Auf der Suche nach Partnern

P7S1 verhandelt mit Finanzinvestoren über Digitalgeschäft

Die Zentrale von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring
P7S1
Die Zentrale von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring
Pro Sieben Sat 1 soll mit mehreren Finanzinvestoren über einen Einstieg in die Digitalsparte des Konzerns verhandeln. Unter anderem EQT und General Atlantic sollen Gebote für einen Minderheitenanteil abgegeben haben, berichtet Reuters mit Verweis auf Insider. Der TV-Konzern sucht nach Partnern, mit denen er die verbliebenen Digitalbeteiligungen weiterentwickeln kann. Im Frühjahr hatte Pro Sieben Sat 1 das Commerce-Geschäft, insbesondere das Reise-Cluster, auf den Prüfstand gestellt und im Sommer das Reiseunternehmen Etraveli an CVC Capital Partners verkauft.
Das Digitalgeschäft soll mit mehr als 1,3 Milliarden Euro bewertet sein. Pro Sieben Sat 1 sucht nach einem Partner mit Erfahrung, der dabei hilft, das Portfolio zu entwickeln, das vom Datingportal Parship über den Erotikversand Amorelie und den Preisvergleich Verivox bis zum Reiseportal Weg.de reicht. Auf einer Investorenkonferenz in Barcelona hat  Finanzvorstand Jan Kemper laut Reuters betont, dass man am liebsten einen Partner hätte, der bei der Auslandsexpansion helfen kann. Nicht im Gespräch sollen die Reiseportale sein.

Pro Sieben Sat 1 ist derzeit im Umbruch. Der Konzern steht unter Druck, weil das Stammgeschäft TV-Vermarktung derzeit nicht richtig läuft. Konzernchef Thomas Ebeling hat das Digitalportfolio seit seinem Amtsantritt stetig erweitert, immmer mit dem Ziel, die Abhängigkeit vom konjunkturabhängigen und damit volatilen Werbegeschäft zu senken. Zwar stellt das Digitalportfolio mittlerweile ein Viertel des Umsatzes. Unterm Strich spielt aber die klassische TV-Vermarktung immer noch das meiste Geld ein. Dass diese schwächelt, ist derzeit nicht der Konkjunkturlage geschuldet, sondern auch ein stark hausgemachtes Problem, wie die guten Zahlen des Konkurrenten Mediengruppe RTL Deutschland zeigen. Sowohl Sat 1 als auch neuerdings Pro Sieben haben Probleme im Zuschauermarkt und lassen sich daher schwer kapitalisieren. Der Konzern musste seinen Ausblick fürs Gesamtjahr mit der Vorlage der Zahlen fürs 3. Quartal erneut nach unten korrigieren und rechnet nun nur noch mit einem Umsatzanstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich. Zuvor ist Pro Sieben Sat 1 von einem Wachstum im mindestens hohen einstelligen Prozentbereich ausgegangen. Im Vorjahr lag der Umsatz bei 3,8 Milliarden Euro.

Als wäre die Situation nicht schon angespannt genug, hat Ebeling nun weiteres Öl ins Feuer gegossen. In einem Call mit Analysten nach der Vorlage der Quartalszahlen nannte der in seiner Wortwahl grundsätzlich wenig zimperliche CEO die Zuschauer "ein bisschen fett, ein bisschen arm". Die Aussage befeuerte Spekulationen über ein vorzeitiges Ausscheiden Ebelings, der bereits 2016 angekündigt hat, seinen Vertrag nicht zu verlängern und den Konzern 2019 zu verlassen. pap

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