Bauer-Geschäftsleiter Jörg Hausendorf

"Ein gemeinsamer Vermarkter für Print wäre sinnvoll"

Jörg Hausendorf
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Jörg Hausendorf
Ewigkeiten wird es wohl nicht mehr dauern mit großen Kooperationen der Verlage. Denn nach Funke-Verlegerin Julia Becker und Burda-Verlagsvorstand Philipp Welte regt nun auch der bisherige Solist Bauer neue Bündnisse an. Ein gemeinsamer Print-Vermarkter wäre sinnvoll, sagt Geschäftsleiter Jörg Hausendorf im HORIZONT-Interview. Und noch etwas überrascht.

Zwar betreibt Bauer mit Axel Springer, Burda, Funke und Gruner + Jahr die großen Markt-Media- und Werbewirkungsstudien „Best for Planning“ und „Best for Tracking“ in der gemeinsamen Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK) und ist einer der wichtigeren Partner in der Verhandlungsallianz für die künftigen Grosso-Verträge.



Doch jenseits des Forschens und Verhandelns kämpft Bauer an den Marktfronten Vertrieb und Vermarktung alleine – anders als die anderen großen Verlage: Burda und Funke sind im Vertrieb verbandelt (über MZV), Funke und Springer in der Vermarktung (über Media Impact), ebenso G+J, Spiegel-Verlag und RTL-Gruppe (über die Ad Alliance).
Und Bauer? „Auch wir fragen uns, welche besonderen Fähigkeiten wir breiter ausrollen und in welchen Bereichen wir umgekehrt von anderen Häusern profitieren könnten“, sagt Deutschlandchef Hausendorf. So könne er sich „gut vorstellen“, dass die Expertise des „Kompetenzführers“ Bauer im Vertrieb für andere große (!) Häuser interessant sein könnte.

„Im Wettbewerb mit TV und Google, Facebook und Amazon brauchen wir Verlage andere Skalengrößen.“
Jörg Hausendorf
Für die Vermarktung kursieren mehrere Anregungen: Burda-Vorstand Philipp Welte schlägt eine Handvoll Allianzen sowie Pitch-Absprachen vor. Und der scheidende Funke-Chef Manfred Braun sogar nur einen einzigen Super-Vermarkter für alle klassischen Medien. Hausendorf gibt den Kollegen grundsätzlich Recht: „Im Wettbewerb mit TV und Google, Facebook und Amazon brauchen wir Verlage andere Skalengrößen.“ Man müsse nun auf Basis des gelockerten Kartellrechts weiterdenken. Allerdings: „Hierbei fände ich einen gemeinsamen Print-Anbieter sinnvoller als einen Alles-Vermarkter. Denn gerade in Zukunft entscheiden sich Werbekunden bewusst und nicht beiläufig für Print – da sollten wir Verhandlungsstärke, schlagkräftige Print-Argumente und -Angebote mit effizienten Strukturen aufbieten können.“ Im Interview spricht Hausendorf zudem ungewöhnlich offen über seine Verhandlungstaktik beim Kauf des Luxus-Frauenmagazins Madame. Und signalisiert Interesse auch an weiteren Medweth-Titeln, etwa an Jolie: „Unsere Tür ist für Gespräche immer offen.“ Außerdem hält er den Anspruch hoch, weiterhin Magazine auch in der Königsdisziplin Wochentakt zu starten – und nennt erstmals Geschäftszahlen für 2016: Im vorvergangenen Jahr hatte Bauer einen weltweiten Umsatz von 2,24 Milliarden Euro erzielt, das sind 2,4 Prozent weniger als 2015. Gründe fürs Minus seien insbesondere Wechselkurseinflüsse sowie reduzierte Beteiligungen in Russland. Operativ sei der Umsatz (Auslandsanteil: 65 Prozent) stabil, heißt es bei Bauer. Doch die Umsätze in Print, Radio und Digital entwickelten sich höchst unterschiedlich – auch im deutschen Markt. Mehr dazu und das gesamte Interview lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 5/2018 vom 1. Februar. rp


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