DuMont / Hamburger Morgenpost

Mopo eruiert Registrierungspflicht im Netz – und zieht erste Bilanz ihres Print-Relaunches

Frank Niggemeier, Chefredakteur der Hamburger Morgenpost
Hamburger Morgenpost
Frank Niggemeier, Chefredakteur der Hamburger Morgenpost
Die DuMont Mediengruppe erwägt eine Registrierungspflicht für die Nutzung ihrer Zeitungsportale. Grund sind bisher unbefriedigende oder gescheiterte Versuche mit Paid Content – und die Erkenntnis, dass bisherige Werbeerlöse alleine zur Finanzierung von Journalismus auf Dauer nicht ausreichen werden.

Dabei handele es sich nicht um Pläne, sondern um erste Überlegungen, betonte Frank Niggemeier, Chefredakteur der Hamburger Morgenpost, bei einem Pressegespräch. Die Hamburger „Mopo“ gehört wie andere Boulevard- (Berliner Kurier, Kölner Express) und Abo-Titel (Berliner Zeitung, Kölner Stadtanzeiger) zur Kölner DuMont Mediengruppe und hatte ihrerseits einen Versuch mit dem Einzeltext-Bezahldienst Laterpay bereits im Sommer 2016 beendet. Von einer möglichen (kostenlosen, aber obligatorischen) Registrierung erhoffen sich die Zeitungsmacher bessere Nutzer- und Nutzungsdaten zur Vermarktung.


Noch ist in puncto Geschäftsmodell und rechtlich (Stichwort E-Privacy) völlig offen, wie und wofür man welche Daten verwenden könnte. Und wie sich eine Registrierungspflicht – für alle oder nur für ausgewählte Inhalte? – auf die Reichweiten auswirken würde. Mopo-Chef Niggemeier lässt indes durchblicken, dass er die DuMont-Überlegungen sehr begrüßt. Und falls es denn so kommt, mag man in Hamburg wohl auch gerne zu den Pilottiteln im Konzern gehören.

Derweil zieht Niggemeier eine erste positive Bilanz des Print-Relaunches vom vergangenen November. Zwar könne man den Effekt bisher nicht an den Heftverkäufen ablesen – weder positiv noch negativ –, mittelfristig erhofft er sich jedoch eine Stabilisierung der Auflage. Die Mopo verkaufte zuletzt (IVW 4/2017) montags bis freitags im Schnitt 61.398 Hefte, das sind 12 Prozent weniger als im Vorjahresquartal und über ein Drittel weniger als vor fünf Jahren.

Seit Ende 2017 priorisiert die Mopo ihre Regionalberichterstattung und zeigt sich meinungsstärker, mit mehr und längeren Hintergrundstücken, die nicht immer tagesaktuell sein müssen, sondern auch stadtbezogene Grundsatzdebatten anstoßen sollen. Motto: Weniger News-Klein-Klein, mehr Magazin. Der Lesermail-Resonanz nach zu urteilen, komme das Konzept gut an, sagt Niggemeier und hofft auf eine wachsende Blattbindung durch mehr Meinungsaustausch – und darauf, dass die „neue“ Mopo in der Stadt bekannter wird, nicht nur bei den politischen Entscheidern und Offiziellen, sondern auch bei (Noch-Nicht-) Lesern und potenziellen Käufern. Hierfür soll im 1. Quartal eine Kampagne mit vor allem Radio- und Out-of-Home-Werbung starten, kündigt Mopo-Geschäftsführerin Susan Molzow an.

Weitere Pläne für dieses Jahr: Mit den Lokalkonkurrenten Bild Hamburg (Axel Springer) und Hamburger Abendblatt (Funke) soll es gemeinsame Anzeigenkombis geben - das neue Kartellrecht könnte es möglich machen. Zudem wird das E-Paper im Rahmen eines DuMont-Projekts aufgemöbelt, das Corporate Publishing weiter ausgebaut. Schon jetzt produziert, veranstaltet und vermarktet das Team um DuMont-Media-Geschäftsführerin Michaela Schirrmann zahlreiche Publikationen (zuletzt etwa für Hamburg Marketing), regionale Events und Messen. Daneben plant der Verlag weitere Journalismus-ferne, aber Hamburg-nahe Nebengeschäfte als zusätzliches Umsatzstandbein. Näheres wurde nicht genannt. Operativ hat die Mopo zuletzt Verluste geschrieben.

Die Themen, die zumindest die Mitarbeiter am meisten beschäftigen, sind der Umzug in ein neues modernes Gebäude in diesem Sommer sowie die lange angekündigten Stellenstreichungen. Im vergangenen Jahr gab es hierzu wilde Zahlenspiele (60? 16?); im Spätsommer hatte der Verlag schließlich elf Arbeitsplätze zur Disposition gestellt. Nun kursiert eine neue Zahl: sieben. Das Unternehmen kommentiert dies nicht. Es seien aber weniger als elf. rp



stats