Ethisches Adblocking

Dieser Brite will die Probleme der Publisher lösen

Adblocker erfreuen sich immer größerer Beliebtheit
© Adblock Plus
Adblocker erfreuen sich immer größerer Beliebtheit
Adblocking ist ein kontrovers diskutiertes Thema. Publisher, die sich durch Werbeeinblendungen finanzieren, würden es am liebsten abschaffen, ebenso die Vermarkter. Leser schätzen das Ausblenden von Werbung und Tracking-Cookies, da sie so mehr Ruhe und Privatsphäre beim Konsumieren von Inhalten haben. Marketingland-Kolumnist Jonathan Hochman hat einen Lösungsvorschlag, mit dem alle Parteien glücklich werden sollen: ethisches Adblocking.
Es gibt viele Gründe, aus denen Konsumenten Adblocking-Software oder -Browser-Erweiterungen installieren. Zum einen verbraucht jedes Werbebanner und jeder Tracking-Cookie Datenvolumen des Nutzers – Inhalte, die aus Sicht des Konsumenten irrelevant sind. Zum anderen sollte jeder Nutzer das Recht auf Privatsphäre haben. Die wird Nutzern aber durch besagte Tracking-Cookies entzogen, denn sie können jeden Schritt und Tritt verfolgen, den der Surfer tätigt, um beispielsweise nutzerrelevante Werbung anzuzeigen. Als weiteren Punkt pro Adblocker-Nutzung nennt Hochman den Schutz vor unseriösen Werbenetzwerken, die mitunter den Browser zum Absturz bringen können – oder schlimmer noch: den Rechner mit Malware infizieren.

Auf der anderen Seite stehen die Publisher, die ihre Gründe gegen den Einsatz von Werbeblockern haben. Als einer der relevantesten Faktoren zählt die Finanzierung des eigenen Angebots – viele Webseitenbetreiber sind schlicht auf Werbung angewiesen. Ebenso haben sie ihre Gründe zur Nutzung von Tracking-Cookies, denn damit können sie ihren eigenen Content optimieren und inhaltlich passende Werbung schalten lassen. Darüber hinaus helfen Cookies beim Tracking der Werbeeinblendungen, sodass der Anzeigenkunde korrekt abgerechnet werden kann. Und: Der Webseitenbetreiber hat Hausrecht – er kann bestimmen, unter welchen Konditionen die Seite besucht und wie die Inhalte genutzt werden dürfen.
„Ethical ad blockers should identify themselves to Web servers in the http request headers.“
Jonathan Hochman
Anhand der sicherlich unvollständigen Auflistung pro und contra Adblocker erkennt man, dass Publisher und Konsumenten stark unterschiedliche Positionen zu diesem Werkzeug einnehmen. Das von Hochman konzipierte „ethische Adblocking-Protokoll“ soll es im Idealfall allen Parteien recht machen – also einerseits Webseiten finanzieren und andererseits Konsumenten mehr Transparenz hinsichtlich des Trackings bieten. Darüber hinaus soll Werbung in erträglichem Maße angezeigt werden. Womöglich könnte damit sogar der Durchschleusung von Werbung trotz Adblocking-Software ein Garaus gemacht werden.



Um dieses Ziel zu erreichen, schlägt Hochman vor, dass Adblocker für Werbserver identifizierbar werden und Publisher erkennen können, wenn Nutzer mit aktiviertem Werbeblocker die Seite besuchen wollen. Vor dem Aufrufen der Inhalte, so Hochmans Idee, müssen Nutzer die Webeite im Adblocker einer Whitelist hinzufügen, um Zugriff auf den Content zu erhalten. Das Whitelisting fungiert damit praktisch als Eintrittskarte: Werbung gegen Content.


Hochmans Ansatz geht aber noch weiter, denn Webseitenbetreiber müssen den Nutzern beziehungsweise dem Adblocker verraten, welche Arten von Werbung auf der Seite angezeigt werden. Ferner soll der Nutzer darüber informiert werden, wie viel Datenvolumen durch die angezeigte Werbung verbraucht wird (Wie viel das ist, hat die New York Times kürzlich in einem lesenswerten Artikel analysiert). Ebenso wird dem Besucher ein Link zur Datenschutzerklärung bereitgestellt, um zu erfahren, was mit den gesammelten Daten passiert. Mit diesen Vorkehrungen werden Nutzer noch vor dem Besuch einer Seite darüber aufgeklärt, was auf ihren Rechnern oder Mobilgeräten landet. Laut Hochman sei die Bereitstellung solcher Daten ein Incentive, Werbeanzeigen im gemäßigten Rahmen auszuspielen, um es sich mit Webseitenbesuchern nicht zu verscherzen.

Damit Konsumenten nicht jede einzelne Webseite whitelisten müssen, die sie besuchen, sollen Betreiber von Adblock-Tools entsprechende Listen mit Seiten vorinstallieren, die sich an die Vorgaben halten. Auf der anderen Seite sollen außerdem „Blacklists“ geführt werden, auf denen Webseiten gesammelt werden, die es mit Werbung oder Tracking-Cookies übertreiben.

Hochmans Idee eines ethischen Adblockings klingt durchaus interessant, dürfte aber mit viel Aufwand für Seitenbetreiber und Adblock-Tool-Entwickler verbunden sein. Aktuell am Markt befindliche Adblock-Tool besitzen zudem schon eine Whitelist-Funktion, mit der Nutzer auf ausgesuchten Webseiten den Werbeblocker deaktivieren können.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf t3n
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