Ende einer Ära

Kai Diekmann gibt Chefredaktion der "Bild" ab

Tanit Koch und Kai Diekmann
© Axel Springer / dfv
Tanit Koch und Kai Diekmann
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Ende einer Ära bei der "Bild": Kai Diekmann gibt die Chefredaktion des Boulevardtitels von Axel Springer zum Jahresende ab und fungiert künftig ausschließlich als Herausgeber. Seine Nachfolge tritt Tanit Koch an.
Diekmann bleibt als Herausgeber allerdings oberster journalistischer Kopf der "Bild": Die Chefredakteure berichten künftig direkt an den 51-Jährigen. Diekmann werde künftig "die publizistische Ausrichtung sowie Weiterentwicklung der Bild-Marken in den Mittelpunkt seiner Aufgaben stellen", teilt Axel Springer mit. Die tagesaktuelle redaktionelle Steuerung der einzelnen Titel übernimmt die Chefredaktion.


Neue Chefredakteurin der gedruckten Ausgabe der "Bild" wird Tanit Koch. Die 38-Jährige war bislang stellvertetende Chefredakteurin und Unterhaltungschefin der "Bild". Zuvor war sie unter anderem Redaktionsleiterin von "Bild Hamburg" und Textchefin der Tageszeitung. Koch ist ein Eigengewächs der "Bild"-Zeitung: Ihre journalistische Laufbahn begann 2005 mit einem Volontäriat im Politik- und Wirtschaftsressort der Boulevardzeitung. Der Chefredaktion gehören außerdem Bild.de-Chef Julian Reichelt, "Bild am Sonntag"-Chefredakteurin Marion Horn und "B.Z./Bild Berlin"-Chefredakteur Peter Huth an.
Tanit Koch wird neue Chefredakteurin der "Bild"
© Axel Springer
Tanit Koch wird neue Chefredakteurin der "Bild"
"Mit Tanit Koch als Chefredakteurin für die gedruckte Ausgabe von Bild und Julian Reichelt als Chefredakteur für alle digitalen Plattformen von Bild sind wir hervorragend aufgestellt, um die Marke Bild erfolgreich durch die digitale Revolution zu führen", sagt Kai Diekmann. "Bild ist das Leitmedium in Deutschland – gedruckt wie digital. Die vierköpfige Redaktionsspitze mit Marion Horn, Peter Huth, Tanit Koch und Julian Reichelt steht dafür, dass die Erfolgsgeschichte von Bild weitergeschrieben wird."

"Das Konzept von Bild hat sowohl digital als auch international spannende Entwicklungsperspektiven", betont auch Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer: "Diese Potenziale wird Kai Diekmann, der langjährigste und wohl auch erfolgreichste Chefredakteur von Bild, in seiner neuen, übergeordneten Aufgabe konkretisieren. Tanit Koch hat sich über viele Jahre hinweg überzeugend für die Aufgabe qualifiziert, Europas größte Tageszeitung journalistisch zu führen und neue Akzente zu setzen."


Diekmann war seit 2001 Chefredakteur von Europas größter Kaufzeitung. Unter seiner Ägide hat sich die Auflage der gedruckten "Bild" etwa halbiert. Im gleichen Zeitraum entwickelte sich Bild.de im Internet zum führenden Nachrichten- und Unterhaltungsportal in Deutschland.
Ab September 2012 in den USA unterwegs: Martin Sinner, Kai Diekmann und Peter Würtenberger (v.l.)
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Die Drei vor der Reisestelle: „Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann, Axel-Springer-Vermarktungschef Peter Würtenberger und Martin Sinner, Gründer und Geschäftsführer der Preisvergleichs-Plattform Idealo (gehört mehrheitlich zu Springer) planen derzeit eine längere Dienstreise in die USA. Das Trio wird ab September für einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten seine Arbeitsplätze von Berlin an die Westküste der USA verlegen - und zwar ins Silicon Valley.

2012 ging Diekmann gemeinsam mit dem damaligen Vermarktungschef Peter Würtenberger und Idealo-Gründer Martin Sinner für ein halbes Jahr ins Silicon Valley, um Inspirationen für digitale Geschäftsmodelle zu sammeln. Seitdem experimentierte die Redaktion verstärkt mit neuen digitalen Darstellungsformen wie zum Beispiel dem speziell für Smartphones optimierten Video-Nachrichtenformat "Bild Daily" oder "Bild Update".

Während sich die "Bild" in der digitalen Welt zu einem Vorreiter entwickelt hat, wurde an der inhaltlichen Ausrichtung der Printausgabe zuletzt Kritik laut. Diekmann umgarne "ein hippes Szene-Publikum, dem er sich mit Hipster-Bart, Tattoos und zerfetzten Jeans auch im äußeren Erscheinungsbild angenähert hat", befand erst kürzlich "Handelsblatt"-Medienredakteur Kai-Hinrich Renner. Die eigentliche Kernzielgruppe des Boulevardblatts bleibe beim "Spagat zwischen Politik und Szene" auf der Strecke. Der einfache Mann von der Straße finde sich in "Bild" immer weniger wieder. dh
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