Bild-Sportchef Matthias Brügelmann

"Wir sind nicht reich gesegnet mit deutschen Sportstars außerhalb des Fußballs"

Matthias Brügelmann
© Axel Springer
Matthias Brügelmann
Sport Bild wird 30 und feiert dieses Jubiläum mit einem Sonderheft, das der aktuellen Ausgabe und am kommenden Wochenende Bild am Sonntag beiliegt. HORIZONT sprach mit Chefredakteur Matthias Brügelmann, innerhalb der Bild-Gruppe für die gesamte Sport-Berichterstattung zuständig, über die Dominanz des Fußballs, die seit einem Jahr bundesweit erscheinende Fußball Bild, den Nachholbedarf in Sachen investigativer Recherche – und was das mit seinem Mentor Alfred Draxler zu tun haben könnte.

Schon als Zehnjähriger, der beim Brinkumer SV, beim TSV Leeste und später beim SC Weyhe kickte, wollte Matthias Brügelmann Sportreporter werden. Als es soweit war, musste er die Kicker-Karriere aufgeben. Die Spielpläne am Wochenende kollidierten mit den Arbeitszeiten. Seither spielt er privat Tennis und lief auch schon den einen oder anderen Marathon. Beruflich blieb er dem Fußball treu, seinem Arbeitgeber Axel Springer und Bild ebenso.

Seit September 2017 nennt sich der Absolvent der Axel Springer Akademie Chefredakteur des Kompetenzzentrums Sport. In dieser Funktion ist er für die komplette Sport-Berichterstattung der Marke Bild zuständig. Dazu gehören neben den regionalen und überregionalen Sportseiten für Bild und Bild am Sonntag die 1988 gegründete Sport Bild, die vor einem Jahr bundesweit gestartete Fußball Bild, die Sport-Bild-App (inklusive transfermarkt.de) sowie sportbild.de und bild.de/sport.

Die Bündelung der Kräfte, wie Brügelmann es nennt, sei der gestiegenen Konkurrenz geschuldet: einerseits durch die Zentralredaktionen von Funke und Madsack andererseits durch Sky und Dazn, die mit ihren Rechten auch mehr Zugänge erworben haben, und "mobil ist uns der Kicker derzeit weit voraus. Das alles hat bei uns zu einem Umdenken geführt", sagt Brügelmann.

Wie die Zusammenarbeit über alle Titel und Plattformen hinweg funktioniert, und ob der Spruch unverändert gilt, dass dem Bild-Sportchef egal ist, wer unter ihm Chefredakteur ist, erläutert der 45-Jährige im Interview, das in der neuen Ausgabe von HORIZONT (08/18) erscheint.

„Sebastian Vettel ist einfach kein Schumi“
Bild-Sportchef Matthias Brügelmann
Darin erklärt er auch, warum die Dominanz des Fußballs in der Sportberichterstattung zuletzt sogar gestiegen ist: "So reich gesegnet sind wir außerhalb des Fußballs aktuell nicht mit deutschen Sportstars", sagt Brügelmann: "Sebastian Vettel ist einfach kein Schumi."

Wenn er sich etwas wünschen dürfte, wäre das "ein deutscher Schwergewichtsboxer. Es fehlt einer wie Axel Schulz. Er war nie Weltmeister, aber die Menschen haben ihn ins Herz geschlossen. Wenn sie ihn auf der Straße sehen, freuen sie sich". Auf die Frage, ob Bild als Marke nicht die Kraft hätte, so jemanden aufzubauen, kommt er ins Grübeln: "Ein eigenes Bootcamp fürs Boxen… hm. Soweit sind wir noch nicht. Vielleicht wäre das eine Geschäftsidee, über die wir nachdenken sollten".
Der Titel zum 30-jährigen Jubiläum
© Bild
Der Titel zum 30-jährigen Jubiläum
Bisher anscheinend wenig Gelegenheit zum Nachdenken hatte Bürgelmann, wenn es um die Gründe geht, warum seine 200-köpfige Redaktion es nicht schafft, einem Einzelgänger wie dem Dopingjäger Hajo Seppelt das Wasser zu reichen. Immerhin verspricht er: "Uns ist bewusst, dass wir Nachholbedarf haben. Wir werden künftig mehr Kraft auf investigative Recherchen verwenden".

Hängt die Tatsache, dass Bild die schmutzige Seite der Sportpolitik bisher jedenfalls ungern beleuchtete, mit dem Einfluss seines Freundes und Mentors Alfred Draxler zusammen? Zur Erinnerung: 2015 schrieb Draxler nach einer "Intensiv-Recherche", wie er das nannte, über die Enthüllungen rund um die WM 2006: "Das Sommermärchen war nicht gekauft". Mehr noch. Der langjährige Bild-Sportchef und Franz-Beckenbauer verstieg sich sogar zu der Ergänzung: "Ich bin mir bewusst, dass ich mit diesem Artikel meine Reputation als Journalist und Reporter aufs Spiel setze".

Was hat Brügelmann daraus gelernt? Hat Draxler seinem Ziehsohn, den er "Brügel" nennt, möglicherweise einen Rat erteilt, wie man derlei Fehler vermeidet? Es ist der Moment, in dem das zum Interview mitgebrachte Aufnahmegerät langes Schweigen aufzeichnet. Schließlich findet Brügelmann die rettende, weil unverfängliche Antwort: "Ich habe genug damit zu tun, aus meinen eigenen Fehlern zu lernen". usi




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