Bauer, Burda und Funke

Bundeskartellamt schmettert große Vermarktungs- und Vertriebsallianzen ab

Der Sitz des Bundeskartellamts in Bonn
Bundeskartellamt
Der Sitz des Bundeskartellamts in Bonn
Viel Lärm um nichts? Die geplanten spektakulären Vermarktungs- und Vertriebsallianzen der Großverlage Bauer, Burda und Funke scheinen vorerst geplatzt, ehe sie überhaupt geschmiedet wurden. Nun müssen und werden die Häuser andere Wege der Kooperation suchen.

Nach HORIZONT-Informationen sind Bauer, Burda und Funke beim Bundeskartellamt vorstellig geworden, um – wie vor möglichen formellen Anmeldverfahren üblich – die Szenarien möglicher Bündnisse vorab informell zu besprechen. Und sind bei der Bonner Behörde mit ihren Plänen in unterschiedlichen Varianten offenbar krachend gescheitert, sowohl bei der Werbevermarktung als auch beim Vertrieb. Zu einem formellen Anmeldeverfahren dürfte es daher erst gar nicht kommen. Von den drei Häusern waren bisher keine offiziellen Statements zu erhalten. Das Bundeskartellamt „kommentiert grundsätzlich keine informellen Gespräche“, so ein Sprecher.


Damit drohen weitreichende Allianzpläne zu scheitern, die vor allem Burda-Vorstand Philipp Welte und der – mittlerweile ausgeschiedene – Funke-Geschäftsführer Manfred Braun lange Zeit propagiert und vorangetrieben haben, zuletzt auch mit Bauer. Laut ihrem „Zukunftspakt“ sollten Bauer und Funke ihre Anzeigen über die Burda-Tochter BCN vermarkten und sich mit jeweils 10 Prozent an BCN beteiligen. Im Gegenzug sollte Bauer den Vertrieb der beiden Partner übernehmen, ebenso mit deren Beteiligung am Dienstleister.

Solche Szenarien hat das Kartellamt nun offenbar abgeschmettert, trotz des 2017 liberalisierten Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen. Warum diese mutmaßliche Marktsicht der Bonner Behörde ein schlechtes und unverständliches Signal für alle Verlage wäre, das lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 16/2018 vom 19. April.

Nun müssen Bauer, Burda und Funke neu denken. Aus den Reihen von Funke hört man sogar, dass das Thema für die Essener jetzt erst einmal erledigt sei. Ist man bei Funke vielleicht sogar ganz froh, das Thema nach dem Veto des Kartellamts nun ohne Eklats abmoderieren zu können? Schließlich hat die Art, wie die Allianzpläne im März bekannt wurden, für Verstimmung vor allem bei Funke und Bauer gesorgt, die zudem am meisten riskiert hätten. Auch dazu lesen Abonnenten mehr in der neuen HORIZONT-Ausgabe. Wie auch immer: Mit Media Impact, dem Vermarkter von Axel Springer (75 Prozent) und Funke (25 Prozent), sowie mit MZV, der Vertriebsfirma von Burda und Funke, dürfte es nun erst einmal so weitergehen.

Doch allen drei Häusern ist klar, dass es aus Relevanz- und auch Kostengründen weitere Kooperationen geben muss, um gegen die TV-Vermarkter und vor allem die Digitalriesen zu bestehen. Hier müssen die Großverlage aber nun kleiner denken, etwa an gemeinsame branchen-, kunden- oder kampagnenbezogene Werbeangebote. Oder eventuell an koordiniertes Verweigern einzelner Media-Pitches, in denen die Verlage sonst preislich gegeneinander ausgespielt würden.

Auch wenn die Vision einer Großallianz nun geplatzt scheint, wird es weiterhin darum gehen, die neuen Freiheiten des Kartellrechts auszuloten. Auch Funke hält daran fest: Es sei „unendlich wichtig“, dass die Verlage ihre „traditionelle Kultur des Gegeneinanders“ überwinden und in allen nicht-redaktionellen Bereichen und auch in der Vermarktung kooperieren, anstatt sich von Werbekunden in Rabatte von bis zu 80 Prozent treiben zu lassen, sagte Funke-Verlegerin Julia Becker am Dienstagabend im Hamburger Presseclub: „Wir haben nur eine Zukunft, wenn wir uns nicht gegenseitig das Wasser abgraben. Was Philipp Welte seit Jahren predigt, halte ich für richtig.“ Ähnlich hatte sie sich bereits Ende 2017 und Anfang 2018 geäußert. Becker wies in Hamburg aber auch darauf hin, dass das nur funktioniere, wenn alle Beteiligten spezielle, manchmal versteckte Einzelinteressen hintenanstellten und „gleich am Anfang ihre Colts offen auf den Tisch legen“. rp



stats