Funke Mediengruppe

Manfred Braun tritt ab / Andreas Schoo wird Zeitschriften-Geschäftsführer

Andreas Schoo übernimmt das Ruder
Funke
Andreas Schoo übernimmt das Ruder
Nun geht es schneller als gedacht: Verlagslegende Manfred Braun verabschiedet sich Ende März in den Ruhestand, nach zehn Jahren bei Funke (und davor 36 Jahren bei Bauer). Einen Teil seines Jobs – die Zeitschriften – übernimmt im April Andreas Schoo, bis vergangenen September einer der Chefs bei Bauer. Und die Zeitungen? Hier kursiert vor allem ein Name.

Der Zeitpunkt von Brauns Abschied darf überraschen, denn erst im vergangenen Frühjahr hatte der heute 65-Jährige seinen Vertrag verlängert – und wirkte weiterhin alles andere als amtsmüde. Ganz im Gegenteil: Die Branchendebatten trieb er mit markanten (und für manche Kollegen irritierenden) Vorschlägen voran. So visionierte er einen einzigen großen Supervermarkter für alle Verlage, gar für alle klassischen Medien. Und fuhr der Grosso-Verhandlungsallianz der großen Häuser mit einem nicht abgestimmten Mäßigungsappell in die Parade. Möglich, dass sich Braun zuletzt und zurecht auch als in langen Fristen denkender Elder Statesman der Branche sah, der den Bogen etwas weiter spannen darf. Die nostalgischen Nuancen seiner jüngsten Kongressauftritte könnten dafür sprechen.


Brauns Verdienste für Funke (und zuvor auch für Bauer, obwohl der Abschied dort 2006 nach einem Streit erfolgt war) sind riesig: Mit auch ihm an der Spitze hat sich der Verlag gewandelt, von der als provinziell belächelten Essener WAZ-Gruppe mit Ruhrgebietszeitungen und bunten Klatschblättern zum bundesweit beachteten Zeitungs- und Zeitschriftenkonzern.

Manfred Braun hört auf
Manfred Braun hört auf (© Funke)
Dank des spektakulären 900-Millionen-Euro-Kaufs der Regionalzeitungen (Hamburger Abendblatt, Berliner Morgenpost) und vieler Magazine (Hörzu, Bild der Frau) 2014 von Axel Springer. Dank der Zentralredaktion in Berlin, die Funke Zugang in die hohe Politik und in Zitierrankings verschafft. Und zuletzt dank der Zukäufe gehobener Frauenmagazine (Donna, Myself).

Nach einem BWL-Studium begann Braun seine Karriere bei Bauer in Hamburg, wo er zuletzt einer der Geschäftsleiter war. 2007 startete er bei Funke, sorgte dort erst bei den Zeitschriften für beste Zahlen, stieg 2012 in die Geschäftsführung auf und leitet heute mit Michael Wüller die Geschicke des gesamten Hauses. Dank Braun „steht das Unternehmen heute auf starken Säulen – den Regionalmedien sowie den Frauen- und Programmzeitschriften“, lobt die neue junge Verlegerin Julia Becker, seit Jahreswechsel Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Gruppe, das Engagement, die Ideenkraft und die Energie ihres langjährigen Top-Managers.

Und vielleicht hat Braun ja auch noch seine Nachfolge eingefädelt? Er und Andreas Schoo kennen sich aus 14 gemeinsamen Bauer-Jahren. Die Hintergründe von Schoos Abschied bei Bauer nach 25 Jahren sind unklar; dort hatte er sukzessive seine Zuständigkeiten für Vertrieb, Vermarktung, Digitales und Radio abgegeben und war zuletzt für die schwierigen Geschäfte in West- und Nordeuropa, in Australien/Neuseeland und in den USA verantwortlich. Hatte er keine Lust mehr auf ein Leben im Flugzeug? Gab es Verstimmungen mit Verlegerin Yvonne Bauer? Haben ihn Funke und Braun weggelockt? Oder erst später angeklopft? Das wissen nur die Beteiligten. Seitdem Schoos Abschied von Bauer bekannt war, wurde er als möglicher Braun-Nachfolger gehandelt – und nicht mehr Burda-Zeitschriftenvorstand Philipp Welte.

Schoo gilt als umfassend versierter Medienprofi. Der 57-jährige Jurist startete 1992 in der Rechtsabteilung bei Bauer. Danach war er als Verlagsleiter für diverse Titel zuständig. Im Jahr 2000 wurde Schoo Geschäftsführer der Programmzeitschriften und 2007 in die Bauer-Konzernleitung berufen. In dieser Dekade baute er das Print-Geschäft aus, kämpfte als erster (und jahrelang als einziger) mit harten Bandagen und als Buhmann vieler Vertriebsgranden für mehr Effizienz, Leistung und teils Wettbewerb im Grosso-System – Forderungen, die heute fast alle Verlage teilen –, trug wesentlichen Anteil am Aufbau von Bauers Digitalsparte Xcel Media, führte die 31,5-Prozent-Beteiligung am TV-Sender RTL 2, agitierte zuletzt für die Verlagsinteressen auch im deutschen Radiomarkt und trieb das Auslandsgeschäft voran.

„Andreas Schoo ist ein überaus erfahrener Verlagsmanager mit einem Blick für innovative Verlagsstrukturen und besonders auch für digitale Plattformen.“
Julia Becker
Funke-Verlegerin Julia Becker
Funke-Verlegerin Julia Becker (© VDZ)
Und bald ab April Funke: Dort übernimmt er als Geschäftsführer die Verantwortung für die Zeitschriften (von Braun) und fürs Digitale (von Wüller). Schoo sei „ein überaus erfahrener Verlagsmanager mit einem Blick für innovative Verlagsstrukturen und besonders auch für digitale Plattformen“, so Verlegerin Becker: „Wir versprechen uns von ihm die Stärkung und Weiterentwicklung unserer wichtigen Märkte Zeitschriften und Digitales.“

Brauns (Print-) Zeitungsgeschäft wird jedoch nicht zu ihm wandern. Laut einem Funke-Sprecher sucht man hierfür einen dritten Geschäftsführer, neben Schoo und Finanzchef Wüller. Als wahrscheinlich gilt eine interne Beförderung aus der Riege der Titel-Chefs. Top-Kandidat dürfte Ove Saffe sein, seit Mitte 2015 Geschäftsführer des Hamburger Abendblatts und der Berliner Morgenpost. Saffe hat schon für fast jeden deutschen Verlag gearbeitet (Anzeigenleiter bei Jalag und Bauer, Geschäftsführer Stern/G+J, dann der Spiegel-Gruppe), inklusive früher Zeitungserfahrung bei der Berliner Zeitung (2000 bis 2004), zuletzt als Geschäftsführer. Ein Funke-Sprecher will diese „Spekulationen nicht kommentieren“. rp



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