Julian Reichelt

Der Kommandeur der Bild-Truppen

Julian Reichelt in seinem Büro - mit Feldbett
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Julian Reichelt in seinem Büro - mit Feldbett
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Julian Reichelt ist der starke Mann der Bild-Redaktionen. Spätestens mit dem für Ende Februar geplanten Abgang von Print-Chefin Tanit Koch ist er bei Springers Cashcow dann tatsächlich so etwas wie ein Alleinherrscher. Wie tickt der Mann an der Bild-Spitze?

Julian Reichelt hat tatsächlich ein Feldbett in seinem Büro stehen. Es stimmt auch, dass er Menschen danach beurteilt, ob er mit ihnen gemeinsam im Schützengraben liegen wollte. Dieser Militär-Spleen zeugt davon, dass irgendetwas schiefgelaufen sein muss, entweder in früher Kindheit oder bei einem seiner Einsätze als Kriegsreporter.

So aggressiv er sich auf seinem Twitter-Account aber auch gibt: Im persönlichen Umgang wirkt er zugänglich, offen und humorvoll. In der Redaktion legt er Wert auf Streitkultur. Ganz anders als die misstrauische Tanit Koch. Mit ihrem Abgang ist zugleich die Ära des Vorgängers Kai Diekmann beendet. Das macht für Julian Reichelt manches leichter. Für ihn muss eine Marke wie Bild laut sein, provozieren und anprangern, wie es sich für eine Boulevardzeitung gehört.

Intern hat Reichelt nun freie Bahn, die Redaktion nach seinen Vorstellungen umzugestalten. Nach Informationen von HORIZONT geht er den Umbau der Führungsstruktur bereits an. Widerstände muss er nicht fürchten, Rücksichten muss er nicht nehmen. Seine erste Maßnahme ist der Aufbau eines Führungsteams, dem neben bisherigen Mitgliedern der Chefredaktion auch neue Gesichter angehören werden. Perspektivisch soll jeder von ihnen in der Lage sein, im Tagesgeschäft die gedruckte und die digitale Bild zu führen. Bisher variierte das von Tag zu Tag.

An die Stelle von Blattmachern treten damit Bild-Macher, anstatt hierarchisch geführten Konferenzen, getrennt nach Print und Digital, soll es Themenkonferenzen geben, in denen sich Geschichten von der Idee bis zur Umsetzung im Austausch mit der Redaktion entwickeln, für beide Plattformen.

Als Mitglieder dieses Teams werden folgende Namen genannt: neben Florian von Heintze und Ulrike Zeitlinger Nachrichtenchef Wolf-Ulrich Schüler und Mandy Sachse (ehemals Bild Digital), Alexandra Würzbach (Show) und der Anfang dieses Jahres zu Bild gewechselte Timo Lokoschat sowie der für die Koordination der Regionalausgaben zuständige Karsten Witzmann. Ihnen zur Seite gestellt werden von Reichelt auserwählte Jungredakteure, die abwechselnd am Balken stehen, dem Ort aller redaktionellen Entscheidungen, und so zum Führungsnachwuchs heranreifen sollen. Ein gewisser militaristischer Gemeinschaftsgedanke scheint den Bild-Chef bei alldem anzuleiten.

Von einem Sieg sprechen wird er allerdings erst können, wenn die Digitalerlöse steigen und er den rapiden Auflagenabsturz zumindest gebremst hat. usi




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