Axel Springers Wirtschaftsmagazin

Bilanz will sich nach Relaunch am Kiosk behaupten / Alexander Kratz wird Publisher

Alexander Kratz
Alexander Kratz
Mehr Eigenverantwortung, weniger Verbreitung: Axel Springer emanzipiert seine beiden Welt-Magazinbeilagen Bilanz (Wirtschaft) und Blau (Kunst) von der Trägerzeitung, zumindest ein bisschen – das ist bekannt. Nun wird klar, was das für Bilanz bedeutet. Und dass Werbeikone Jean-Remy von Matt seine Aufgabe als Titelseitengestalter verliert.

Bisher kam Bilanz als monatliche Welt-Beilage auf eine Verbreitung von zuletzt gut 170.000 Stück, darunter fast die Hälfte Bord- und Sonstige Verkäufe. Ab der März-Ausgabe, die an diesem Freitag erscheint, will man nur noch gut 100.000 Exemplare verbreiten: Weiterhin knapp 80.000 Stück als Beilage der Abo-Auflage der Welt – plus 20.000 bis 30.000 Hefte solo am Kiosk. „Flächendeckend“, sagt der Verlag, nicht mehr nur mit Reststücken an ausgewählten Verkaufsstellen. Und dies jetzt mit Unterstützung eines „umfangreichen Vertriebsmarketings“.



Bilanz gibt´s bald am Kiosk
Bilanz gibt´s bald am Kiosk
Den Einzelverkaufsheften der Welt wird das Supplement indes nicht mehr beiliegen. Diese Teilauflage ist seit dem Bilanz-Start 2014 um die Hälfte auf nur noch 9300 Stück gesunken. Daher gibt Springer dem Wirtschaftsmagazin nun eine aufgewertete eigene Chance am Kiosk (der Copypreis bleibt bei 5 Euro) und spart wegen des Verzichts auf Sonderverkäufe zugleich Druckkosten. Trotz der um 40 Prozent sinkenden Verbreitung sollen sich die Anzeigenpreise nicht verändern.

Im Werbemarkt will man dies damit rechtfertigen, dass sich nun mehr Leser aktiv für den Titel entscheiden. Allerdings bewegen sich die Erwartungen an den Einzelverkauf im bescheidenen vierstelligen Rahmen. Schwung ins Werbegeschäft soll Alexander Kratz (zuvor Jalou Media, Medweth, Bauer) bringen, der als Publisher anheuert.


Parallel zur Kiosk-Offensive verändert sich auch das Heft selbst – bereits zum dritten Mal seit seinem Start. „Wir bummeln mit Verbesserungen nicht herum“, sagt Chefredakteur Klaus Boldt. Die Marke Bilanz vertrage diese Dynamik, vielleicht brauche sie sie auch. Allerdings hat der Newcomer auch wenig (Stammleser) zu verlieren und kann munter experimentieren. Und eine Kiosk-Titelseite sollte anders aussehen als die einer Beilage: Die seit 2016 von Jean-Remy von Matt handschriftlich gestalteten monothematischen Freestyle-Cover verschwinden, stattdessen gibt es ikonografische Fotos, Themen-Teaser und ein neues Logo.

Das Binnenlayout kommt nun drei- statt zweispaltig daher, mit mehr Weißraum. „Wir setzen der Reizüberflutung den Widerstand der Reduktion entgegen“, sagt Boldt. „Knallige Event-Layouts, die häufig nur von blassen Texten ablenken sollen, überlassen wir gerne den anderen.“ Verantwortlich fürs Heftdesign zeichnet Christian Boros mit seiner Agentur, die für Springer den Luxustitel Die Dame konzipierte.

Allerdings muss Bilanz-Chefredakteur Boldt mit der Veränderung der Vertriebsstrategie auch seine bewährt spitzzüngige Rhetorik umkrempeln. Mehr dazu und Details zum neuen Layout lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 8/2018 vom 22. Februar. rp

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