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Flaggschiff "Stern" kündigt 26 Mitarbeitern

Verkündete die Entlassungen: Andreas Petzold
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Verkündete die Entlassungen: Andreas Petzold
Im Rahmen der massiven Stellenstreichungspläne bei Gruner + Jahr, die in der vergangenen Woche bestätigt wurden, steht nun offenbar fest, was das für das Flaggschiff "Stern" bedeutet. Laut einem Mitarbeiter-Informationsschreiben des Betriebsrates, das HORIZONT Online vorliegt, soll 26 Mitarbeitern betriebsbedingt gekündigt werden.


Der Betriebsrat Verlag Hamburg sei am heutigen Dienstag von der "Stern"-Chefredaktion (die nach dem Abgang von Dominik Wichmann vor allem aus dem Herausgeber und kommissarischen Chefredakteur Andreas Petzold und drei Stellvertretern besteht) und der Geschäftsleitung (gemeint sind wohl Geschäftsführer Frank Stahmer und Publisherin Wibke Bruns) über die Pläne informiert worden, heißt es in dem Schreiben. Betroffen seien auch Kollegen, "die zum Teil seit Jahrzehnten beim ,Stern' arbeiten und auch Kolleginnen, die sich derzeit in Elternzeit befinden sowie Langzeiterkrankte". Es gehe um die Bildredaktion, Bildtechnik, die Infografik, die Abteilung "Außenstern", das Redaktionsmanagement sowie die Redaktion von "Gesund Leben".

Julia Jäkel
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Die Hintergründe des großen Sparhammers

Nun ist es bestätigt: Wie bereits vor zwei Wochen an dieser Stelle angedeutet und in der HORIZONT-Bezahlausgabe (33/2014) beschrieben, will das Hamburger Verlagshaus Gruner + Jahr in Deutschland in den kommenden drei Jahren dauerhaft 75 Millionen Euro Sach- und Personalkosten einsparen und dabei schrittweise bis zu 400 Stellen streichen - in allen Bereichen, auch in den Redaktionen. HORIZONT.NET analysiert die Hintergründe.

Der Betriebsrat habe die Maßnahmen gegenüber der Chefredaktion und Geschäftsleitung "scharf kritisiert", heißt es in dem Schreiben. Vor dem Hintergrund, dass der "Stern" nach wie vor ein profitabler Titel sei, seien die Entlassungen "nicht nachvollziehbar". Man sei mit allen Betroffenen im Gespräch und werde sie "beim Kampf um ihre Arbeitsplätze unterstützen". Am Donnerstagmorgen soll es eine Betriebsversammlung geben.

Update, 20:30 Uhr: Ein G+J-Sprecher bestätigt die Pläne auf Anfrage und verweist auf frühere Stellungnahmen zum Thema Stellenabbau, über den HORIZONT bereits Mitte August und Ende August berichtet hatte, ebenso wie über die Hintergründe der G+J-Sparpläne.

Konkret zum "Stern": Das Ressort Redaktionsmanagement werde geschlossen. Die Honorar- und Spesenprüfung werde von der G+J-Buchhaltung übernommen, der Leserdienst künftig in den Ressortsekretariaten mitbetreut. Ebenso geschlossen werden die Ressorts Bildtechnik und Infografik; diese Aufgaben sollen externe Dienstleister übernehmen. Die Bildredaktion soll Aufgaben "teilweise verlagern" und weitere Teile "durch verstärkte IT-Nutzung und strukturelle Änderungen" verschlanken. Die Redaktion von "Gesund Leben" werde mit Ausnahme der Textredaktion in die "Stern"-Redaktion integriert. Das Ressort Außenstern werde geschlossen; die Aufgaben werden verteilt oder entfallen. Die Kündigungen sollen im Oktober ausgesprochen werden; G+J werde nun in die Sozialplanverhandlungen einsteigen.

Über die 26 Kündigungen hinaus könnten beim "Stern" weitere Stellen abgebaut werden, durch Nicht-Nachbesetzungen offener Stellen (Fluktuation, Renteneintritt) sowie Regelungen für Altersteilzeit. Laut Schätzungen aus Redaktionskreisen sind auf diese Weise seit Sommer 2013 bereits rund 20 Stellen abgebaut worden, rund 10 Prozent der Redaktion. Zusammen mit den 26 Kündigungen hätte die "Stern"-Redaktion damit in fast einem Jahr knapp ein Viertel ihrer Köpfe verloren. War's das dann? "Weitere Pläne existieren derzeit nicht, können aber für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden", so der Sprecher. rp

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