Nach Schulz-Bashing

Muss Handelsblatt-Chef Gabor Steingart gehen?

War die Feder diesmal zu spitz? Handelsblatt-Chef Gabar Steingart
Handelsblatt-Gruppe
War die Feder diesmal zu spitz? Handelsblatt-Chef Gabar Steingart
Sein meinungslastiges "Morning Briefing" liest gefühlt die halbe Republik. Doch die gestrige Ausgabe des beliebten und stets mit spitzer Feder geschriebenen Morgen-Newsletters könnte Gabor Steingart zum Verhängnis werden. Das will zumindest der "Spiegel" erfahren haben. Nach Informationen des Magazins muss der Geschäftsführer und Miteigner der Handelsblatt Media Group seinen Posten räumen.

Sollte Steingart, der von April 2010 bis Dezember 2012 selbst  "Handelsblatt"-Chefredakteur war, tatsächlich abberufen werden, wäre das ein Paukenschlag. Der frühere "Spiegel"-Journalist - von 2001 bis 2007 leitete er das Hauptstadtbüro des Magazins - hat das "Handelsblatt" wieder zurück auf die Erfolgsspur geführt. Dafür wurde er auch von HORIZONT zum Medienmann des Jahres 2012 gekürt


Ein Ende der Ära Steingart hatte sich auch zuletzt nicht angedeutet. Dass der Manager, der Anfang 2013 den Vorsitz der Geschäftsführung der Verlagsgruppe Handelsblatt übernahm und auf den Herausgeberposten wechselte, nun aber offenbar dennoch in die Schusslinie geraten ist, soll nach Informationen des "Spiegel" mit dessen "Kampagne" gegen SPD-Chef Martin Schulz zu tun haben. Erst am Mittwoch hatte Steingart in seinem "Morning Briefing" geschrieben, der "mittlerweile ungeliebte" Schulz wolle "den derzeit beliebtesten SPD-Politiker, Außenminister Sigmar Gabriel, zur Strecke bringen". Er verglich dies mit einem - so wörtlich - "perfekten Mord".

Damit soll Steingart laut "Spiegel" den Zorn von Dieter von Holtzbrinck, dem Haupteigner der Verlagsgruppe, auf sich gezogen haben. Dieser habe sich gestern per Brief bei Schulz entschuldigt. "Das heutige 'Morning Briefing' von Gabor Steingart hat mich schockiert. Inhalt und Stil des Sie betreffenden Textes entsprechen weder meinen publizistischen Qualitäts- und Wertevorstellungen noch denen der Handelsblatt-Redaktion", zitiert der "Spiegel" aus dem Schreiben. Er entschuldige sich "vielmals" auch "im Namen des Handelsblatt", heißt es weiter.

Eine Bestätigung für die Trennung von Steingart gibt es nicht. Bei der Verlagsgruppe Handelsblatt war am Donnerstagabend niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Dem "Spiegel" zufolge soll es am heutigen Donnerstag Gespräche im Aufsichtsrat gegeben haben. Am Freitag soll ein Gespräch zwischen Holtzbrinck und Steingart folgen. mas



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