Interview mit Christoph Metzelder: "Im Profisport schlummern noch einige kreative Potenziale"

Ex-Fußballprofi und Neu-Agenturler Christoph Metzelder (Foto: Carsten Sander)
Ex-Fußballprofi und Neu-Agenturler Christoph Metzelder (Foto: Carsten Sander)

Gemeinsam mit Raphael Brinkert von Jung von Matt/Fleet und Sportfunktionärin Katja Kraus startet der ehemalige Fußballnationalspieler Christoph Metzelder die Sportmarketing-Agentur Jung von Matt/Sports. Im Gespräch mit HORIZONT.NET spricht der 32-Jährige über seine Aufgaben in der Agentur, die Reize der Werbebranche und eine mögliche Rückkehr in den Profifußball.

Während andere ihren Fußballlehrer machen, starten Sie unmittelbar nach ihrem Karriereende als Fußballprofi eine Sportmarketing-Agentur. Wieso dieser Weg? Das wirkt auf den ersten Blick sicher ungewöhnlich, aber ich denke, wer meine Zeit als aktiver Fußballprofi verfolgt hat, kommt schon zu der Erkenntnis, dass ich so etwas wie ein Exot im Fußballbusiness war und mir sehr viele Gedanken auch über den Platz hinaus gemacht habe. Ich sehe mich nicht als Trainer, sondern viel eher im Bereich Vereinsmanagement. Dort sehe ich mittelfristig meine berufliche Zukunft. Deshalb passt jetzt, direkt nach meiner letzten Saison, die Herausforderung mit Jung von Matt/Sports sehr gut in meine Lebensplanung.

Also sind Sie sich schon sicher, dass Sie in den Fußball-Zirkus zurückkehren werden? Ich habe mein ganzes Leben mit dem Fußball verbracht und ihn in so vielen Facetten kennengelernt. Meine Erfahrung in einem Verein einzubringen würde mir unglaublich viel Spaß machen. Für mich war es aber auch wichtig, nach meiner aktiven Zeit erst einmal ein bisschen Abstand zu gewinnen. Ich wollte nicht direkt wieder in das Alltagsgeschäft Bundesliga zurückkehren, sondern einen Blick von außen gewinnen und in anderen Bereichen dazulernen.

Wer kam auf die Idee einer eigenen Agentur? Raphael Brinkert und ich kommen aus derselben Stadt und unsere Wege kreuzen sich immer, wenn es um meinen Heimatverein TuS Haltern geht. Er hat damals, als er noch bei Scholz & Friends war, die Kampagne "Tu's Haltern" auf den Weg gebracht, die im Amateurfußball einzigartig ist und mit dem Marketingpreis des Sports ausgezeichnet wurde. Da er selbst großer Fußballfan ist, lag es nahe, dass man sich auch darüber unterhält, ob es eine Nische für eine eigene, gemeinsame Agentur gibt und wie deren Ausrichtung sein müsste.

Was reizt Sie an der Werbebranche? Als Mitglied einer Fußballmannschaft und eines großen Vereins bekommt man vieles mit. Ich bin davon überzeugt, dass gerade im Profisport noch einige kreative Potenziale schlummern. Wenn ich an meine ersten Gespräche bei Jung von Matt in Hamburg zurückdenke und sehe, dass ich aus einem ganz anderen Bereich komme, glaube ich vor allem, dass die Aufstellung Werber, Vereinsmanager und Profisportler sehr stark sein kann. Ich freue mich schon besonders darauf, in die Entwicklungsprozesse von Kreation eingegliedert zu sein.

Wie gestaltet sich ihre Zusammenarbeit mit Raphael Brinkert und Katja Kraus? Raphael Brinkert ist ein echter Agenturmensch, der große nationale und internationale Marken betreut hat. Katja Kraus bringt ihre Erfahrungen als Vereinsmanagerin mit. Ich bin noch am nächsten am aktuellen Sportgeschehen dran und damit haben wir alle relevanten Perspektiven an einem Tisch.

Sicher wird es dann auch so sein, dass Ihre Kollegen Brinkert und Kraus von Ihren Kontakten profitieren. Das ist eine meiner Rollen: meine Kontakte in Sport und Wirtschaft einzubringen. Darüber hinaus kann ich einschätzen, was in Vereinen und mit Sportlern wirklich umgesetzt werden kann. Gerade im Fußball ist das aufgrund des eng getakteten Spielplans nicht immer einfach. Ich bin der Überzeugung, dass es gerade im Fußball neben dem sportlichen Wettkampf auch immer mehr um Markenführung geht. Herauszuarbeiten, wofür ein Verein steht halte ich für sehr wichtig. Borussia Dortmund hat in den letzten Jahren mit dem Leitbild "Echte Liebe" oder den Marketingaktivitäten rund um das Champions League-Finale in London nicht nur die eigenen Fans mobilisiert, sondern weltweit neue hinzugewonnen.

Was ist das übergeordnete Ziel von Jung von Matt/Sports? Es wird eine besondere Herausforderung sein, die kreative Exzellenz, die Jung von Matt in die Partnerschaft einbringt, in den Sportbereich zu transformieren. Da hoffe ich, dass wir unseren kreativen Anspruch in Gesprächen mit potenziellen Partnern vermitteln können und bereits in den nächsten Wochen unsere ersten Arbeiten zeigen können.

Haben Sie in der Agentur jetzt eigentlich einen echten 9-to-6-Job? Da ich weiter im Westen lebe, werde ich sicher nicht täglich in der Agentur in Hamburg sein können. Ich werde Präsenzzeiten in Hamburg haben, anonsten werde ich viel für Jung von Matt/Sports in ganz Deutschland unterwegs sein.

Außerdem müssen Sie Jung von Matt/Sports ja auch mit ihrer neuen Funktion als Experte beim Fußballbezahlsender Sky unter einen Hut bringen. Wie häufig sind Sie dabei im Einsatz? Das wird zunächst mal auf zwei Jahre befristet laufen. Ich bin sowohl am Wochenende für die Bundesligapartien, als auch bei Champions League-Spielen und im DFB-Pokal dabei. Zudem habe ich noch meine Stiftung und das Projekt bei meinem Heimatverein TuS Haltern. Ich bin also viel und gut beschäftigt. tt


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