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Cambridge Analytica speicherte Facebook-Daten bis 2017

Der Ex-Chef von Cambridge Analytica, Alexander Nix
Cambridge Analytica
Der Ex-Chef von Cambridge Analytica, Alexander Nix
Die inzwischen insolvente Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica hatte Informationen über die betroffenen Facebook-User laut einem Zeitungsbericht trotz mehrfacher Aufforderung nicht gelöscht. Erst im April 2017 - also 16 Monate nach der ersten Ermahnung durch Facebook und weit über den US-Wahlkampf hinaus - bestätigte das umstrittene Unternehmen, dass es keine "abgeleiteten Daten" von Facebook mehr aufbewahre. Das berichtete der britische "Guardian".

Im März war bekanntgeworden, dass sich Cambridge Analytica unerlaubt Zugang zu Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft hatte. Facebook hatte das Unternehmen seit Dezember 2015 immer wieder zur Löschung der Informationen aufgerufen. Laut dem "Guardian"-Artikel seien wohl Rohdaten entfernt worden, nicht aber die daraus abgeleiteten - und fürs Microtargeting wichtige - Analysen und Vorhersagemodelle.


Der "Guardian" bezieht sich in seinem Artikel auf interne E-Mails. Außerdem berichten nicht namentlich genannte Mitarbeiter, dass die Informationen versteckt auf den Servern der Firma gespeichert worden seien. Man habe sie nur abrufen können, "wenn du wusstest, wo sie waren", hieß es.

Bei dem Datenskandal hatte der Entwickler einer Umfrage-App vor mehr als vier Jahren Informationen von Facebook-Nutzern unrechtmäßig an die Firma Cambridge Analytica weitergereicht, die später unter anderem für das Wahlkampfteam von US-Präsident Donald Trump arbeitete. Dabei ging es nicht nur um die Daten der rund 300.000 Umfrage-Teilnehmer, sondern auch um die ihrer Facebook-Freunde. Laut Facebook-Schätzungen könnten die Daten von bis zu 87 Millionen Nutzern weltweit betroffen sein.

Am vergangenen Mittwoch erklärten Cambridge Analytica und die britische Dachgesellschaft SCL Group, sie hätten Insolvenz beantragt und stellen den Betreib ein. Die Medienberichte über die Firma hätten praktisch alle Kunden vertrieben, hieß es zur Begründung. Die finanzielle Lage sei "prekär". Zugleich sind führende Mitarbeiter und Geldgeber bereits bei einer neuen Datenanalysefirma an Bord. dpa



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