Madsack-CEO Thomas Düffert

"Je größer der Verbund, desto besser"

Thomas Düffert, CEO Madsack
© Madsack
Thomas Düffert, CEO Madsack
Von Herbst an liefert das Redaktionsnetzwerk Deutschland auch für die DuMont-Zeitungen die überregionale Berichterstattung aus Politik und Wirtschaft. Dafür gründet Madsack das RND Berlin, an dem DuMont mit 25 Prozent beteiligt sein wird. Was der vorige Woche bekanntgewordene Deal für die Hannoveraner bedeutet und welche Pläne es darüber hinaus gibt, erläutert Madsack-CEO Thomas Düffert im Interview mit HORIZONT.

Es wirkt wie ein Geschenk zum 125-jährigen Bestehen, das der Verlag in zwei Wochen feiert. Voraussichtlich ab Oktober wird die Madsack Mediengruppe, die schon jetzt Herr ist über einen Verbund aus mehr als 40 eigenen und Partnerzeitungen, auch in den großen Zeitungsstädten Köln, Hamburg und Berlin vertreten sein. Thomas Düffert sieht das als Bestätigung für das von ihm vor fünf Jahren ausgerufene Programm Madsack 2018: "Der Weg war für uns alleine schon richtig", er ermögliche aber auch, "unsere Dienstleistungen anderen Redaktionen und Verlagen anzubieten". Madsack sei in einer guten Verfassung, "das zum Jubiläum sagen zu können, freut mich sehr".

Madsack 2018 zielte auf einen Umbau des Konzerns ab. Vermarktung, Vertrieb, Logistik und Redaktion wurden an zentralen Standorten gebündelt. Die Maßnahmen sollten sowohl die jeweilige Kompetenz als auch die Effizienz erhöhen.

"Wir brauchten naturgemäß erst einmal für uns selbst eine gewisse Zeit, bis wir neue Arbeitsweisen stabilisiert hatten. Da vergeht schon einmal ein Jahr", sagt Düffert rückblickend. Erster Fremdkunde des in der zweiten Jahreshälfte 2014 gestarteten Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) war 2016 die Neue Westfälische aus Bielefeld. Es folgten die Ruhr-Zeitung von Lensing-Wolff in Dortmund, die Landeszeitung Lüneburg, zuletzt die Heilbronner Stimme – und nun DuMont mit drei Boulevardblättern, zwei klassischen Regionaltiteln und der Berliner Zeitung in der Hauptstadt.

Mutmaßungen, das könne der Anfang einer Entwicklung sein, an deren Ende Madsack DuMont das gesamte publizistische Geschäft abnimmt, erteilt Düffert jedoch eine Absage: "Es gibt nicht im Ansatz eine Diskussion darüber, DuMont teilweise, ganz oder sonstwie zu übernehmen. Dazu besteht weder Anlass, noch hat DuMont das nötig". Wohl aber sieht er sein Haus als Treiber der Konsolidierung. Die Kundenliste des RND soll weiter wachsen. "Je größer der Verbund, desto besser ist das für alle Partner", sagt der Madsack-Chef. Nach dem DuMont-Deal kommt das RND auf bis zu 2,3 Millionen verkaufte Exemplare und 6,8 Millionen Leser. Im Huckepack mit DuMont hinzukommen könnte die Frankfurter Rundschau. Die Zeitungsgruppe Hessen hat bereits Interesse signalisiert – unter der Voraussetzung, dass die Konditionen stimmen und ebenso die Zusammensetzung des RND Berlin. Auch Thomas Düffert zeigt sich im Gespräch mit HORIZONT interessiert an einer Belieferung der FR: "Wir würden uns sehr freuen, wenn es dazu kommt."

Geplant ist, zusätzlich zu den acht Redakteuren, die derzeit noch im Berliner RND-Büro beschäftigt sind, für das tariflich ungebundene RND Berlin zehn weitere Stellen auszuschreiben. Müssen sich darauf die 17 Redakteure, die mit dem Aus der DuMont-Hauptstadtredaktion ihre Stellen verlieren werden, nun wie Novizen bewerben? Dazu sagt Düffert lediglich: "Wir werden zusehen, dass wir richtig gute Leute für die jeweiligen Fachgebiete bekommen, die auch ein Gefühl für die jeweiligen Blätter haben". Gleichzeitig kündigt er an, einige der Stellen für den Aufbau eines Investigativ-Teams nutzen zu wollen. Ein Problem könnte sich allerdings ergeben, wenn die Frankfurter Rundschau weiterhin Wert darauf legt, dass ihre Berliner Autoren nicht für Boulevardblätter schreiben. "Uns geht es darum, dass jeder unserer Partner zufrieden ist", sagt Düffert. Inhaltlich gelte für ihn: "Eine gute Geschichte, ist eine gute Geschichte". 

Im Interview äußert sich der CEO auch über seine eigene berufliche Zukunft. "Madsack 2018" ist abgehakt, das RND läuft aus seiner Sicht, doch einen Grund zu neuen Ufern aufzubrechen sieht er nicht. Sein seit 2013 laufender Vertrag ist unbefristet. Düffert sagt: "Ich bleibe bei Madsack".

Warum für den Madsack-CEO "bei aller Freude über das RND" gilt: "Der Lokaljournalismus ist die Königsdisziplin"; wie die Ankündigung, die Online-Produktion der Zeitungen zum künftigen rnd.de nach Hannover abzuziehen, die journalistische Qualität der Regionalblätter steigern soll und warum er glaubt, das RND leiste qualitativ mehr als jede andere Redaktion, selbst die der Süddeutschen, erzählt Thomas Düffert in der aktuellen Ausgabe von HORIZONT. usi




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