Neues Magazin Zeit Verbrechen

"Wir wollen nicht den schnellen Kick"

Das Cover der ersten Ausgabe von Zeit Verbrechen
© Die Zeit
Das Cover der ersten Ausgabe von Zeit Verbrechen
Am 24. April bringt die Zeit erstmals ihr neues Magazin Zeit Verbrechen an den Kiosk. Neuland sei das für die Redaktion aber nicht, sagt Sabine Rückert. Die stellvertretende Chefredakteurin der Wochenzeitung aus Hamburg ist sicher, dass Zeit Verbrechen eigene Akzente in einem Segment setzen wird, das Gruner + Jahr mit Stern Crime bereits besetzt hat.
Das Genre True Crime fasziniert die Menschen offensichtlich sehr - was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür? In echten Kriminalgeschichten geht es nicht zu wie im Fernsehkrimi mit dem absehbaren Ende, sie handeln vielmehr von tatsächlich geschehenen, extremen Situationen des Lebens, um Abgründe unserer Seele und unserer Gesellschaft, um Menschen, die plötzlich die Kontrolle verlieren - über sich oder über alles. Es geht in diesen Geschichten aber auch immer um die Frage: Wie ist der Mensch beschaffen? Gut oder böse – und wann ist er was? Für derart existenzielle Fragen interessieren sich die Menschen seit jeher. Schon die Bibel ist voll davon.
Sabine Rückert ist verantwortlich für Zeit Verbrechen
© Die Zeit / Vera Tammen
Sabine Rückert ist verantwortlich für Zeit Verbrechen
An welche Zielgruppe wenden Sie sich, wie sieht der typische Zeit-Verbrechen-Leser aus? Zunächst haben wir mit diesem neuen Magazin den klassischen Zeit-Leser im Blick. Wir wissen ja, wie sehr sich die Leser und Leserinnen für Kriminalgeschichten und im besonderen für unsere Kriminalseite "Recht & Unrecht" interessieren. Es ist eine außerordentlich beliebte und oft gelesene Seite. Wir erweitern mit dem neuen Magazin nun dieses Programm. Doch wenn zusätzlich Leser zu Zeit-Verbrechen greifen, die sonst die Zeit nicht lesen, freut uns das natürlich.


Worum geht es Ihnen bei der redaktionellen Arbeit zuerst: Neue, unbekannte Fälle auszugraben und darüber zu schreiben oder auch große, bekannte Kriminalfälle aus einer neuen Perspektive zu erzählen? Wir haben kein festgelegtes Schema. Wollen aber nicht den schnellen Kick, sondern erzählen spannende, wahre, tiefgründige und nachdenklich stimmende Geschichten - und wir setzen einen Schwerpunkt auf Geschichten mit Zeitdimension. So bringen wir in der ersten Ausgabe zum Beispiel große Zeit-Kriminalreportagen, die teilweise schon Jahrzehnte zurückliegen, und stellen die Frage: Wie ging es weiter? Wie leben die Menschen aus unseren Reportagen heute mit ihrem Schicksal - als Täter, als Opfer, als Ermittler. Verbrechen, vor allem Kapitalverbrechen haben einen langen Atem. Die Dramatik solcher Fälle endet nie.
Das Cover der ersten Ausgabe von Zeit Verbrechen
© Die Zeit
Das Cover der ersten Ausgabe von Zeit Verbrechen
Gruner + Jahr hat das Segment mit Stern Crime bereits erfolgreich besetzt – war das ein Grund für die Zeit, hier auch einen Versuch zu starten? Stern Crime ist ein erfolgreiches Produkt, das freut uns für die Kollegen. Doch die Zeit betreibt seit zwanzig Jahren eine Kriminalberichterstattung auf sehr eigene und ebenfalls sehr erfolgreiche Art. Wir haben so einige Preise dafür gewonnen. Wir müssen uns also an niemandem orientieren, sondern machen weiterhin das, was uns schon seit Jahren auszeichnet - nur jetzt eben auch in einem eigenen Magazin am Kiosk.

Was wollen Sie anders machen als Stern Crime, wie wollen Sie sich von der Konkurrenz abheben? Wir wollen ein spannendes Magazin machen, Hintergründe und Einordnung liefern, Denkanstöße geben. Zeit-Verbrechen beschäftigt sich vor allem mit Deutschland, es geht um Fälle, die mit unserer eigenen Gesellschaft zu tun haben. Etwa das Schicksal einer schwer misshandelten Frau, die nach Jahren des Martyriums ihren Mann erschießen lässt, oder die Nahaufnahme eines freigelassenen Vergewaltigers, der Tag und Nacht von einem Schwarm Polizisten begleitet werden muss. Verbrechen und Strafverfahren erzählen viel über die Gesellschaft, in der sie geschehen. Egal ob sie in feinen Wirtschaftskreisen spielen oder in Glasscherbenvierteln.


Zeit Verbrechen
Die erste Ausgabe von Zeit Verbrechen kommt am 24. April an den Kiosk. Die Druckauflage beträgt 60.000 Exemplare, der Copypreis 5,95 Euro. Die Redaktionsleitung übernimmt Stephan Lebert, die Objektleitung hat Malte Ricken, Objektleiter Zeit Magazine, inne. Das Magazin soll perspektivisch zweimal im Jahr erscheinen.
Neben Reportagen, Fotostrecken, Infografiken kommen in Interviews und eigenen Beiträgen auch Fachleute zu Wort. Auch werden wir immer wieder die Segnungen des Rechtsstaats in den Mittelpunkt rücken - und die ständigen Gefahren, denen er ausgesetzt ist. ire

Sabine Rückert hat unsere Fragen per E-Mail beantwortet.
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