Springer, KKR und die anderen

Warum die Berichterstattung über den Einstieg des Finanzinvestors Reflexe bedient und Realitäten ignoriert

Sonntag, 11. August 2019
Private-Equity-Firmen genießen keinen guten Ruf. Ihnen wird vieles zugetraut, vor allem nichts Gutes. Hiobsbotschaften und Spekulationen haben es dadurch leicht. Ihnen ist auch mit Tatsachen und guten Argumenten kaum beizukommen. Oder doch?

Was war in den vergangenen Wochen nicht alles zu lesen und zu hören, was der bevorstehende Einstieg von KKR für Axel Springer bedeute: Kleingespart werde der Konzern (WDR), nun zähle zuerst die Rendite (Handelsblatt), was die gesamte Unternehmenskultur verändern werde. Ein KKR-Vertreter habe es vor Mitarbeitern bereits eingeräumt: Prozentual würden deutlich zweistellige Renditen erwartet (FAZ). Schneller Profit aber vertrage sich ganz schlecht mit Zukunftsfähigkeit und journalistischer Qualität (Süddeutsche). Von Springer übrig bleibe daher nur Bild und das digitale Rubrikengeschäft (Deutschlandfunk). Schon jetzt sei Springer kaum mehr ein Verlag, denn die meisten gedruckten Medien seien verkauft (evangelisch.de). Entsprechend misstrauisch sei der Betriebsrat, das geplante Beteiligungsprogramm für die Mitarbeiter sei nichts als „eine Beruhigungspille für verunsicherte Beschäftigte“ (DJV).

Angefangen hat der Zinnober mit dem Bericht der FAZ über die in ihrem Bestand gefährdete Welt-Gruppe. Als Beleg diente ein Passus in der Angebotsunterlage von KKR, wonach die Welt nicht unkontrolliert und endlos Defizite anhäufen darf. Diese Klausel auf ihre Weise zu interpretieren ließ sich die Zeitung auch nicht durch eine Klarstellung nehmen. Andere Medien zogen nach. Dramatische Nachrichten provozieren nun einmal  Aufmerksamkeit.

Ein paar Tatsachen, logisch nachvollziehbare Überlegungen und Marktrealitäten sollten trotzdem nicht gänzlich außer Acht bleiben.

Die Axel-Springer-Zentrale in Berlin
© Axel Springer
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