtet über einen angeblichen Terroranschlag
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Der Rhein Neckar Blog berichtet über einen angeblichen Terroranschlag
Der Deutsche Presserat hat in seiner jüngsten Sitzung zehn öffentliche Rügen ausgesprochen. Unter anderem der Rheinneckarblog wurde für seinen erfundenen Bericht über einen angeblichen Terroranschlag in Mannheim gerüffelt. In einem Fall stehen gleich mehrere Medien am Pranger, die ungeprüft einen Bericht über eine Demonstration in Berlin übernommen hatten. 
Im Dezember hatte der Berliner Kurier berichtet, dass auf einer Demonstration gegen die Entscheidung Donald Trumps, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, anti-israelische und antisemitische Slogans gerufen wurden. Zahlreiche andere Zeitungen, darunter auch überregionale Blätte wie die Welt, die FAZ und die Süddeutsche Zeitung, hatten die Information scheinbar ungeprüft übernommen, obwohl sie nicht den Tatsachen entsprach. Der Presserat sieht darin einen Verstoß gegen den Pressekodex und appelliert an die Redaktionen, "eigene Recherchen trotz Zeitnot nicht zu vernachlässigen".

Eine öffentliche Rüge kassierte auch der Rheinneckarblog, der im März über einen angeblichen Terroranschlag in Mannheim berichtet hatte, dessen Inhalt aber frei erfunden war. Die Redaktion des Rheinneckarblogs habe damit dem Ansehen der Presse massiv geschadet, befand der Presserat.  Gleich drei öffentliche Rügen handelte sich die Bild ein. Eine Rüge gab es für die Veröffentlichung des kürzlich aus der Haft entlassenen Gladbeck-Geiselnehmers Dieter Degowski. Der Presserat sieht darin einen Verstoß gegen Ziffer 8 des Pressekodex, nach der bei zurückliegenden Straftaten im Interesse der Resozialisierung die Fotoveröffentlichung eines Täters unterbleiben soll. Auch die Abbildung des noch in Haft sitzenden Mittäters Hans-Jürgen Rösner und die erneute Veröffentlichung eines Fotos einer damals getöteten Geisel verstoße gegen den Pressekodex. 

Weiterhin rügte der Presserat die Veröffentlichung eines Handy-Videos durch Bild Online, das die Sekunden nach einem Mordversuch an einem 17-jährigen Mädchen zeigt sowie die Abbildung eines verunglückten Ehepaares in der Bild. Öffentliche Rügen gab es außerdem für den Kölner Stadt-Anzeiger und die Kölnische Rundschau wegen schwerer Verstöße gegen das Transparenzgebot, Tag24.de wegen einer reißerischen und irreführenden Überschrift im Zusammenhang mit Sexualstraftaten, die taz wegen der Verletzung von Persönlichkeitsrechten und die Zeitschriften Auf einen Blick und Gong wegen Schleichwerbung. 
Keinen Verstoß gegen den Pressekodex sah das Gremium dagegen wie bereits berichtet in der Netanjahu-Karikatur der Süddeutschen Zeitung. Insgesamt beschloss der Presserat zehn öffentliche Rügen, zwölf Missbilligungen und 24 Hinweise. Sieben Beschwerden wurden als begründet angesehen, auf eine Maßnahme jedoch verzichtet. 55 Beschwerden wurden als unbegründet erachtet. dh


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