Glammy, Club Nights, Shopping Week

Wie "Glamour" als Event-Marke neue Erlösquellen erschließt

Glammy Awards 2018: Chefredakteurin Andrea Ketterer und André Pollmann zeigenw as Markeninszenierung bei Glamour heißt; Krawall und Glammy Demmi
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Glammy Awards 2018: Chefredakteurin Andrea Ketterer und André Pollmann zeigenw as Markeninszenierung bei Glamour heißt; Krawall und Glammy Demmi
Vor wenigen Tagen wurde der Glammy verliehen. Der Beauty-Preis ist nur ein Beispiel dafür, wie die Frauenzeitschrift "Glamour" aus dem Hause Condé Nast Veranstaltungen zu einem weiteren Standbein ausbaut. HORIZONT Online sprach mit Chefredakteurin Andrea Ketterer und Publisher André Pollmann über den Wandel des Magazins und die Bedeutung von Events.


Gerade erst war der Glammy, dieses Jahr geht es mit dem Beauty Festival in die nächste Runde, den Glamour Club Nights und nicht zu vergessen der Shopping Week. Wieviel Eventmanager steckt inzwischen in der Chefredakteurin Andrea Ketterer?

Andrea Ketterer: Mittlerweile viel, mein Job hat sich total neu definiert. Du kannst dich als Journalist nicht mehr hinter deinem Schreibtisch verstecken. Du musst raus und auch auf der Bühne ein Mikro in der Hand halten können. Es ist ja auch eine Chance, sich auszutauschen und die Leser kennenzulernen. Die haben sich ja auch verändert. Beim Beauty Festival waren wir total überrascht, mit wie viel Knowhow wir es zu tun haben. Es ist unser Business, unsere Aufgabe, uns um die Leser zu kümmern und attraktiv für die Welt draußen zu sein. Dem tragen wir Rechnung, indem wir als Journalisten Inhalte zum Beispiel auch über Konferenzen, Seminare, Masterclasses und Workshops mitgeben.

André Pollmann: Für mich ist der Chefredakteur der Dreh- und Angel-Punkt einer Marke und darf sich nicht mehr nur als Verantwortlicher eines Print-Magazins sehen, sondern als Markenchef, der gemeinsam mit mir als Publisher die Geschicke leitet. Vielleicht ist in fünf Jahren die Marke „Glamour Shopping Week“ größer als das Magazin, für solche Szenarien müssen wir offen sein. Da verschwimmen dann auch Job-Beschreibungen.
Chefredakteurin Andrea Ketterer auf der Bühne in Aktion
Chefredakteurin Andrea Ketterer auf der Bühne in Aktion (© Condé Nast)


Wie wichtig sind die Events für Glamour?

Pollmann: Wir sind natürlich immer auf der Suche nach neuen Erlösmodellen, weil Print-Anzeigenerlöse mittelfristig nicht mehr wachsen werden. Und wir sind bei Glamour in der glücklichen Lage, dass wir mit der Shopping Week einen großen Treiber haben, der ein eigenes Erlösmodell ist. Und wenn wir so viel Kapazität wie beim Beauty Festival in ein Event stecken, von der Redaktion, über den Publisher Bereich, das ganze Marketing-Team und Sales, dann kann es keine reine Image-Veranstaltung sein. Das Ganze soll auf die Marke einzahlen, wir wollen einen neuen Touchpoint für die Leser generieren und wir wollen den B2B-Partnern eine neue Plattform bieten. Wir müssen unterm Strich aber auch Geld verdienen.

Wäre es denn denkbar, das Event-Geschäft zu professionalisieren und als Dienstleister für andere die Marken-Inszenierung zu übernehmen?

Pollmann: Denkbar natürlich. Zumindest bauen wir sukzessive den Bereich Brand Experiences aus. Ich bin auf vielen Events und wage zu behaupten, dass in Deutschland kaum einer kann, was wir können. Wir sind bei Condé Nast Markenprofis und verstehen, unsere Marken zu inszenieren und zugleich Erlebnisse zu schaffen, die für unsere Zielgruppen emotional und relevant sind. Ich glaube zudem, dass wir in der digitalen Zeit das echte Aufeinandertreffen fördern müssen. Und dafür die Plattformen zu schaffen, das können wir.
Das "Beauty Festival" soll in diesem Jahr noch größer werden: Doppelt so viele Besucher und eine größere Fläche sind geplant
Das "Beauty Festival" soll in diesem Jahr noch größer werden: Doppelt so viele Besucher und eine größere Fläche sind geplant (© Condé Nast)


In wieweit können Events helfen Print zu stabilisieren?

Pollmann: Im letzten Jahr haben wir an Auflage nur 2,2 Prozent verloren. Das ist für die schwierigen Marktverhältnisse erfreulich stabil. Trotzdem schauen wir uns aber auch nach neuen Erlösquellen um, und da spielen Events eine wichtige Rolle, mit denen wir jetzt schon gut verdienen. Aber auch Lizenzen werden ein wichtiges Thema werden, weil wir wissen, dass wir mit Glamour eine starke Marke haben, die draußen auch nicht mehr nur als Magazin wahrgenommen wird, sondern als crossmedialer Touchpoint und erlebbare Marke.

Ketterer: Das Magazin lebt davon, dass wir diese Event-Momente und Erlebnisse schaffen. Und das ist auch wichtig, weil die 15-, 16-Jährigen nicht mehr so sehr wie früher über Titel wie Bravo und Mädchen an Printmedien herangezogen werden und wir neue Wege finden müssen diese kommende Generation an uns zu binden. Solche Leserinnen erleben vielleicht zuerst die Shopping Week und entdecken darüber dann das Heft.

Welche Relevanz haben die drei Säulen Print, Digital und Events?

Pollmann: Maßgeblich ist nach wie vor Print. Sehr wichtig ist bei Glamour sowohl das Auflagen- als auch das Anzeigen-Geschäft. Digital wächst - auch durch die Shopping Week - stark. Nach Digital kommt dann das Event-Geschäft.

Sie haben rund um die Marke Glamour in den letzten Jahren viel ausprobiert. Was sind die Learnings?

Pollmann:
Vor zwei Jahren haben wir das Glamour Café als Event-Reihe gestartet: Mit Fashion, Beauty, Food, Literatur und Film – ein Pop-Up-Café in vier Städten. Da haben wir richtig groß gedacht, mit Partnern vor Ort und alles riesig beworben. Aber schon der Begriff Glamour Café hat sich nicht gerade selbst erklärt, das wurde von manchen nicht verstanden. Dann sind die Kosten explodiert. Finanziell war es ein Desaster. Aus dieser Erfahrung haben wir viel gelernt, was funktioniert und was nicht. Fashion, ging zum Beispiel im Café-Kontext gar nicht, da passte die Experience nicht. Aber Beauty ist total eingeschlagen, da standen die Leute Schlange. Daraus ist dann das Beauty Festival entstanden, das von Anfang an auch finanziell ein Erfolg war.

Influencer Marketing ist gerade im Beauty-Bereich ein Hypethema. Kann Glamour das für sich nutzen?

Ketterer: Mit unserer Beauty Chefin Stephanie Neureuther haben wir die Expertise und Glaubwürdigkeit in Person. Beauty hat sich tatsächlich in den letzten Jahren durch Influencer und Social Media zu einem noch größeren Thema entwickelt. Es verändert sich aber auch viel; immer neue Trends entstehen, Marktanteile verschieben sich und etablierte Marken sind plötzlich mit völlig neuen Wettbewerbern konfrontiert. Da funktionieren wir als Orientierung gebender Leuchtturm für die Leser und Vermittler für die Marken. Zugleich gehen wir selbst das Thema Influencer an und suchen den „Glamsetter“. An dem Konzept arbeiten wir schon seit fast zwei Jahren. Dieses Jahr casten wir zum ersten Mal in mehreren Challenges einen Influencer, der dann ein Jahr lang als Markenbotschafter von uns mit in unsere Welt genommen wird und auch von Glamour aus berichtet. mab

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