"Das Pokerface"

Das sagen die Medien zur Befragung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg

So hemdsärmelig wie sonst trat Mark Zuckerberg bei der Befragung im US-Senat nicht auf
© Facebook
So hemdsärmelig wie sonst trat Mark Zuckerberg bei der Befragung im US-Senat nicht auf
Mark Zuckerberg hat sich bei der fünfstündigen Befragung im US-Senat nach Meinung der meisten Beobachter gut geschlagen. Gut vorbereitet konterte er fast alle Fragen der Politiker souverän - nur ein Senator brachte den Facebook-Gründer ins Schwitzen. Der Auftritt von Zuckerberg in der Medienschau. 

Zeit Online

Mark Zuckerberg habe sich auf die Befragung minutiös vorbereitet, so die Beobachtung von Zeit Online-Autor Julian Heißler. Der Facebook-Chef habe zu Anfang der Befragung sichtlich nervös gewirkt, sei aber zunehmend entspannter geworden: "Er antwortet freundlich, wird stellenweise gar ein bisschen locker, achtet jedoch peinlich genau darauf, nicht respektlos zu wirken. Ein Aussetzer, das weiß Zuckerberg, könnte für Facebook spürbare Konsequenzen haben." 

Gemeinsam mit einem Expertenteam habe er vor seinem Auftritt nicht nur Antworten auf wahrscheinliche Fragen der Kongressabgeordneten geprobt, sondern auch an seiner Ausstrahlung gearbeitet: "In der Anhörung gibt sich Zuckerberg alle Mühe, das Gelernte umzusetzen. Je länger die Fragerunde dauert, desto mehr entspannt er sich. Seine Hände, zunächst wie festgebacken am Zeugentisch, schwirren plötzlich durch die Luft. Sein Blick entspannt sich, die Stimme entkrampft." 

Spiegel Online

Roland Nelles, Washington-Korrespondent des Spiegel, kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. Zuckerberg wurde von "einem Tross" von Kommunikationsberatern und Managern seines Unternehmens zu der Anhörung begleitet. "Aber schnell wird klar, Zuckerberg braucht keine Hilfe. Der Mann, der das größte soziale Netzwerk der Erde vor 14 Jahren in seinem Studentenzimmer in Harvard gründete und in ein Multimilliarden-Dollar-Unternehmen verwandelte, kann erkennbar auf sich selbst aufpassen. All jene, die hier den Sturz eines Ikarus erwartet haben, werden rasch enttäuscht. Zuckerberg hat sich gut vorbereitet. Er wird von den Senatoren zwar mit vielen Fragen 'gegrillt', lässt sich aber trotzdem kaum aus der Ruhe bringen." 

Handelsblatt 

Für das Handelsblatt geriet die Befragung sogar zur "Zuckerberg-Show": "Doch was als Verhör begann, wurde schnell zur Bühne für die große Zuckerberg-Show. Im Verlauf der Marathon-Befragung von fünf Stunden beantwortete der Zeuge Zuckerberg die Fragen der Senatoren immer souveräner, die Aufklärung darüber verlangten, wie es zu dem illegalen Zugriff auf etwa 87 Millionen Facebook-Profile kommen konnte und wie das Netzwerk seine 2,2 Milliarden Nutzer und deren Privatsphäre künftig besser zu schützen beabsichtigt." 

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Zu einer kritischeren Einschätzung kommt FAZ-Wirtschaftskorrespondent Roland Lindner. Zuckerberg habe zwar insgesamt "eine passable Figur" gemacht und sich keine allzu großen Schnitzer geleistet.



"Aber er war auch oft auf frustrierende Art und Weise unverbindlich und ausweichend. Und vieles von dem, was er sagte, wirkte am Ende schal und einstudiert. Es ist fast schon ermüdend, wie oft er in diesen Tagen das Wort 'Verantwortung' in den Mund nimmt. Er tat das bei der Anhörung ein ums andere Mal, ebenso wie schon in der vergangenen Woche im Gespräch mit Journalisten." 

Süddeutsche.de

SZ-Autor Johannes Kuhn verweist in seiner Analyse für Süddeutsche.de zudem auf den hohen Alterschnitt der US-Senatoren, die teilweise offenbar nur wenig Kenntnisse von der Funtkionsweise des sozialen Netzwerks hatten.


"Zwar musste sich der 33-Jährige auch harte Kritik anhören ("absichtliche Blindheit"), doch insgesamt zahlte sich die Vorarbeit des Konzerns aus: Zuckerberg, inzwischen einer der erfahrensten Entschuldiger der Branche, übernahm mit ruhiger Stimme erneut die Verantwortung für den Datenabfluss und bedauerte, die russische Wahl-Beeinflussung 2016 zu spät erkannt zu haben. (...) 

Während seines Auftritts profitierte der Facebook-Chef auch vom hohen Altersdurchschnitt im Senat: Die meisten der 44 Senatoren hatten ihre Fragen offensichtlich von Assistenten erhalten, wussten aber zu wenig über IT-Systeme oder das Facebook-Geschäftsmodell, um die richtigen Nachfragen zu stellen." 

Nur der demokratische Senator 
aus Illinois, Dick Durbin, brachte Zuckerberg für einen Moment sichtlich in Bedrängnis, als er den Facebook-Gründer fragte: "Würden Sie sich damit wohlfühlen, uns hier zu erzählen, in welchem Hotel Sie in der vergangenen Nacht geschlafen haben?". "Ehm, nein", antwortet Zuckerberg nach einer Pause. Durbin hakte nach: "Wenn Sie jemandem diese Woche eine Nachricht geschrieben haben, würden Sie uns teilhaben lassen, wie die Personen heißen?" Zuckerberg: "Senator, das würde ich wahrscheinlich nicht hier öffentlich tun wollen." dh
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