Offener Brief

Burda-Browser Cliqz bezichtigt Mark Zuckerberg der Lüge

Cliqz-Geschäftsführer Marc Al-Hames
© Cliqz
Cliqz-Geschäftsführer Marc Al-Hames
Vergangene Woche hatte Burda-CEO Paul-Bernhard Kallen bereits eine Breitseite in Richtung Facebook abgefeuert und im Zusammenhang mit dem Datenskandal eine strengere Regulierung von Internetkonzernen gefordert. Nun legt die Burda-Tochter Cliqz, an der auch Mozilla beteiligt ist, nach und wendet sich in einem offenen Brief mit deutlichen Worten direkt an Facebook-Chef Mark Zuckerberg. Der Chef des Konzerns, der am heutigen Donnerstag mal wieder exzellente Umsatz- und Gewinnzahlen präsentierte, habe vor dem US-Kongress gelogen, heißt es darin.

In dem offenen Brief, der HORIZONT Online vorliegt und ab heute in einer breit angelegten Mediakampagne veröffentlicht wird, beziehen die beiden Cliqz-Geschäftsführer Marc Al-Hames und Jean-Paul Schmetz mit deutlichen Worten Stellung zum Datenskandal bei Facebook und der Anhörung Mark Zuckerbergs vor dem US-Kongress.

Zuckerberg habe "vor der Weltöffentlichkeit dreist gelogen", schreiben die beiden Cliqz-Chefs. "Sie haben vorgegeben, nichts darüber zu wissen, dass Facebook uns alle überwacht, unabhängig davon, ob wir Mitglied bei Facebook sind oder nicht."
Offener Brief von Cliqz an Facebook
© Burda
Offener Brief von Cliqz an Facebook
Konkret geht es den Cliqz-Chefs um die sogenannten Schattenprofile - damit sind Daten gemeint, die Facebook auch über jene Bürgerinnen und Bürger sammelt, die nie Mitglied bei Facebook waren oder das Netzwerk bewusst verlassen haben. Zuckerberg hatte während der Anhörung vor dem US-Kongress auf Nachfrage angegeben, nichts von diesen Schattenprofilen zu wissen. Wenig glaubhaft, finden die Cliqz-Chefs. Zuckerberg wisse genau, dass Facebooks Tracking-Skripte auf tausenden Internetseiten eingebunden seien. "Wir appellieren an die EU-Institutionen, den Geist von DSGVO und E-Privacy gegen die Lobbyinteressen der Überwachungsindustrie zu verteidigen und der systematischen Erstellung von Schattenprofilen endlich einen Riegel vorzuschieben", so Al-Hames in einer Mitteilung.


Facebook hat inzwischen einen neuen Werbespot gelauncht, in dem sich der Konzern durch die Blume bei seinen Nutzern entschuldigt (siehe Video oben). Aus Sicht von Cliqz ist das freilich zu wenig. Die Cliqz-Chefs richten sich am Ende ihres Briefs mit einer Forderung an Zuckerberg: "Sie haben jetzt die Chance, nachzubessern. Stehen Sie zu Ihrem Wort, beweisen Sie, dass Sie den öffentlich dargestellten Wandel ihrer Firma jetzt auch wirklich ernst meinen. Respektieren Sie Ihre User. Respektieren Sie unser aller Privatssphäre." Der Brief endet mit einem nicht uneigennützigen Hinweis auf die eigene Dienstleistung: "Und wenn Sie nicht wissen, wie das geht, fragen Sie uns, wir können das jetzt schon."

Der Internetbrowser Cliqz ging vor zwei Jahren an den Start und hat sich seitdem auf die Fahnen geschrieben, eine nutzerfreundlichere Alternative zu Google und Co anzubieten. Im Gegensatz zu den großen Browsern, die jede Menge Daten von den Nutzern sammeln, will Cliqz seinen Nutzern das Surfen ermöglichen, ohne Daten im Netz zu hinterlassen. Dabei wird seit einem Jahr auch die Anti-Tracking-Software von Ghostery eingesetzt, die von Cliqz übernommen wurde.


Cliqz speichert auf seinen Servern eigenen Angaben zufolge lediglich streng anonyme, rein statistische Daten ohne jeglichen Bezug auf einzelne Nutzer. "Der Deal 'Ich zeige dir eine auf dich zugeschnittene Werbung und du gibst mir dafür völlige Transparenz über dein Leben' ist meiner Meinung nach ziemlich aus der Balance geraten", sagte Cliqz-Chef Al-Hames damals im HORIZONT-Interview zum Marktstart. Heute verzeichnet Cliqz eigenen Angaben zufolge acht Millionen Nutzer, davon eine Million Cliqz- und sieben Millionen Ghostery-Nutzer. ron

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