Max Conze

Wer ist der neue Boss von Pro Sieben Sat 1 Media?

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Eines hat der designierte Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat 1, Max Conze, mit seinem Vorgänger Thomas Ebeling gemeinsam: Beide Manager hatte vorher niemand in der Branche auf dem Zettel. Und beide haben zuvor außerhalb der Medienbranche Karriere gemacht. Wer ist der Mann, der ab Juni den Chefsessel bei dem TV-Konzern in Unterföhring übernimmt?
Der Aufsichtsrat von Pro Sieben Sat 1 Media, der die Berufung von Conze am Mittwoch absegnete, sparte nicht mit Vorschusslorbeeren für den designierten Vorstandschef: Der 48-jährige ehemalige CEO des britischen Staubsaugerherstellers Dyson verfüge über "umfangreiche internationale Managementerfahrung in unterschiedlichen Branchen" und habe die digitale Transformation bei Dyson erfolgreich umgesetzt. "Mit seiner Innovationsstärke und seinem Marketingverständnis wird er Pro Sieben Sat 1 zu neuen Erfolgen führen", ist Werner Brandt, Aufsichtsratsvorsitzender der Pro Sieben Sat 1 Media sicher.


Tatsächlich braucht Pro Sieben Sat 1 dringend einen neuen Vorstandschef, der an der Börse neue Wachstumsfantasien entfachen kann. Der Börsenkurs des TV-Konzerns, der seit dem Amtsantritt von Thomas Ebeling 2009 fast kontinuierlich stieg, brach im vergangenen Jahr deutlich ein - unter anderem durch die umstrittenen Äußerungen Ebelings, manche TV-Zuschauer seien "ein bisschen fettleibig und ein bisschen arm". Zeitweise galt Pro Sieben Sat 1 Media sogar als Wackelkandidat für den Leitindex DAX

Und Conze hat bewiesen, dass er Wachstumsgeschichten schreiben kann. Der in Bielefeld geborene Manager hat eine blitzsaubere Karriere hingelegt. Nach dem Abschluss seines Studiums an der Columbus State University stieg er bei Procter & Gamble ein, wo er schnell Karriere machte: Nach diversen Stationen als Brand Manager in Deutschland und Großbritannien wurde er im Jahr 2000 mit gerade einmal 31 Jahren Director of Global Skincare in Cincinnati, zwei Jahre später wechselte er als Marketing Director Personal Skin Care nach Genf, wiederum zwei Jahre später ging er als Managing Director Skincare für P&G nach China. 2007 kehrte er als General Manager Beauty Care zurück nach Deutschland, bevor er 2010  - nach 17 Jahren bei Procter & Gamble - zu Dyson wechselte. Dort verantwortete er zunächst das Geschäft in den USA, bevor er Ende 2011 als Nachfolger des glücklosen Martin McCourt neuer CEO des britischen Technologiekonzerns wurde. 


Bei Dyson verdreifachte er während seiner Amtszeit sowohl den Umsatz als auch den Gewinn und schob zahlreiche neue Geschäftsfelder an. Erst kürzlich kündigte das vor allem für seine beutellosen Staubsauger bekannte Unternehmen ein eigenes Elektroauto an. In Interviews mit englischen Medien gab sich der Manager gerne als Teamplayer. Seine Zeit bei der Bundeswehr, wo er als Leutnant einer Fallschirmjägereinheit mit 21 Jahren plötzlich die Verantwortung für 20 Soldaten trug, habe ihn eines gelehrt: "Es ist das Beste, eine Menge kluger junger Leute einzustellen, ihnen viel Verantwortung zu übertragen und sie werden daran weiter wachsen", sagte er im Gespräch mit der Financial Times. Auf Fotos wirkt der knapp 1,90 Meter große Manager locker und hemdsärmelig: Nicht selten posiert er auch für Pressefotos in Hemd und Turnschuhen, in Krawatte sieht man Conze nie. Bei Presseterminen griff er auch schon mal zum Staubsauger

Sein Abschied bei Dyson im vergangenen Herbst war allerdings von Misstönen begleitet: Kurz nach der Trennung reichte das Unternehmen Klage gegen seinen ehemaligen Spitzenmanager ein. Der Vorwurf: Vertragsbruch und Geheimnisverrat. Conze soll vertrauliche Informationen weitergegeben haben. Der Manager wies die Vorwürfe vehement zurück, schließlich einigte man sich außergerichtlich. 

An seiner beeindruckenden Erfolgsbilanz ändert das indes nichts. Seine Berufung ist zudem ein klares Signal an Investoren, dass Technologie und der digitale Wandel künftig ganz oben auf der Agenda von Pro Sieben Sat 1 Media steht. "Der digitale Wandel dieser Branche reizt mich besonders und die Kombination mit dem Commerce-Geschäft macht Pro Sieben Sat 1 für mich einzigartig", ließ sich der designierte CEO zitieren. "Gemeinsam mit meinen Vorstandskollegen und allen Mitarbeitern möchte ich die Zukunft des Unternehmens mit vollem Einsatz gestalten und die Drei-Säulen-Strategie Entertainment - Content Production - Commerce vorantreiben." Ob er sich mit dem klassischen TV-Geschäft dabei genau so schwer tut wie sein Vorgänger Thomas Ebeling, wird sich zeigen. dh
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