Conrad Albert

Chef von Pro Sieben Sat 1 fordert neue Medienordnung

P7S1-Vorstand Conrad Albert
P7S1-Vorstand Conrad Albert
Der Interimschef von Pro Sieben Sat 1, Conrad Albert, schießt im Interview mit dem Handelsblatt scharf gegen die globalen Internetkonzerne. Diese würden einen "brutalen Verdrängungswettbewerb" führen. Außerdem fordert der TV-Manager eine grundlegend neue Medienregulierung. Die geltenden Regelungen seinen "unzeitgemäße Fußfesseln". 
"Ich plädiere dringend für ein 'Level Playing Field'. Wir sind ungleichen Bedingungen unterworfen im Vergleich zu unseren internationalen Wettbewerbern", klagt Conrad. Pro Sieben Sat 1 werde von mehr als 20 Aufsichtsgremien kontrolliert. Diese noch aus dem analogen Zeitalter stammende Regulierung gehöre "revolutioniert". 

Conrad fordert angesichts der Konkurrenz durch die weitgehend unregulierten Internetkonzerne wie Google und Facebook eine grundlegend neue Medienordnung: "Ich fordere eine Struktur-Taskforce, die alle Beteiligten unseres Mediensystems an einen Tisch bringt und ergebnisverpflichtet eine neue Medienordnung für Deutschland definiert." 

Es gebe in Deutschland keine gemeinsame Vision, wie die digitale Mediengesellschaft und die ökonomischen und inhaltlichen Strukturen dazu aussehen sollten. Zugleich kritisiert er Google, Facebook und Amazon als "Internet-Imperialisten": Die globalen Internetkonzerne würden ein Geschäftsmodell verfolgen, dass nicht darauf abziele, Inhalte redaktionell einzubinden und zu überprüfen. "Es geht vielmehr um Reichweitenmaximierung um jeden Preis." 
Außerdem zeigt sich Conrad, der Anfang Juni von Maximilian Conze als CEO abgelöst wird, offen für Kooperationen auch mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er begrüße die Idee von BR-Intendant Ulrich Wilhelm für eine gemeinsame deutsche On-Demand-Plattform. "Wir brauchen deutsche und europäische Alternativen zu Netflix, Amazon Prime und Youtube. Wir müssen mehr Hand in Hand machen, gerade auf der Inhaltsebene. Hier liegt unsere Kraft." Pro Sieben Sat 1 wolle daher noch stärker in lokale und Live-Inhalte investieren. dh


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