Eckart von Hirschhausen

"Die meisten Menschen sind im Internet komplett verloren"

Eckart von Hirschhausen
© Anatol Kotte
Eckart von Hirschhausen
Das neue Jahr ist erst zwei Tage jung – doch eine Entwicklung steht schon jetzt fest: Die Zahl der Zeitschriften, die in Kooperation mit prominenten Köpfen entstehen, wird sich 2018 fast verdoppeln. Einer dieser Köpfe ist der Arzt und Entertainer Eckart von Hirschhausen. In HORIZONT Online spricht er über Kreativität, Konkurrenz und Korallenpulver.

Drei weitere Testimonial-Titel kommen allein bis Frühjahr hinzu, darunter Dr. Wimmer und Joko (Winterscheidt). Und zwei wurden erst gerade im vergangenen Herbst gelauncht: (Johann) Lafer und Daniela (Katzenberger). Mehr zum Thema lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 1/2018, die am 4. Januar erscheint.

Den Anfang macht in dieser Woche Gruner + Jahr mit seinem relaunchten Gesundheitsmagazin „Stern gesund leben“, für das nun Fernsehdoktor Eckart von Hirschhausen als „Kopf und aktiver Chefreporter“ (G+J) auftritt. Die Pläne wurden bereits im Oktober bekannt. Nun ist auch klar: Der neu aufgestellte Titel startet mit verdoppelter Druckauflage (200.000 statt wie zuletzt 107.200 Stück), mit einem um ein Viertel abgesenkten Copypreis (5 statt 6,80 Euro) und mit einer Marketingspritze im Bruttowerbewert von über einer Million Euro. Der Claim der Kampagne (Print, Radio, Online, OoH, PoS) lautet: „Lesen Sie mich durch, ich bin Arzt!“.

Das Heft erscheint weiterhin sechs Mal pro Jahr, wie seit 2003. Herausgeber ist Stern-Chefredakteur Christian Krug. „Hirschhausens Stern gesund leben“ – so heißt der Titel jetzt vollständig – verspricht „Lebensfreude, fundiertes Wissen und ein positives Körpergefühl“, so G+J. Und: „Kein Zeigefinger, aber Augenzwinkern“. Die Themen reichen von Medizin, Psychologie und Ernährung bis zu Reise und Fitness. Neben den klassischen journalistischen Formaten gibt es Bildstrecken, ein Quiz und „viel zum Schmunzeln und Staunen“, so G+J.

Im Interview mit HORIZONT Online erklärt Eckart von Hirschhausen, warum er jetzt auch noch ein Magazin macht, welchen Vorteil G+J als Kooperationspartner gegenüber der ARD hat – und warum man ihn nie mit einer Dose Fleischsalat in der Hand sehen wird.

Sie bespielen mit TV und Büchern bereits zwei starke Medienkanäle, um sich und Gesundheitsthemen unterhaltsam zu verbreiten. Warum jetzt auch noch eine Zeitschrift? Was viele nicht wissen – ich bin gelernter Wissenschaftsjournalist. Ich habe parallel zu meinen Bühnenprogrammen und Fernsehaktivitäten immer gerne geschrieben und spannende Menschen interviewt. Mit dem „Stern“ zusammen neue Ideen für ein Gesundheitsmagazin zu entwickeln, ist ein echtes Geschenk zu meinem 50. Geburtstag. Ich werde damit nicht mehr allein als Entertainer und Arzt, sondern als Impulsgeber, Reporter und Autor mit meiner ganz eigenen Art der Gesundheitsvermittlung aktiv.
Anzeigenmotiv für Gruner + Jahrs "Gesund leben"
© Gruner + Jahr
Anzeigenmotiv für Gruner + Jahrs "Gesund leben"
Sie wollen fürs Heft auch viele Selbstversuche unternehmen. Inwieweit gehören dazu jetzt auch Treffen mit Werbekunden und Mediaagenturen – und wie fühlt sich das an? Mein Selbstversuch hat super geklappt. Ich habe mich einfach mal an die Ratschläge gehalten, die ich anderen gebe und zack – habe ich 10 Kilo abgenommen. Ich bin erleichtert und verrate im Heft, wie das jeder schaffen kann und warum Essenspausen wichtiger sind als jede Diät. Ich liebe es, eine neue „Spielwiese“ zu haben, wo ich meine Kreativität austoben kann. Und deshalb fühle ich mich bei Gruner + Jahr so gut aufgehoben, weil hier brillante Köpfe sowohl im Anzeigenbereich wie in der Redaktion arbeiten – unabhängig voneinander. Anzeigen sind wichtig für hochwertigen Journalismus. Und gerne können mich die Kunden auch besuchen kommen bei meinen Liveprogrammen. Meine neue Show „Endlich“ startet gerade mit einer Tour durch die ganze Republik. Kommen Sie vorbei!

Wenn’s in meine Essenspause passt. Sie sagen, zu viel digitaler Medienkonsum wirke wie „Gift im Gehirn“. Welche Digital-Dosis verschreiben Sie „Stern gesund leben“? Wird es neue Digitalangebote geben – oder bleibt es beim reinen Print-Präparat? Bewegtbild bewegt Menschen. Lesen vertieft. Wir werden natürlich auch kleine Videos produzieren und das Netz für die Interaktion mit den Lesern nutzen. Das Schöne: Wenn ich nicht für die ARD unterwegs bin – darf es ja sogar presseähnlich sein (lacht).

Fördert oder mindert „Dr. Google“ die Chancen für bezahlte Gesundheitsmedien wie Bücher und Zeitschriften? Verstärkt also die Selbstrecherche im Internet das Bedürfnis nach Einordnung, Tiefe und noch mehr Infos – oder verleiht sie im Gegenteil das Gefühl, nun schon alles zu wissen? Und was heißt das für Bezahlmedien? Die meisten Menschen sind im Internet komplett verloren, zwischen Sinn und Unsinn, versteckter Werbung und evidenzbasierter Medizin zu unterscheiden. Mit dem neuen Magazin kombinieren wir tiefe Recherche mit einer unterhaltsamen Form. Wir nehmen die Leser in ihrem Wunsch ernst, sich selber Gutes zu tun und Orientierung zu bekommen im Gesundheitsdschungel. Dafür würde ich sogar selber zahlen, aber ich habe ein Kennlern-Abo. Sie auch?
„Die meisten Menschen sind im Internet komplett verloren, zwischen Sinn und Unsinn, versteckter Werbung und evidenzbasierter Medizin zu unterscheiden.“
Eckhart von Hirschhausen
Mal sehen, es gibt ja bald noch einen weiteren Titel: Der Jahreszeiten Verlag startet im Februar mit dem aus Youtube-Videos und NDR-TV-Sendungen bekannten Arzt Dr. Wimmer ein gleichnamiges Gesundheitsmagazin. Sehen Sie das für „Stern gesund leben“ als erfreuliches Signal fürs gesamte Segment – oder nervt Sie die neue Konkurrenz gleich zum Start? Vor 25 Jahren habe ich begonnen, Medizin mit Humor zu verbinden und damit ein völlig neues Genre begründet, sowohl auf der Bühne, auf dem Sachbuchmarkt und im Fernsehen. Ich weiß heute, das Thema Gesundheitskompetenz ist in Deutschland so unterentwickelt, dass ich mich freue für jeden, der mit mir dieses dicke Brett bohrt – bis ein bisschen Licht hindurchscheint.

Der Jalag hat für seinen künftigen Titel die Segmentbezeichnung „Doctainment“ ersonnen. Passt dieses Etikett auch für das neue „Stern gesund leben“? Nein. Bei mir wissen die Menschen auch so, was sie bekommen.

Können Sie sich vorstellen, Werbe-Testimonial für kommerzielle Produkte zu sein? Wieso sollte ich? Wie glaubwürdig wäre ich mit einer Dose Fleischsalat in der Hand? Ich verzichte bewusst auf jede Form von Werbeverträgen, weil mir meine journalistische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit mehr bedeutet als Geld. Sie werden mich nie mit Korallenpulver ködern können – eher noch mit einer roten Nase und einer ordentlichen Spende an meine Stiftung „Humor hilft heilen“. Interview: Roland Pimpl 
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