Google News Initiative

Google will 300 Millionen Dollar in neue Journalismus-Projekte investieren

Google-Manager Philipp Schindler
Google-Manager Philipp Schindler
Google intensiviert seine Charme-Offensive gegenüber Verlagen und bündelt seine Initiativen zur Unterstützung von Medien ab sofort unter einem neuen Dach: Der Google News Initiative (GNI). Diese beinhaltet drei Vorhaben: Fake News zu bekämpfen, Publishern mit Künstlicher Intelligenz neue Digitalabonnenten zuzuführen und Medien technologische Innovationen bereitzustellen. Dafür will Google, das im 4. Quartal 2017 satte 22,2 Milliarden Dollar umsetzte, in den kommenden drei Jahren 300 Millionen Dollar aufwenden.
Wie Chief Business Officer Philipp Schindler in einem Blogpost erklärt, verfolgt Google das gleiche Ziel wie die Medien: Eine informiertere Weltöffentlichkeit. Bislang hat Google Verlagen mit dem Google News Lab und der Digital News Initiative unter die Arme gegriffen und ihnen sowohl Technologie und Know-how als auch Geld zur Verfügung gestellt.


Doch trotz all dieser Bemühungen seien die Herausforderungen für Journalismus im digitalen Zeitalter so groß wie nie. Hier soll die Google News Initiative ansetzen. Unter diesem globalen Dach will das Unternehmen seine Initiativen zur Unterstützung von Verlagen, Medien und Journalismus bündeln. Die Digital News Initiative wird als Marke verschwinden, der zugehörige Förderfonds bleibt allerdings erhalten. Das Google News Lab bleibt ebenfalls als Marke bestehen. Die Google News Initiative umfasst im wesentlichen drei Elemente:

1.

Digitale Abo-Erlöse steigern

Bereits im vergangenen Jahr hatten Google-Manager angedeutet, dass der Konzern neue Tools entwickeln wolle, um Publishern bei der Gewinnung neuer Digital-Abonnenten zu helfen. Ein erster Schritt in diese Richtung war die Eliminierung des "First Click Free"-Modells, mit dem sich Bezahlschranken systematisch umgehen ließen. Außerdem stellte Google Publishern seine Payment- und Login-Technologien zur Verfügung, damit Online-Leser mit nur einem Klick ein Digital-Abo abschließen und von überall auf die Inhalte zugreifen können.


Nun geht Google noch einen Schritt weiter: Mit "Subscribe with Google" sollen die User noch einfacher verschiedene Medienangebote im Netz abonnieren können. So können sie ihren Google-Account und ihre hinterlegten Bezahlmethoden verwenden, um sich überall im Netz für ein Angebot zu registrieren. Die Erstellung eines neuen Accounts, zusätzlicher Passwörter und die Angabe von Kreditkartendaten würden dann wegfallen - die Verlage würden aber weiterhin die Beziehung zum Kunden managen. Zudem können die Publisher bestehende Abonnenten besser an sich binden, weil die Nutzer auch über verschiedene Plattformen und Geräte hinweg eingeloggt bleiben würden und dort ihre Paid-Content-Inhalte abrufen könnten. Zum Start sind 17 Verlagspartner aus 10 Ländern bei "Subscribe with Google" mit von der Partie.
Unklar ist noch, wie viel Provision Google für die erfolgreiche Vermittlung eines neuen Abonnenten erhalten wird. Wie eine Google-Sprecherin gegenüber HORIZONT Online ausrichtet, habe man sich noch nicht auf ein Revenue-Sharing-Model festgelegt. Allerdings werde "die große Mehrheit" der Erlöse bei den Publishern bleiben. Google werde nur "einen kleinen Prozentsatz" einbehalten, um die Kosten für den Betrieb der zugrundeliegenden Plattform zu decken.

Damit die Publisher potenzielle Abonnenten auch erreichen, will Google ein Set aus eigene Daten, der DoubleClick-Infrastruktur und Künstlicher Intelligenz zum Einsatz bringen: "Propensity to Subscribe" (Etwa: "Neigung zum Abonnieren") soll ersichtlich machen, welche Online-Nutzer am ehesten geneigt sein könnten, ein Digital-Abo abzuschließen.

Für Medien, die keine eigenen Teams für diese Aufgabe unterhalten können, will Google im Dashboard von Google Analytics einen neuen Reiter einführen. "News Consumer Insights" soll auch kleinen Publishern helfen, ihre Leserschaft zu segmentieren und potenzielle Neukunden anzusprechen.

2.

Kampf gegen Fake News

Bereits im vergangenen Jahr hatte Google mit seinem News Lab das Projekt CrossCheck gestartet, um Falschinformationen im französischen Präsidentschaftswahlkampf oder bei der Bundestagswahl begegnen zu können. Dabei hatte Google mit der Organisation First Draft zusammengearbeitet, in der sich Medien- und Internetunternehmen zusammengeschlossen haben - Google gehört zu den Gründungspartnern.

Diese Zusammenarbeit wird nun ausgeweitet: Gemeinsam mit First Draft startet Google das Projekt Disinfo Lab. Dessen Ziel ist es, Fake News, die im Umfeld von Wahlen oder in Breaking-News-Situationen verbreitet werden, zu erkennen und zu bekämpfen. So wird First Draft im Stile einer Nachrichtenagentur sein etwa 400 Newsrooms umfassendes Netzwerk informieren, wenn eine Fake News erkannt wurde.

Darüber hinaus ruft Google die auf die USA begrenzte Initiative Media Wise ins Leben, um jungen Online-Nutzern bei der Unterscheidung von falschen und wahren Inhalten zu helfen. Dabei arbeitet Google mit dem Poynter Institute, der Stanford University und der Local Media Association zusammen.

3.

Technologische Innovationen vorantreiben

Teil des Google News Lab und der Digital News Initiative waren immer auch Technologien, die die Arbeit von Redaktionen und Newsrooms sowie den Schutz vor Cyberattacken erleichtern sollen. Zuletzt hatte Google etwa die Einführung von Stories als Accelerated Mobile Page angekündigt - ein Schritt, der durchaus auch kritisch gesehen wird.

Nun will Google ein Tool namens Outline  an den Start bringen, mit dem Redaktionen verschlüsselte Verbindungen zu privaten Servern aufbauen können. Das soll Journalisten einen sichereren Zugang zum Internet ermöglichen und den Schutz vor Hacks und Leaks erhöhen. Das Open-Source-Tool wurde von der Google-Schwester Jigsaw entwickelt.

"Die Engagements der Google News Initiative zeigen, dass Nachrichten und Qualitätsjournalismus für Google eine Top-Priorität haben", schreibt Schindler. "Wir wissen, dass Erfolg nur gemeinsam erzielt werden kann und wir freuen uns darauf, mit der Industrie zusammenzuarbeiten, um eine bessere Zukunft für Journalismus zu bauen." ire
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