BVB-Chef Hans-Joachim Watzke: „Leistung muss sich lohnen“

Donnerstag, 27. Oktober 2011
Hans-Joachim Watzke ist seit 2005 vorsitzender Geschäftsführer von Borussia Dortmund
Hans-Joachim Watzke ist seit 2005 vorsitzender Geschäftsführer von Borussia Dortmund


Hans-Joachim Watzke, Vorsitzender der Geschäftsführung von Borussia Dortmund, wird von HORIZONT für „solides Wirtschaften und die richtigen Weichenstellungen beim Deutschen Fußball-Meister 2011" als "Player des Jahres" ausgezeichnet. Seit Amtsübernahme 2005 arbeitet Watzke am wirtschaftlichen Turnaround des Clubs. 2006 rettete er den BVB vorm Konkurs und reduzierte mit einem konsequenten Sparkurs in den Folgejahren die Altlasten deutlich. Der Fokus auf den Spielernachwuchs brachte 2011 den Meistertitel und steigerte den Unterhaltungswert der Bundesliga enorm. Watzke ist in erster Linie Fußballromantiker – und ist deshalb so gut im Geschäft. Lassen Sie uns die Meistersaison Revue passieren: Wann haben Sie das erste Mal daran geglaubt, dass Borussia Dortmund den Titel holen kann? Den ersten klaren Indikator lieferte der Rückrundenauftakt in Leverkusen. In der Winterpause schienen sich alle sicher, Dortmund habe über seine Verhältnisse gespielt und werde nun einknicken. Stattdessen fahren wir nach Leverkusen und schießen Bayer in 15 Minuten ab. Da wussten wir, dass die Deutsche Meisterschaft möglich ist. Offensiv formuliert haben wir das Ziel nach dem Sieg bei Bayern München Ende Februar – alles andere hätte uns danach ohnehin keiner mehr geglaubt.

Als Sie 2005 die Geschäftsführung übernommen haben, stand der Club vor dem Bankrott. Warum haben Sie sich den Job angetan? Aus reiner Emotion. Und dem Wunsch, ab und zu einmal etwas Verrücktes zu machen.

Wie blicken Sie heute mit dem Titel in der Hand auf diese Zeit zurück? Die vergangene Saison war wie ein Märchen, das ich immer noch nicht richtig gefasst habe. An die ersten Tage bei Borussia kann ich mich hingegen noch gut erinnern, die waren deutlich handfester: Ich habe zwei Tage lang mit meinen Beratern Kassensturz gemacht und danach eine Insolvenzwarnung gegeben. Das war der Start. Es hat dann zwei Jahre gedauert, bis wirklich klar war: Der Club wird überleben.

Klingt nach einem Kraftakt, aber auch nach einer guten Motivation zum Weitermachen. Wie man es nimmt. Freunde und Bekannte haben mir zu der Leistung gratuliert, aber gleichzeitig prognostiziert, dass die finanziellen Mittel nie wieder für einen Titelgewinn reichen werden. Nicht gerade motivierend, oder?

Nein. Und dennoch sind wir mit einem durchschnittlichen Etat Deutscher Meister geworden. Das war außergewöhnlich.

Die aktuelle Saison verlief bislang bescheidener. Die Presse hat den BVB nach dem Champions-League-Auftakt gnadenlos niedergeschrieben. Früher hat mich so etwas geärgert, da habe ich schon mal zum Hörer gegriffen und den Journalisten beschimpft. Aber das ändert auch nichts. Es gibt Tage, an denen ich ins Büro komme und den Zeitungsstapel ungelesen in den Papierkorb werfe. Manchmal brauche ich das. An der Spitze eines Bundesliga-Clubs steht man so unter Druck, dass man sich selbst nicht noch mehr davon machen sollte. mh/vs
HORIZONT Newsletter Vor 9 Newsletter

Als Erster informiert sein? Ja, klar!

 


Meist gelesen
stats