Marktbeobachter

Pro Sieben Sat 1 hat Jahresziele wohl erreicht und verhandelt mit General Atlantic über Digitalsparte

Die Zentrale von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring
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Die Zentrale von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring
Es herrscht wieder Zuversicht unter Pro Sieben Sat 1-Experten. Dass der Medienkonzern aus Unterföhring seine zuletzt nach unten korrigierten Jahresziele erreicht hat, steht für viele außer Frage. Und auch mit Blick auf die Zukunft hat sich die Wahrnehmung geändert. Waren die Aussichten Mitte des Jahres angesichts einer schwachen Entwicklung im TV-Bereich eher trübe, sorgen der angegangene Konzernumbau sowie der angekündigte Chefwechsel nun wieder für neuen Optimismus unter Marktbeobachtern.
Insgesamt rechnen von der Nachrichtenagentur Bloomberg bis Montag befragte Analysten beim Konzernumsatz mit einem Plus von rund 6,6 Prozent im Vorjahresvergleich auf knapp 4,05 Milliarden Euro. Beim bereinigten Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) wird ein leichter Zuwachs auf 1,04 Milliarden Euro erwartet.


Ende vergangenen Jahres hatte Noch-Chef Thomas Ebeling bereits durchblicken lassen, dass sein Konzern die zuletzt revidierten Ziele für 2017 erreichen dürfte. Seit November peilt das Management eine Erlössteigerung im mittleren einstelligen Prozentbereich an, während das Ebitda und der bereinigte Gewinn das Vorjahresniveau leicht übertreffen sollen.

Für die Zukunft sei man "gut vorbereitet und gut positioniert", wie es von Ebeling zu dem Zeitpunkt hieß. Um das Geschäft voranzutreiben und gleichzeitig Kosten zu sparen, hatte der Manager zuletzt einen Konzernumbau in Gang gesetzt, in dessen Rahmen die TV-Sparte mit den Online-Unterhaltungsplattformen zusammengelegt werden sollen. Bei den Anlegern war das Anfang Dezember gut angekommen. Die Kurserholung vom Mehrjahrestief bei 24,50 Euro Mitte November erhielt frischen Schwung. Das Plus seit dem Tief summiert sich bereits auf rund 28 Prozent. Auf Sicht von zwölf Monaten sind die Papiere vor allem wegen der Sorgen um das TV-Werbegeschäft, die 2017 belastet hatten, mit einem Minus von rund 20 Prozent immer noch schlechtester Dax-Wert.


Der Tag der Vorlage der Jahreszahlen - Donnerstag (22. Februar), wird für Ebeling der letzte Tag im Amt sein. Der 59-Jährige hatte vor ein paar Monaten Kritik auf sich gezogen, weil er sich bei einer Analystenkonferenz abschätzig über die eigene Fernsehzielgruppe geäußert hatte.

Ein Nachfolger wurde immer noch nicht bekanntgegeben. Medienberichten zufolge wird unter anderem der bisherige stellvertretende Vorstandsvorsitzende Conrad Albert als neuer Chef gehandelt. Die "Hamburger Morgenpost" hatte zudem im Herbst berichtet, dass auch der frühere Constantin-Chef Fred Kogel infrage käme, genauso wie der ehemalige Premiere-Leiter Markus Tellenbach sowie Ex-RTL-Chef Gerhard Zeiler. Wer es auch immer wird - ein Chefwechsel könnte Pro Sieben Sat 1 nach Einschätzung des Analysten Ian Whittaker vom Investmenthaus Liberum zu einem Neustart verhelfen. Für 2018 rechnet er mit einer Erholung des TV-Sektors und des Werbebereichs - und das nicht zuletzt wegen der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft. Whittaker erwartet allgemein "deutliche Umsatzchancen" durch das Online- und OTT-Geschäft, also das Geschäft mit dem Empfang von Internet-Inhalten auf einem Fernseher - ein Bereich, in dem Pro Sieben Sat 1 als stark gilt.

Auch Julien Roch, Analyst bei der Barclays Bank, bezeichnete Pro Sieben Sat 1 als stark diversifiziert. Investoren würden zudem das Digitalgeschäft unterschätzen, mit dem der Fernsehkonzern einen immer größeren Anteil an seinen Gesamtumsätzen generiere. So wächst etwa das Geschäft mit den Onlineportalen wie Flaconi oder Verivox schon seit längerem kontinuierlich.

Das ist Investoren offensichtlich nicht entgangen. Wie Reuters berichtet, verhandelt der TV-Konzern derzeit mit dem Finanzinvestor General Atlantic über eine Beteiligung an der Digitalsparte von Pro Sieben Sat 1. General Atlantic habe sich gegen die Finanzinvestoren Verdane und EQT durchgesetzt, sagten zwei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur am Montag.

Pro Sieben Sat 1 hatte vor einiger Zeit angekündigt, eine Minderheitsbeteiligung seines Digitalgeschäfts, zu dem unter anderem das Vergleichsportal Verivox und die Datingseite Parship gehören, verkaufen zu wollen. Die Rede war von einem 30- bis 40-prozentigen Anteil. Die Verhandlungen sollen laut Reuters spätestens Ende März abgeschlossen werden. Denkbar ist auch, dass schon bei der Vorstellung der Jahresbilanz an diesem Donnerstag ein Abschluss verkündet wird. 
dpa/dh
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