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Jan Oetjen und Donata Hopfen auf dem Deutschen Medienkongress
Getty Images / Alexander Hassenstein
Datenschutz und Datenallianzen

"Wenn wir nicht reagieren, fließen noch mehr Gelder nach Amerika"

Jan Oetjen und Donata Hopfen auf dem Deutschen Medienkongress
Sie hängt wie ein Damoklesschwert über der Werbeindustrie. Auf dem Deutschen Medienkongress verdeutlicht BVDW-Justiziar Michael Neuber einmal mehr: Die neue E-Privacy-Verordnung untergräbt so ziemliches alles, womit Werbevemarkter ihr Geld verdienen. Datenallianzen wie von Verimi und die Vermarkter-getragene Log-In Allianz sollen Lösungen schaffen.
von Vera Günther Mittwoch, 17. Januar 2018
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Es ist bereits fünf nach zwölf, das verdeutlichte BVDW-Justiziar Michael Neuber in seinem Impulsvortrag. Sein Fazit:  Die E-Privacy-Verordnung widerspricht den Interessen der Wirtschaft und der Verbraucher gleichermaßen. Die EU mache es damit  im Grunde unmöglich, digitale Angebote ohne Barrieren anzubieten und zu finanzieren.



„Der technische Sachverstand der EU-Kommission ist klein, die Polemik aber groß.“
Michael Neuber
Denn um die von der OWM immer wieder geforderte Transparenz zu schaffen, sei eine Messung und auch ein Tracking unerlässlich. Dies Ausspähung der Nutzer zu nennen, sei eine ebenso fatale wie fehlerhafte Darstellung der Kommission. Neuber bemängelt: "Der technische Sachverstand der EU-Kommission ist klein, die Polemik aber groß". Neuber pocht auf für informelle Selbstbestimmung des Nutzers.

Deutscher Medienkongress 2018: Bilder vom zweiten Tag


Die wäre durch die in den letzten Monaten ins Leben gerufenen Datenallianzen gegeben. Auf dem Deutschen Medienkongress trommelten Donata Hopfen, CEO von Verimi, und Jan Oetjen, Vorstand der United Internet AG, für ihre jeweiligen Modelle.


Verimi (steht für Verify me) wurde von den Konzernen Allianz, Axel Springer, Daimler und Deutsche Bank initiiert.  Als weitere Teilnehmer sind die Deutsche Telekom, die Deutsche Lufthansa sowie das IT-Sicherheitsunternehmen Bundesdruckerei dazugestoßen. Das Ziel: ein digitaler "Generalschlüssel", mit dem sich der Nutzer im Internet bei allen Beteiligten identifizieren und einloggen kann. Das gilt für die Nutzung der jeweiligen Angebote bis zur Identifizierung bei behördlichen Angelegenheiten, aber auch für eine datenschutzrechtlich zulässige Personalisierung von werblichen Angeboten. "Der Nutzer entscheidet, welche Daten er an die Unternehmen geben will", unterstreicht Hopfen, die sich damit gut gegen die E-Privacy-Verordnung gerüstet sieht.

Gegen die wappnet sich auch die Log-In-Allianz, die United Internet, die Mediengruppe RTL Deutschland und Pro Sieben Sat 1 eingegangen sind. Wie Verimi arbeiten die drei Medienhäuser an einem übergreifenden Registrierungs- und Anmeldeverfahren. Nutzer können sich mit denselben Log-in-Daten auf anderen Webseiten einloggen, wenn die Betreiber dieser Angebote an der Allianz teilnehmen. Alle beteiligten Unternehmen sammeln bei ihren Nutzern Opt-ins ein.

Die E-Privacy-Verordnung sei aber eher Anlass als Grund für die Kooperation gewesen, sagt Oetjen. "Die Identifizierung des Nutzers über seine IP-Adresse war ja nur eine Notkrücke aus den Zeiten, als jeder Nutzer nur ein Endgerät in Betrieb hatte." Im Zeitalter des Multi-Device-Nutzers brauche es ohnehin andere Technologien, um Targeting und Frequency Capping sicherzustellen. Oetjen sieht die Datenallianz vor allen Dingen auch als Schutzmaßnahme. "Wenn wir nicht reagieren, fließen noch mehr Gelder nach Amerika." Im Gegensatz zu den deutschen Vermarktern kollidieren die Log-In- basierten Dienste wie Facebook nicht mit den europäischen Datenschutzregelungen.

Der Wettbewerb mit asiatischen und amerikanischen Anbietern ist der Grund, warum Hopfen eine zweite Datenallianz für weitgehend überflüssig hält: "Ich bin der festen Überzeugung, dass wir ein europäisches Bündnis als Gegengewicht brauchen." Man müsse die Kräfte bündeln und Brücken zueinander bauen, um die Energie nicht in die falsche Richtung zu lenken.

Die Brücke, und das ist neu, will Verimi nun bauen: "Wir haben bereits angeboten, einen Test auf operativer Ebene zu starten." Dabei soll ein Verimi-Teilnehmer mit der Log-In-Allianz verbunden werden. "Wir wollen schauen, ob man es verknüpfen kann."Für Oetjen kein Problem: "Unsere Log-In-Allianz baut auf offene Standards."Verimi sieht er nichts desto trotz als Walled Garden. Beide Initiativen betonen, dass sie für weitere Partner offen sind."

Offen sind auch die Datenschutzbehörden für beide Modelle. Johannes Caspar, Hamburgischer Beauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit, begrüßt ausdrücklich die Existenz mehrere Modelle. "Die Nutzer wollen eine bessere Sicht auf ihre Daten bekommen." Das sei mit beiden Modellen gegeben. Letztendlich werde der Verbraucher entscheiden, welchem Modell er den Vorzug geben wird.vg

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