Bessere Übersicht, mehr Kontrolle

Warum Facebook seine Privatsphäre-Tools umfassend überarbeitet

Altes und neues Design der Einstellungen in der Facebook-App
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Altes und neues Design der Einstellungen in der Facebook-App
Der Datenskandal um Cambridge Analytica hat die Themen Datenschutz und Privatsphäre auf Facebook weltweit zum Gesprächsthema gemacht. Nun kündigt das soziale Netzwerk eine Überarbeitung seiner Privatsphäre-Tools an - die Gründe dafür sind allerdings vielfältig.
Nachdem bekannt geworden war, dass sich die umstrittene Firma Cambridge Analytica auf illegalem Wege die Daten von mehr 50 Millionen Facebook-Nutzern beschafft hatte, war Facebook-CEO Mark Zuckerberg zu Kreuze gekrochen und hatte diverse Änderungen angekündigt, wie das soziale Netzwerke derartige Vorfälle künftig vermeiden will. Die Änderungen bei den Privatsphäre-Einstellungen, die Facebook nun per Blogpost meldet, hängen damit zusammen - aber nicht nur.

Was ändert sich?

Zunächst will Facebook die Darstellung der Einstellungen verbessern. Dafür werde die Menüführung in der mobilen App neu gestaltet und vereinfacht. Bislang muss sich der Nutzer seine Informationen auf fast 20 Unterseiten zusammensuchen. Künftig sollen alle zu den Einstellungen zählenden Punkte an einem Ort auffindbar sein. Zudem will Facebook klarer machen, welche Informationen mit Apps geteilt werden können und welche nicht.
Altes und neues Design der Einstellungen in der Facebook-App
Altes und neues Design der Einstellungen in der Facebook-App (© Facebook)
Des Weiteren erweitert Facebook den Menüpunkt "Privatsphäre auf einen Blick". 
Künftig sollen die Nutzer dort ihre Einstellungen zu Privatsphäre, Sicherheit und Werbung übersichtlich dargestellt bekommen, sodass nur wenige Klicks nötig sein sollen, um hier Änderungen vorzunehmen.
Die Nutzer können laut Facebook dort
- ihr
 Konto sicherer machen (etwa durch zweistufige Authentifizierung)
- ihre persönlichen Informationen kontrollieren (etwa Beiträge, die geteilt wurden, oder Dinge, nach denen man gesucht hat)
- beeinflussen, welche Werbeanzeigen man angezeigt bekommt
- steuern, wer Beiträge und Profilinformationen sieht. 
Unter "Privatsphäre auf einen Blick" soll auch besser erklärt werden, wie die Kontrollmöglichkeiten funktionieren. Außerdem will Facebook dafür sorgen, dass Nutzer die Funktion von überall anwählen können. Dafür will das Unternehmen einen Link zur Verfügung stellen, den die Nutzer bookmarken können.
Privacy Shortcuts: Einfacher und schneller zu Privatsphäre-Einstellungen
Privacy Shortcuts: Einfacher und schneller zu Privatsphäre-Einstellungen (© Facebook)
Zudem bietet Facebook den Nutzern mit "Zugriff auf deine Informationen" künftig eine vereinfachte Möglichkeit, die Daten, die Facebook von ihnen sammelt, einzusehen und herunterzuladen. 
Dazu gehören laut Facebook Beiträge, Reaktionen, Kommentare und die Suchhistorie. "Hier kannst du alles von deiner Chronik und deinem Profil löschen, was du nicht mehr auf Facebook haben möchtest", heißt es im Blogpost.

Bislang können sich die Nutzer lediglich einen Datensatz mit ihrer kompletten Facebook-Historie herunterladen. Die neue Download-Funktion ist deutlich granularer, das heißt, Nutzer können Sicherungskopien einzelner Informationen wie Foto-Uploads, Kontakte oder Beiträge in der Chronik erstellen. Diese Kopien können dann an andere Dienste weitergegeben werden.
Diese Funktion soll den Zugang zur persönlichen Facebook-Historie vereinfachen
Diese Funktion soll den Zugang zur persönlichen Facebook-Historie vereinfachen (© Facebook)

Warum all das?

Vor dem Hintergrund der Vorgänge in den vergangenen zwei Wochen scheinen die Updates eine klare Stoßrichtung zu haben. Punkt 1: Das soziale Netzwerk hat eine Verantwortung den Nutzern gegenüber, dieser will man Rechnung tragen. Deswegen sei bei den Änderungen auch Nutzer-Feedback berücksichtigt worden, wie die Facebook-Managerinnen Erin Egan, VP und Chief Privacy Officer Policy sowie Ashlie Beringer, VP und Deputy General Counsel-Tools, im Blogpost erklären. Punkt 2: Facebook will zeigen, dass man die Kritik und die Ängste von Nutzern, Politik und Werbekunden verstanden hat und ernst nimmt. "Die vergangene Woche hat uns gezeigt, wie viel mehr wir noch daran arbeiten müssen, unsere Regeln durchzusetzen und den Menschen zu helfen, zu verstehen, wie Facebook funktioniert und welche Optionen sie im Umgang mit ihren Daten haben", heißt es im Blogpost.

Am schwersten dürfte aber vermutlich Punkt 3 wiegen, der im Zuge der Diskussionen um Cambridge Analytica ein wenig untergeht: Am 25. Mai tritt die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verbindlich in Kraft. Damit wird die Verwendung von Nutzerdaten euroapweit einheitlich - und deutlich strenger als bislang - geregelt. Facebook als Unternehmen mit einem Europasitz in Irland muss sich daran halten. Bei Zuwiderhandlungen können empfindliche Strafen drohen, die bis zu 4 Prozent des weltweit erzielten Jahresumsatzes im vorangegangenen Geschäftsjahr betragen können.
In dem Bereich ist der Download persönlicher Daten möglich
In dem Bereich ist der Download persönlicher Daten möglich (© Facebook)
Zwar holt das Netzwerk durch seine Login-Funktion bereits das Einverständnis der Nutzer zur Datenerhebung ein. Dennoch schreibt die DSGVO Funktionalitäten vor, die Facebook erst noch einführen bzw. verbessern muss. Die vereinfachte Funktion zum Download persönlicher Daten gehört dazu, aber auch die bessere Auffindbarkeit von Privatsphäre-Einstellungen. Auch die Möglichkeit zur Verlagerung von Daten zu einem anderen Dienst gehört zu den Anforderungen DSGVO.

Die Änderungen werden nun nach und nach ausgerollt. In den kommenden Wochen will Facebook noch weitere Updates vornehmen. So sollen die Nutzungsbedingungen und die Datenrichtlinie aktualisiert werden. "Bei diesen Aktualisierungen geht es nicht darum, neue Berechtigungen zum Sammeln, Nutzen oder Teilen von Daten zu erlangen – es geht allein um Transparenz", so Egan und Beringer.

In den nächsten Wochen sollen dann weitere Informationen bekanntgegeben werden - unter anderem zu den Maßnahmen, die Mark Zuckerberg in der letzten Woche angekündigt hat. ire



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