Hamburger Mopo verfehlt Umsatzziele

Es geht ums "Weiterbestehen als Zeitung" / Alexander Krug wird Vize-Chefredakteur

Alexander Krug ist der neue Mann bei der Mopo
© Mopo
Alexander Krug ist der neue Mann bei der Mopo
Schlingerkurs gen Wachstum: Angesichts unplanmäßig sinkender Umsätze im vergangenen Jahr forciert die Hamburger Morgenpost unter dem internen Aktionslabel „Mopo 2020“ ihr Corporate Publishing- und Eventgeschäft. Derweil muss das DuMont-Boulevardblatt auf der Führungsebene und im Digitalbereich den Abgang entscheidender Köpfe kompensieren.

So verlässt Vize-Chefredakteur Frank Wieding die Mopo Ende des Monats – nach 18 Jahren. Bereits Ende Mai ist Digitalchef Henning Langer ausgeschieden, nach sechs Jahren. Der Verlag bestätigt dies; beide gingen „auf eigenen Wunsch“. Ihre Posten bündelt die Mopo künftig in einer Person: Den Doppeljob übernimmt „spätestens im November“ Alexander Krug. Der 43-Jährige kommt von der Digitalagentur Supercat; dort ist er Chefredakteur Content & Creation. Davor hat er für Radio- und TV-Sender gearbeitet und war unter anderem Mitglied der Chefredaktion und Leiter Content-Entwicklung bei Computer Bild. Mit Krug verlagere man die digitale Verantwortung stärker in die Chefredaktion, heißt es.



Ebenfalls hingeschmissen hat Lena Voges, Teamleiterin Digital beim Mopo-Vermarkter Hamburg First. Auch hier bestätigt der Verlag, dass sie sich „auf eigenen Wunsch neuen beruflichen Herausforderungen stellen“ wolle. Ihr wichtiger Posten ist noch nicht nachbesetzt.

Dabei spielen für die Umsatzziele der Mopo die digitalen Werbeerlöse eine zentrale Rolle: Sie sind nach Informationen von HORIZONT Online im vergangenen Jahr um 7 Prozent auf gut 1,9 Millionen Euro gestiegen. Geplant war allerdings ein Wachstum von stolzen 50 Prozent. Diese eklatante Zielverfehlung erklärt man sich mit einer allzu ambitionierten Planung bei Social Media und Native Advertising, wo Geschäftsmodelle nicht funktionierten, von Werbekunden nicht angenommen und Sales-Planstellen nicht besetzt wurden.


Hier, bei der lokalen Web-Vermarktung in Eigenregie, die etwa die Hälfte der Mopo-Digitalumsätze einspielen dürfte, sollten sich die Erlöse eigentlich mehr als verdoppeln; nun geriet das Plus sehr viel kleiner. Der zweite Grund für das verfehlte Online-Werbeziel waren stark sinkende nationale Erlöse über den Vermarkter Ströer/OMS, die von wachsenden Umsätzen aus national vermarkteten Kooperationen über die Konzernfirma DuMont Net kaum kompensiert wurden.

Die Print-Werbeerlöse der Mopo sanken dem Vernehmen nach 2017 durchaus branchenüblich um 5 Prozent auf 4,6 Millionen Euro. Besonders gravierend wirkt das 4-Prozent-Minus im Print-Vertrieb, wo der Verlag mit 10,5 Millionen Euro immer noch 60 Prozent seiner Umsätze erzielte. Grund für den Rückgang waren die anhaltend hohen Auflagenverluste. Der Relaunch vom vergangenen November konnte das Minus bisher nicht stoppen: Im 1. Quartal 2018 sanken die Verkäufe gegenüber Vorjahr um 15 Prozent auf nur noch 57.113 Hefte.

Um auf der Erlösseite gegenzusteuern, hat die Zeitung jetzt ihren Copypreis um 10 Cent auf 1,10 Euro erhöht (sonntags: 1,50 statt 1,40 Euro). Chefredakteur Frank Niggemeier erklärt das den traditionell wirtschaftskritischen Mopo-Lesern ausführlich mit den (allen HORIZONT-Lesern bekannten) Marktgegebenheiten und schreibt, es gehe nun ums „Weiterbestehen der Mopo als Tageszeitung“. Was er so nicht schreibt: Anders als andere Titel (inklusive Bild) verzichtet sein Blatt gänzlich auf digitalen Paid Content und vertraut voll auf Werbefinanzierung – was sich nun als tückisch erweist. Immerhin erwägt man im DuMont-Verbund für eine bessere Vermarktung offenbar eine Registrierungspflicht für die User der Portale seiner Boulevard- (Mopo, Berliner Kurier, Kölner Express) und Abo-Titel (Berliner Zeitung, Kölner Stadtanzeiger).

Weil Neu- und Digitalbusiness die starken Erlösverluste im Kerngeschäft nicht auffangen konnten, muss die Mopo nach HORIZONT-Informationen für 2017 ein Umsatzminus von 3,4 Prozent auf 17,6 Millionen Euro verbuchen – geplant war ein Plus von 1 Prozent. Immerhin: 2016 lag der Rückgang gegenüber 2015 noch bei 4 Prozent; das Minus wird also kleiner. Der Verlag gibt zu seinen Geschäftszahlen „grundsätzlich keine Auskunft“, auch für 2017 nicht.

Große Hoffnungen liegen nun auf dem Neugeschäft. Schon länger produziert, veranstaltet oder vermarktet man Auftragspublikationen (etwa für Hamburg Marketing und die Drogeriekette Budnikowsky) und regionale Events. Unter dem Label Mopo 2020 plant Geschäftsführerin Susan Molzow dem Vernehmen nach weitere Journalismus-ferne, aber Hamburg-nahe Nebengeschäfte: Im Corporate Publishing stehen Projekte für die Bäckereikette Dat Backhus („Dat Backpapier“), das Musical „Flashdance“ (Programmheft) und der Tourismus-Report „Gastliebe“ an. Als Zielgruppen-Events soll es neben der Fahrradmesse Velo noch 2018 einen ersten „Karrieretag“ geben, 2019 außerdem eine Gesundheitsmesse und einen Kinderflohmarkt.

Im Ideenstadium ist ein virtuell erlebbares Hafenmuseum, das zum „Touristenmagnet“ werden soll. Der Mietvertrag über ein Ladenlokal in der Hafencity wird verhandelt, Gespräche mit der Stadt und potenziellen Sponsoren laufen. Wenn die DuMont-Oberen zustimmen, könnte der Virtual-Reality-„Erlebnishafen“ bereits im Dezember 2018 vor Anker gehen. Noch nicht ganz so spruchreif sind weitere Ideen, etwa Stadtführungen nach dem Modell von Journal Frankfurt (für Mitte 2019 geplant) und eine „Food Hall“ mit Restaurants, Essensständen und Konzerten; hier sucht der Verlag nach geeigneten Flächen und führt Gespräche mit Gastronomieexperten. rp

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