Nach Partnerschaft von Dumont und Madsack

FR-Miteigentümer Schöningh: "Unsere Gesprächspartner sitzen jetzt in Hannover"

Das Cover der neuen "Frankfurter Rundschau"
© Frankfurter Rundschau
Das Cover der neuen "Frankfurter Rundschau"
Das am Mittwoch verkündete Aus für die DuMont Hauptstadtredaktion kommt für Daniel Schöningh zur rechten Zeit. Der Neffe des Verlegers Dirk Ippen, der über die Zeitungsgruppe Hessen seit April Miteigentümer der Frankfurter Rundschau ist, überprüft ohnehin gerade den Vertrag über die Zulieferung überregionaler Artikel von DuMont aus Berlin. Wenn nun DuMont die überregionale Berichterstattung seiner Blätter an das von Madsack dominierte RND Berlin abgibt, sagt Schöningh: "Wir sind an einer Fortsetzung der Zusammenarbeit interessiert – dann eben mit Madsack". Voraussetzung: Die Konditionen müssen stimmen.

Es war Daniel Schöningh selbst, der jüngst gleich mehrfach den Vertrag zwischen der Frankfurter Rundschau und der DuMont Hauptstadtredaktion infrage stellte. Geregelt ist darin, dass die FR täglich etwa 25 Beiträge aus dem überregionalen Angebot der Berliner übernehmen kann. Der Vertrag, der aus Sicht der neuen Eigentümer zu teuer ist, ist ein Relikt aus der Zeit vor der FR-Insolvenz. Damals gehörte das Blatt wie die Berliner Zeitung zu DuMont. Verbunden waren beide über die "Rege" genannte Redaktionsgemeinschaft. Sie war die Keimzelle der DuMont Hauptstadtredaktion, die zuletzt die Mantelberichterstattung sämtlicher Zeitungen der Kölner stemmte, auch die der Mitteldeutschen Zeitung in Halle und der Boulevardtitel.

Nach der Insolvenz im November 2012 kaufte zunächst die Fazit-Stiftung der FAZ die Frankfurter Rundschau. Auf Verlagsebene wurde sie bei der Frankfurter Neuen Presse angedockt. Das ging gut – bis zum Frühjahr dieses Jahres.




Im März gab das Kartellamt seinen Segen zum Verkauf der Rundschau mitsamt der Frankfurter Neuen Presse, der Societäts-Druckerei und dem Regionalvermarkter Rhein-Main Media an die Zeitungsgruppe Hessen. Dahinter stehen mehrheitlich die Ippen-Gruppe und mit 20 Prozent die Familie Rempel vom Mittelhessischen Druck- und Verlagshaus in Gießen. Ippens Neffe Schöningh führt seither in Frankfurt, wie bei allen Ippen-Blättern, die Geschäfte – neben Max Rempel, der neuer Chefredakteur der FNP wurde.


Der von Schöningh mit der Übernahme infrage gestellte Vertrag zwischen der FR und der DuMont Hauptstadtredaktion könnte von Herbst an womöglich obsolet sein. Die DuMont Hauptstadtredaktion existiert dann nämlich nicht mehr. Die Berliner Zeitung, der Berliner Kurier, die Hamburger Morgenpost und die DuMont-Titel in Köln und Halle erhalten ihre Mantelberichterstattung künftig vom RND Berlin. Mehrheitsgesellschafter dort ist mit 75 Prozent die Mediengruppe Madsack mit ihrem personell aufzustockenden Berliner Büro des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Das ist eine erstaunliche Wendung, die allerdings, sagt Schöningh im Gespräch mit HORIZONT, nicht das Ende einer redaktionellen Zusammenarbeit zwischen der FR und Berlin bedeuten muss.

Zunächst wolle er zwar abwarten, wie sich die neue Konstellation zwischen Madsack und DuMont entwickelt. Auch müsse das Kartellamt der neuen Gesellschaft RND Berlin erst zustimmen – womit zu rechnen ist, da Madsack im Zeitungsmarkt Berlin bisher nicht aktiv ist. Ein weiterer Aspekt sei ihm wichtig, sagt Schöningh: die personelle Zusammensetzung des RND Berlin. Werden dort auch Redakteure beschäftigt sein, die die FR-Leser aus der Zeit der DuMont-Kooperation gewohnt waren?

Und schließlich, ergänzt Schöningh, hänge alles davon ab, wie die finanziellen Konditionen sind, die das RND Berlin, also Madsack, für die Lieferung überregionaler Beiträge anbiete. Sollten die Bedingungen jedoch stimmen, könne er sich durchaus vorstellen, für die FR einen neuen Vertrag abzuschließen: "Wir sind an einer weiteren Zusammenarbeit interessiert", sagt Schöningh und lässt durchblicken, dass ihm die neuen Machtverhältnisse in Berlin ganz gelegen kommen: "Unsere Gesprächspartner sitzen jetzt in Hannover".

Wäre damit ein für allemal vom Tisch, dass womöglich die Redaktionen von Frankfurter Neuer Presse und Frankfurter Rundschau zusammengelegt werden? Schöningh sagt, der Restrukturierungsprozess in der Mainmetropole werde Jahre dauern, nicht ohne Grund habe mit Ausnahme der Zeitungsgruppe Hessen kein anderes Haus für die beiden Titel mitsamt Verlag, Druckerei und allen damit zusammenhängenden Problemen geboten. Sicherlich werde es hier und da zu Kooperationen zwischen den Zeitungen und ihren Redaktionen kommen, das schon, räumt Schöningh ein. Allerdings sagt er auch: Ein einheitlicher Mantelteil würde weder der (konservativen und ländlich geprägten) FNP noch der (linksliberalen, großstädtischen) FR gerecht. Das sei nicht im Interesse der Leser und auch nicht in dem der Mitarbeiter: "Jedes der Blätter muss sein eigenes Gesicht behalten". usi

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