Musikfernsehen

Viacom stellt Viva ein

Mark Specht, General Manager Viacom für den deutschsprachigen Raum
© Bernd Jaworek
Mark Specht, General Manager Viacom für den deutschsprachigen Raum
Aus für den Musiksender Viva. Ende des Jahres wird der Kanal den Sendebetrieb einstellen. Viacom will sich auf die Marken MTV, Comedy Central und Nickelodeon konzentrieren. Mark Specht, General Manager von Viacom International Media Networks GSA, erklärt im Interview mit HORIZONT, warum und wie es ohne Viva weitergeht.
Herr Specht, warum nehmen Sie Viva nach 25 Jahren vom Markt? Lief es so schlecht? Es wäre kein Problem gewesen, Viva weiterzumachen. Der Sender ist profitabel. Aber wir wollen alle unsere Kraft auf unsere drei stärksten Marken MTV, Comedy Central und Nickelodeon konzentrieren und diese Marken noch klarer in Richtung Zuschauer und Werbemarkt kommunizieren. Wir sehen größere Wachstumschancen bei Comedy Central als bei Viva, mit dem sich CC derzeit den Kanal teilt. Deshalb wollen wir künftig 24 Stunden am Tag Comedyprogramm unter dieser Marke senden.
„Wir sehen größere Wachstumschancen bei Comedy Central als bei Viva“
Mark Specht, Viacom



Viva ist besonders stark bei den 14- bis 29-Jährigen und kommt dort während der Sendezeit im Schnitt auf Marktanteile deutlich über einem Prozent. Ist das nicht eine Zielgruppe, die sich besonders gut vermarkten lässt, weil sie schwer zu erreichen ist? Sie sind schwer zu erreichen, aber es ist trotzdem relativ schwierig, mit jungen Zielgruppen Geld zu verdienen. Sie sind im Werbemarkt weniger attraktiv als die 14- bis 49-Jährigen, die bei MTV im Fokus stehen.

MTV ist seit Ende 2017 zurück im Free-TV. Wie hat sich der Sender entwickelt? Wir sind in einer guten Richtung unterwegs und kommen derzeit auf 0,1 Prozent Marktanteil.


Das klingt nach nicht so viel ... Wir sind damit im Plan und glücklich mit dem Gesamtstart. Mittelfristig wollen wir mehr erreichen und investieren entsprechend ins Programm, damit der Sender weiter wächst. Zum Jahresende kommt zum Beispiel mit "Yo! MTV Raps" eine weitere lokale Produktion. Das ist ein teures Projekt und zeigt, dass wir es ernst meinen.

Wie viele Mitarbeiter müssen mit der Einstellung von Viva zum Jahresende gehen? Keiner muss gehen – denn wir wollen ja mit MTV wachsen. Beide Marken werden jetzt schon von einem gemeinsamen Team unter der Leitung von Lauren Nola geführt.

Wie füllen Sie den zusätzlichen Sendeplatz von Comedy Central? Wir investieren sowohl weiter in lokale Eigenproduktionen wie "CC:N" und "Standup 3000", als auch in die Akquisition neuer Formate. Wir sind mit Comedy Central stark bei männlichen Zielgruppen. Für weiteres Wachstum in der Vermarktung ist es wichtig, die Netto-Reichweite zu steigern. Mit Sitcom-Serien wie "Friends" haben wir Comedy Central bereits für weitere Zielgruppen geöffnet und breiter aufgestellt. Das ist die Richtung, die wir weiterhin einschlagen. Interview: pap
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