Digital überholt Analog

Netflix, Spotify & Co sind die Treiber des globalen Mediengeschäfts

Digitale Plattformen wie Netflix sind zu einem Treiber der globalen Medienindustrie geworden
Netflix
Digitale Plattformen wie Netflix sind zu einem Treiber der globalen Medienindustrie geworden
Die globale Medienindustrie wächst - allerdings vor allem aufgrund digitaler Plattformen. Dabei übersteigen schon in diesem Jahr die digitalen Erlöse den Umsatz aus analogen Geschäften. Das geht aus dem Global Media & Entertainment Outlook der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers hervor. 
Im Schnitt prognostiziert PwC für die kommenden Jahre ein jährliches Wachstum der globalen Medien- und Unterhaltungsbranche von durchschnittlich 4,4 Prozent. Bis 2022 erreicht die Branche damit Erlöse in Höhe von 2,4 Milliarden US-Dollar. Allerdings sind für das Waschstum fast ausschließlich digitale Geschäftsmodelle verantwortlich, während der Umsatz der meisten klassischen Medien stagniert oder sogar rückläufig ist. 

So legen die Streaminganbieter in den kommenden Jahren im Schnitt um 10 Prozent pro Jahr zu. Auch Onlinewerbung gehört mit 8,7 Prozent Wachstum nach wie vor zu den Treibern des globalen Wachstums. Das klassische Fernsehen kann auf globaler Ebene voraussichtlich immerhin noch um 2,4 Prozent pro Jahr zulegen, während die Umsätze der Zeitungsbranche um 2,4 Prozent pro Jahr sinken.
Der Umsatz der Medienindustrie wächst im Schnitt um 4,4 Prozent pro Jahr
Der Umsatz der Medienindustrie wächst im Schnitt um 4,4 Prozent pro Jahr (© PwC)
Der schnelle technologische Wandel führt aber auch dazu, dass die Entwicklung selbst innerhalb einzelner Segmente gegenläufig ist: So legen Musik-Streaminganbieter wie Spotify pro Jahr um 20 Prozent zu, während das Geschäft mit Musik-Downloads um 25 Prozent pro Jahr schrumpft. 

Insgesamt sind digitale Plattformen aber die Wachstumstreiber der globalen Unterhaltungsindustrie. Schon in diesem Jahr werden die digitalen Erlöse erstmals den Umsatz der analogen Medien übersteigen. Bis 2022 steigt der Anteil der Digitalerlöse laut der Prognose von PwC auf 57 Prozent. 
„Wenn die traditionellen Medienunternehmen mit den digitalen Champions mithalten wollen, dann müssen sie sich im Grunde laufend neu erfinden. “
Werner Ballhaus, PwC
"Was wir momentan in der Unterhaltungsindustrie erleben, hat mit einer kontinuierlichen Entwicklung nicht mehr viel zu tun. Stattdessen muss die Branche innovative Geschäftsmodelle hervorbringen, um den steigenden Anforderungen des Endkunden gerecht zu werden", betont Werner Ballhaus, Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC in Deutschland. Das heiße aber nicht, dass die angestammten Wettbewerber gegen die Player aus dem Silicon Valley ohne Chance seien: "Aber Tatsache ist, dass wirkliches Wachstum fast nur noch aus den digitalen Bereichen kommt. Wenn die traditionellen Medienunternehmen mit den digitalen Champions mithalten wollen, dann müssen sie sich im Grunde laufend neu erfinden – ansonsten drohen sie auf die Verliererseite zu geraten." 

Wollten klassische Medienhäuser nicht zu reinen Content-Lieferanten werden, müssten sie sich darum bemühen, ihre Inhalte über verschiedene Plattformen zu verbreiten und den Kunden möglichst individuelle Angebote machen. "Das Modell Publisher wird von Plattform-Betreibern in die Enge gedrängt", resümiert PwC-Experte Werner Ballhaus. dh

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