Instagram, Snapchat, Twitter und Co.

Die Stories-Funktionen der Social-Media-Giganten im Überblick

Instagram hat mit seiner Stories-Funktion durchschlagenden Erfolg
Instagram
Instagram hat mit seiner Stories-Funktion durchschlagenden Erfolg
Als Instagram vor fast einem Jahr seine erste globale Markenkampagne startete, stand diese unter dem Motto "Stories are everywhere". Das gilt heute mehr denn je: Praktisch alle großen Social-Media-Plattformen mit Ausnahme von Xing verfügen inzwischen über eigene Stories-Funktionen. Mit Google kam nun auch der Marktführer in Sachen Websuche hinzu. HORIZONT Online stellt die wichtigsten Angebote vor.

Snapchat Stories

Als Snapchat vor fünf Jahren als erste Plattform überhaupt so etwas wie Stories einführte, konnte wohl niemand ahnen, welchen Siegeszug das Format antreten würde. Im Oktober 2013 stellte Snapchat - damals gerade einmal zwei Jahre alt aber bereits etwa 40 Millionen täglich aktive User – die neue Funktion vor, mit der Bilder und Videos plötzlich nur noch 24 Stunden lang verfügbar waren und sich dann selbst zerstören.

Das Format wurde im Laufe der Zeit ständig weiterentwickelt. Ab Dezember 2013 durften Snapchat-Nutzer Inhalte ein wiederholtes Mal abspielen – aber nur ein einziges Bild und auch nur ein einziges Mal pro Tag. Man musste sich also sehr genau überlegen, welchen Inhalt man nochmal sehen möchte und welchen nicht. 2014 öffnete sich die Plattform schließlich zum ersten Mal für Werbungtreibende und führte sogenannte Sponsored Stories ein – beispielsweise zum Super Bowl. Dabei werden Bilder und Videos der Nutzer zu einer themenbezogenen Story aggregiert und an einen Werbekunden verkauft.
Snapchat baute bereits früh auf Stories
Snapchat baute bereits früh auf Stories (© Snap)
Was folgte, war ein jahrelanger Höhenflug von Snapchat, den schließlich Facebook ab Herbst 2016 mit zahlreichen Kopien drastisch abschwächen konnte. Weil ihm die besonders in der jungen Zielgruppe so beliebte App immer gefährlicher wurde und Unternehmensboss Evan Spiegel sein Unternehmen Snapchat partout nicht an Facebook verkaufen wollte, verpasste Mark Zuckerberg all seinen Plattformen schließlich einen Stories-Klon.

Und das ziemlich erfolgreich, wie sich nun anderthalb Jahre später herausstellt. So berichtet etwa Owen Williams auf Medium, dass es einige Monate nach der Einführung der Stories auf Instagram still auf und um Snapchat wurde. User haben die Plattform in Scharen verlassen, geteilte Stories erzielten nicht einmal mehr die Hälfte der Views. Anfang des Jahres waren zudem geheime Daten an die Öffentlichkeit gelangt, aus denen hervorgeht, dass seit Herbst 2016 das Wachstum bei Stories mehr oder weniger zum Erliegen gekommen ist.

Kaum verwunderlich also, dass Snapchat-Boss Evan Spiegel seit November 2017 versucht, mit einem großen Relaunch gegenzusteuern. Die unter Freunden und Bekannten versendeten Stories sind seitdem klar getrennt von den Medieninhalten. Zudem will Snapchat unter anderem mit einer "dynamischen Freundesliste" punkten, in der die Kontakte eines Nutzers mit Hilfe Künstlicher Intelligenz ständig umsortiert werden. Dafür soll die Software mit der Zeit nicht nur lernen, mit wem ein Nutzer besonders häufig kommuniziert, sondern auch, welche Freunde er in jedem einzelnen Moment am ehesten anschreiben würde. Diese Kontakte sollen dann höher in der Liste angezeigt werden. Das neueste Update: Künftig wird es möglich sein, ausgewählte Inhalte auf Drittseiten und -Apps wie Facebook und Twitter zu teilen. Damit können auch Nutzer, die Snapchat nicht nutzen, diese Inhalte sehen. Auf diese Weise teilbar sind zunächst Stories, die unter den Tabs Our Stories und Search Stories gepostet werden sowie Stories von Prominenten, die bei Snapchat Official Stories heißen. Es handelt sich also zunächst um Inhalte, die öffentlich sichtbar sind oder besonders hochwertig. Das Sharing erfolgt per Link.

Instagram Stories

Nicht wenige sind der Meinung, dass der Niedergang von Snapchat im August 2016 begonnen hat. Denn zu diesem Zeitpunkt führte Instagram eine eigene Stories-Funktion ein, die sich stark an dem von Snapchat bekannten Feature orientierte.

Instagram Stories bestehen aus beliebig erweiterbaren Slideshows, die Fotos, Videos oder Grafiken zum Inhalt haben können. Die Inhalte lassen sich mit Filtern, Stickern und Smileys versehen, um für mehr Entertainment beim Betrachter zu sorgen. Zudem kann man nachverfolgen, wer welche Fotos und Videos angesehen hat. Die Instagrammer haben darüber hinaus die Möglichkeit, sich via Instagram Direct privat über die Stories auszutauschen. Das Entscheidende aber ist: Die Stories verschwinden nach 24 Stunden wieder – mit diesem Prinzip ist auch Snapchat bei der jungen Zielgruppe beliebt geworden. Allerdings hat Instagram dieses eigentlich eherne Prinzip kürzlich aufgebrochen und ein Archiv für Stories eingeführt. Außerdem testet das Unternehmen derzeit ein Feature, das den Urheber einer Story benachrichtigt, sobald ein Betrachter einen Screenshot davon anfertigt. Auch diese Funktion gab es – man ahnt es – auch schon bei Snapchat. Mit Funktionen wie Links, Hashtags oder Ortsangaben hat Instagram aber inzwischen auch eigene Akzente gesetzt – und sich damit ein wenig vom Image als Snapchat-Klon lösen können.

300 Millionen Instagrammer – insgesamt verfügt die Plattform über mehr als 800 Millionen Nutzer – verwenden die Stories-Funktion bereits. Zum Vergleich: Konkurrent Snapchat bringt es auf insgesamt gerade einmal 187 Millionen User. Dabei kommen inzwischen ein Drittel der am meisten angesehenen Stories von Marken und Unternehmen. Und so wundert es nicht, dass Instagram die Vermarktungsmöglichkeiten stetig erweitert. Seit März 2017 sind Anzeigen weltweit verfügbar. Werbekunden können Foto- oder Video-Anzeigen in Stories buchen, wobei letztere maximal 15 Sekunden lang sein dürfen.
Im vergangenen Herbst übertrug Instagram die von Facebook bekannten Canvas Ads, die erstens schneller laden als Standard-Inhalte und zweitens Anzeigenmotive mit Websites verbinden können. Die jüngste Neuerung war die Einführung von Carousel Ads für Stories. Damit kann ein Werbungtreibender bis zu drei verschiedene Elemente in einer Anzeige platzieren, was die Möglichkeiten zum Storytelling verbessern soll.

Twitter Moments

Noch bevor Instagram mit der Einführung der Stories-Funktion die weltweite Aufmerksamkeit auf sich zog, war Twitter bereits vorangegangen – allerdings ohne ein vergleichbares öffentliches Echo. Ein Schicksal, das der müden Wachstumsdynamik des Kurznachrichtendienstes und der fehlenden Relevanz im Vergleich zu jungen Apps wie Instagram und Snapchat geschuldet sein dürfte.

Dabei hat die Stories-Funktion von Twitter auch einiges für sich. Das Feature nennt sich Moments und wurde im Oktober 2015 gelauncht. Ursprünglich handelt es sich dabei um von Menschenhand kuratierte Tweets zu bestimmen Ereignissen und Themen.
Wenig später führte Twitter die Möglichkeit für Unternehmen ein, so genannte Promoted Stories zu erstellen. Damit sollte den Werbungtreibenden die Möglichkeit eröffnet werden, Storytelling zu betreiben, ohne sich an das damals noch geltende 140-Zeichen-Limit halten zu müssen. Deutscher Erstkunde war seinerzeit Siemens.

Wie viele Twitter-Nutzer sich Moments anschauen, darüber gibt es keine genauen Zahlen. Anders als Instagram kann Twitter hier wahrscheinlich auch nicht mit vergleichbaren Reichweiten aufwarten, hat die Plattform doch insgesamt nur etwa 330 Millionen Nutzer. In einem kürzlich erschienenen offiziellen Blogbeitrag hieß es lediglich: "Mehr Menschen als je zuvor konsumieren Moments, inklusive Moments von Top-Publishern aus Sport, Unterhaltung und News." Im selben Beitrag kündigte Twitter auch eine weitere Werbe-Option für Moments an: Mit Sponsored Moments können Werbekunden den Moment eines ausgewählten Content-Partners mit eigenen Tweets versehen, zudem hat der Moment ein gebrandetes Startbild. Erster Kunde war die Bank of America, die sich in die Bloomberg-Story vom Weltwirtschaftsgipfel in Davos einklinkte.  Adweek zufolge kostet ein Sponsored Moment zwischen 50.000 und 100.000 Dollar, wobei von den generierten Erlösen 70 Prozent an den Publisher gehen und 30 an Twitter.

Twitter hat mit Threads darüber hinaus noch ein weiteres Feature im Angebot, mit dem auch jeder Normal-Nutzer einen eigenen Handlungsstrang erstellen kann. Mit einem Tap auf das Plus-Zeichen werden Tweets schon bei der Erstellung einem Thread zugeordnet. Ergänzt wird der Themenstrang über den Button "Add another Tweet".
Zudem gab es kürzlich Gerüchte, wonach Twitter an einem Produkt arbeitet, das durch direkten Zugriff auf die Smartphone-Kamera das Teilen von Bildern und Videos erleichtern soll.

Facebook Stories

Im März 2017 machte Facebook mit seinem Angriff auf Snapchat endgültig ernst und führte auch für die Facebook-Plattform eine Stories-Funktion ein. Dabei öffnet sich mit einem Wisch nach rechts in der App die Kamera. Die damit aufgenommenen Bilder und Videos lassen sich anschließend mit Rahmen, Masken und weiteren Effekten versehen und in einer Story arrangieren, die nach 24 Stunden verschwindet. Auch die von Instagram bekannte Direct-Funktion übernahm Facebook. Damit lassen sich Fotos und Videos im direkten Chat mit einzelnen Personen für eine begrenzte Zeit.
So sehen Stories auf Facebook aus
So sehen Stories auf Facebook aus (© Facebook)
Allein: Auf Facebook erzielte das Feature offenbar nicht die gleiche durchschlagende Wirkung wie bei Instagram. Statt zahlreicher Facebook-Stories entdeckten viele Nutzer am oberen Rand der App lediglich jede Menge verblasste Profilbilder – diese stehen für Freunde, die zwar eine Story erstellen könnten, dies aber bislang nicht getan haben.

Seit vergangenem Jahr ist das anders. Es ist nun nämlich möglich, Instagram-Stories auch auf Facebook zu teilen. Und siehe da: Plötzlich hat die Zahl der in der Facebook-App sichtbaren Stories deutlich zugenommen. Denn vor allem Marken wollen auf die zusätzliche Reichweite, die ihnen Facebook liefern kann, nicht verzichten.

Darüber hinaus haben Unternehmen seit dem vergangenen Jahr aber auch die Möglichkeit, genuine Facebook-Stories zu erstellen. "Facebook Stories öffnet für Seitenbetreiber und holt Marken in die Geisterstadt", titelte Techcrunch seinerzeit süffisant.

Google AMP Stories

Auch wenn die Google-Suche kein soziales Netzwerk ist: Dass der Internetgigant aus Mountain View nun auch Stories einführt, ist nur folgerichtig. Als Plattform dienen dabei die Accelerated Mobile Pages, die Google Anfang 2016 eingeführt hatte. Dabei handelt es sich um mit einem speziellen HTML-Code programmierte mobile Websites, die schneller laden als konventionelle Websites. AMPs leiten den User dabei nicht auf eine komplett neue Seite weiter. Stattdessen legen sie sich über den Bildschirm und können dann mit einem kleinen x weggegklickt werden. 

AMP Stories unterscheiden sich von der Funktion nicht groß von Instagram oder Snapchat: Publisher können damit Slideshows aus Texten, Fotos, Grafiken und Videos gestalten. Auch optisch erinnert das AMP-Feature stark an die Vorbilder aus dem Social-Media-Bereich.
Die Erstellung ist dabei über den gleichen, offen zugänglichen Code möglich. Damit will Google eigenen Angaben zufolge verhindern, dass sich Publisher mit technischen Dingen beschäftigen müssen und dadurch das Storytelling vernachlässigen. Zum Start hat Google prominente Partner wie CNN, Vox Media, Condé Nast und die Meredith Group gewonnen.

Einen großen Nachteil haben AMP Stories: Laut Wall Street Journal ist bislang keine Integration von Werbemitteln möglich. Dies dürfte aber nötig sein, um das Format auf Flughöhe zu bringen. Gleichzeitig gilt: AMPs werden von den Publishern offenbar gut angenommen. Dafür sprechen die Ergebnisse einer Untersuchung von parse.ly. Demzufolge hat der Traffic, den Publisher durch das Format erhalten, zwischen Februar und Oktober 2017 um 87 Prozent zugenommen.

Whatsapp Status

Bei Whatsapp heißt der Snapchat-Klon "Status" und funktioniert genauso wie beim Wettbewerber mit dem Geist. Seit Februar 2017 finden Whatsapp-Nutzer einen "Status"-Button, der es erlaubt, Bilder und Videos zu erstellen, die nur 24 Stunden abrufbar sind und mit Stickern, Emojis, Texten oder Zeichnungen geschmückt werden können. Snapchat-Nutzer kommt das bekannt vor.

Mitgründer Jan Koum erinnerte in einem Blogeintrag damals daran, dass einfache Status-Updates beim Start vor acht Jahren die ursprüngliche Funktion von Whatsapp waren, bevor der Dienst auf Kurzmitteilungen umschwenkte. Heute konkurriert die Funktion eher mit neueren Konkurrenten wie Snapchat. Deshalb nun das neue Feature, hieß es damals.
Facebook hatte Whatsapp mit inzwischen mehr als einer Milliarde Nutzer vor zwei Jahren für fast 22 Milliarden Dollar gekauft. Bisher lief es so, dass Whatsapp sich auf das schnörkellose Kurzmitteilungen als SMS-Ersatz konzentrierte, während die Multimedia-Funktionen dem Facebook Messenger vorbehalten waren. Damit ist spätestens seit dem "Status"-Update Schluss.

Und schenkt man den Zahlen der Marktforscher Glauben, läuft es selbst bei Whatsapp ziemlich gut. Im August 2017 ergab eine Auswertung der US-Firma L2, dass mehr als 250 Millionen Nutzer täglich Whatsapp "Status" verwenden, genauso viele übrigens auch das Äquivalent auf Instagram. Das sind 80 Millionen Nutzer mehr als Snapchat insgesamt hat.

Und offenbar hat Mark Zuckerberg noch nicht genug. Laut Techcrunch ist eine Cross-Posting-Funktion in Planung, die es Nutzern künftig erlauben soll, Stories mit anderen Apps aus dem Facebook-Universum zu verknüpfen. Zumindest findet derzeit ein entsprechender Test mit ausgewählten Nutzern statt, die im "Status"-Menü von Whatsapp beispielsweise Stories ihrer Freunde auf Instagram und Facebook angezeigt bekommen – und umgekehrt.

Messenger Day

Im Dezember 2016 war bereits absehbar, wohin die Reise geht für den Facebook Messenger. Die App bekam damals eine neue Kamera-Funktion verpasst, mit denen sich die aufgenommenen Bilder und Videos mit bunten Stickern, Emojis und Texten schmücken lassen und an Freunde verschicken lassen können. Ein neues Kamera-Symbol ist seitdem prominent am unteren Bildschirmrand der App zu sehen - nur einen Klick entfernt.

Das Unternehmen begründete diesen Schritt offiziell damit, dass über den Messenger jeden Tag über 2,5 Milliarden Emojis, Fotos, Sticker und Videos verschickt werden. Die Nutzer würden außerdem immer mehr die Kamera statt die Tastatur verwenden und ihre Bilder und Video entsprechend mit Stickern und Schriftzügen schmücken wollen. Die neue Messenger-Kamera soll diesem Umstand Rechnung tragen.
Mit Messenger Day können Nutzer Storys mit 24 Stunden Halbwertszeit erstellen
Mit Messenger Day können Nutzer Storys mit 24 Stunden Halbwertszeit erstellen (© Facebook)
In den darauffolgenden Monaten entwickelte Facebook das Feature weiter und rollte im März 2017 schließlich den Snapchat-Klon "Messenger Day" weltweit aus, der auf der neuen Messenger-Kamera basiert. Mit der "Day"-Funktion können Nutzer in der Messenger-App Bilder, Videos und persönliche Nachrichten mit allen oder ausgewählten Freunden für 24 Stunden teilen. Fotos und Videos, die zum eigenen "Day" hinzugefügt werden, können mit zahlreichen Menschen gleichzeitig geteilt werden.

Heute, knapp ein Jahr später, ist Messenger Day tot – zumindest die Bezeichnung. Zwar können Messenger-Nutzer nach wie vor Bilder und Videos erstellen, die nur 24 Stunden zu sehen sind, doch die Funktion heißt mittlerweile ganz simpel: Stories. Und viel wichtiger: Die Story-Inhalte sind nicht mehr exklusiv im Messenger zu sehen sondern automatisch auch auf der Mutterplattform Facebook. Mark Zuckerberg hat damit quasi die Story-Funktion von Messenger und Facebook miteinander verknüpft. Ingo Rentz / Giuseppe Rondinella



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