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Facebook verteidigt Strategie, Nutzer über Qualität von Medien entscheiden zu lassen

Facebooks Kommunikations- und Politikchef Elliot Schrage auf dem DLD in München
© Dominik Gigler / DLD
Facebooks Kommunikations- und Politikchef Elliot Schrage auf dem DLD in München
Auf der Digitalkonferenz DLD in München verteidigte Facebooks Kommunikations- und Politikchef Elliot Schrage am Sonntag die Strategie, den Kampf gegen gefälschte Nachrichten stärker in die Hand der Nutzer zu legen. Am Freitag hatte Facebook-Chef Mark Zuckerberg diesen Schritt angekündigt und geschrieben: "Als Teil unserer laufenden Qualitätsüberprüfungen werden wir die Leute nun fragen, ob sie eine Nachrichtenquelle kennen - und wenn ja, ob sie ihr vertrauen."

Facebook selbst wolle nicht die Entscheidung übernehmen, welche Nachrichtenbeiträge auf der Plattform vertrauensvoll sind und welche nicht, so Schrage. Ebenfalls wolle das Unternehmen diese Entscheidung nicht an einen Dritten, etwa eine Expertengruppe, abgeben. "Denn dann würden wir darüber diskutieren, wer in dieser Expertengruppe sitzen sollte", so Schrage.

Facebooks Politikchef gibt sich in München einsichtig und durchaus selbstkritisch: Das soziale Netzwerk habe sich in den vergangenen Jahren zu sehr darauf konzentriert, neue Features zu entwickeln statt Fake News und Hate Speech zu eliminieren.

Die Nachfrage, ob das auf ein Missmanagement der Facebook-Führung hinweisen würde, verneint er: "Das FBI, die CIA und Interpol haben diese Entwicklung ebenfalls nicht kommen sehen."

Das Ergebnis werde die Polarisierung nicht verstärken, versicherte Schrage. Ließe man über die Glaubwürdigkeit von Medien von einer Expertengruppe entscheiden, gäbe es immer wieder Zweifel an deren Objektivität. Aber statistisch sauber durchgeführte Umfragen könnten zur Lösung des Problems beitragen.

Facebook war vor allem wegen der Flut gefälschter Nachrichten während des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 in die Kritik geraten und versucht seit langem, das Problem einzudämmen. In einem ersten Lösungsversuch arbeitete das Online-Netzwerk mit Medien-Organisationen zusammen, die zweifelhafte oder falsche Berichte mit Warnhinweisen versahen. Die Facebook-Gemeinschaft zu fragen, sei aber die objektivere Lösung, schrieb Zuckerberg nun. Facebook selbst wolle nicht entscheiden, was stimme und was nicht, bekräftigte er die bisherige Position des Unternehmens.

"Es gibt zu viel Sensationsgier, Falschinformationen und Polarisierung heute in der Welt", schrieb Zuckerberg. "Soziale Medien erlauben es Menschen, Informationen schneller als zuvor zu verbreiten, und wenn wir diese Probleme nicht konkret angehen, werden wir sie am Ende verstärken", räumte er ein.

Das Online-Netzwerk hatte vor kurzem bereits Veränderungen angekündigt, mit denen im Newsfeed der Nutzer - der Hauptansicht von Facebook - mehr Beiträge von Freunden und Verwandten und weniger von Medien und Unternehmen auftauchen sollen. Zuckerberg bezifferte am Freitag erstmals den erwarteten Effekt: Facebook rechne damit, dass Nachrichten danach vier Prozent des Newsfeeds ausmachen werden statt zuvor fünf Prozent.

Zugleich sollen Inhalte von Medien und Firmen, über die im Freundeskreis diskutiert wird, höher gewichtet werden. Beobachter wiesen darauf hin, dass dadurch auch kontroverse falsche Berichte in der Ansicht höher gespült werden könnten. Mit der nun vorgenommenen zweiten Anpassung, die Nachrichtenquellen nach Vertrauenswürdigkeit staffeln soll, könnte Facebook dieser Befürchtung entgegentreten. Auch jetzt wurden allerdings Stimmen laut, die vor einer ideologisierten Manipulation des Verfahrens warnten, zum Beispiel angesichts der verhärteten Fronten zwischen Liberalen und der Rechten in Amerika. ron (mit dpa-Material)




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