Klaus Brinkbäumer

Welches Titelbild der Spiegel-Chefredakteur nicht mehr machen würde

Klaus Brinkbäumer ist seit drei Jahren Chefredakteur des Spiegel
HORIZONT / turi2
Klaus Brinkbäumer ist seit drei Jahren Chefredakteur des Spiegel
"Klar machen wir Fehler, wer macht die nicht?": Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer findet, dass Medien zu Fehlschlägen stehen sollten. Er selbst geht im Video-Interview mit HORIZONT Online und turi2.tv mit gutem Beispiel voran - und erklärt, welches Titelbild er heute so nicht mehr machen würde.
Angela Merkel inmitten von Wehrmachts-Offizieren auf der Akropolis: Mit diesem Titelbild, das die Sicht der Europäer auf die Deutschen symbolisieren sollte, hat der Spiegel vor drei Jahren für Aufregung und Kritik gesorgt. Seinerzeit hatte Brinkbäumer den Titel noch verteidigt mit den Worten: "Missverstehen kann ihn nur, wer ihn missverstehen will." Heute sieht er das offensichtlich anders: "Die Leser haben gedacht, wir erklären die Kanzlerin zu Nazi-nah." "Exakt so" würde er das Titelbild deswegen heute nicht mehr gestalten lassen.
Brinkbäumer, der vor Kurzem Opfer eines Hacker-Angriffs auf Twitter wurde, zeigt sich ansonsten optimistisch angesichts der Perspektiven für Journalisten im neuen Jahr: "Ich glaube dass die Zeiten so politisch sind, dass Demokratie so ernsthaft attackiert wird, dass es bessere Zeiten für Journalismus nicht geben könnte." Durch die Bedrohungen und Angriffe von Demokratiefeinden könnten Medien auch besser werden, glaubt der Spiegel-Chefredakteur.

Besser würden Medien aber auch durch die Bündelung von Kräften. Hierbei verweist Brinkbäumer auf das Beispiel Football Leaks. Das gemeinsame Projekt des Spiegel mit dem Recherchenetzwerk European Investigative Collaboration (EIC) wäre vor zehn Jahren noch nicht denkbar gewesen, so Brinkbäumer. "Damals hätte der Spiegel so einen Datensatz niemals mit jemandem geteilt, wir hätten auf den Daten gesessen und sie beschützt." ire / Videoproduktion: CraftWork

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