#MeToo-Debatte

Spiegel gründet Arbeitsgruppe zum Thema Sexismus

Das "Spiegel"-Gebäude in der Hamburger Hafencity
© Spiegel Verlag
Das "Spiegel"-Gebäude in der Hamburger Hafencity
Das Thema Sexismus treibt nach wie vor viele Medien um. Der Spiegel, der das Thema im Zusammenhang mit der Weinstein-Affäre im Herbst in einer großen Titelgeschichte behandelt hat, beschäftigt sich nun auch intern mit der Problematik. So hat das Nachrichtenmagazin eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die das Thema intern aufarbeiten soll.
Wie Kai-Hinrich Renner in seiner Kolumne "Medienmacher" für die Berliner Morgenpost berichtet, wurde die 30-köpfige Arbeitsgruppe, die aus Mitarbeitern aller Abteilungen besteht, bereits im vergangenen Jahr gegründet. Geleitet wird die Runde, die laut Verlag "Vorschläge für einen klugen und verantwortungsvollen Umgang mit dieser Debatte" erarbeiten soll, von Personalchef Felix Blum. Ziel sei es, "eine Kultur von gegenseitigem Respekt, Offenheit und Kreativität sicherzustellen", sagte eine Sprecherin. "Chancengleichheit und Freiheit von jeder sexuellen Belästigung sollen Selbstverständlichkeiten beim Spiegel sein." 


Ein Grund für die Einsetzung der Arbeitsgruppe waren wohl interne Beschwerden. So sollen laut Renner im vergangenen Jahr mehrere Redakteurinnen der Chefredaktion und der Verlagsführung über Sexismus im eigenen Haus berichtet haben. 

Renner verweist in diesem Zusammenhang zudem auf Spiegel-Gründer Rudolf Augstein, der sich Frauen gegenüber auch nicht immer korrekt verhalten haben soll. So habe er Mitarbeiterinnen schon mal im Morgenmantel empfangen. Augsteins frühere Büroleiterin Irma Nelles beschreibt in ihrem Buch "Der Herausgeber" sogar, dass er den Morgenmantel bei ihrem Bewerbungsgespräch auszog. Bei der Party zum 50-jährigen Bestehen des Spiegel soll Augstein außerdem gegenüber der Freundin eines damaligen Redakteurs zudringlich geworden sein.


Auch andere Medienunternehmen beschäftigen sich intern mit Sexismus-Vorwürfen. So hat Vice Media nach einer Enthüllungsgeschichte der New York Times über sexuelle Übergriffe einen Beirat eingerichtet, der die Vorwürfe aufarbeiten und ein sicheres Arbeitsumfeld für Frauen sicherstellen soll. dh
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