Nachruf

Totila Zapf. Ein brillanter Marktforscher. Ein großartiger Kollege. Ein echter Freund.

Dienstag, 21. August 2018
Die Medienbranche trauert um Totila Zapf. Der Marktforscher, der lange Jahre beim Jahreszeiten Verlag wirkte, ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Helma Spieker und Peter Rensmann würdigen Zapf in ihrem Nachruf als "einen der klügsten Menschen in der deutschen Verlagsszene."

Totila Zapf ist gestorben. Am 9. August 2018 endete ein wirklich bemerkenswertes Leben nach 81 Jahren. Wir sind tieftraurig.

Totila Zapf war einer der klügsten Menschen in der deutschen Verlagsszene. Es war eine Ehre und Freude für uns im JAHRESZEITEN VERLAG, dass er sich dazu entschieden hat, diese Klugheit über viele Jahrzehnte bei uns einzusetzen.

Totila Zapf wurde 81 Jahre alt
© Jahreszeiten Verlag
Totila Zapf wurde 81 Jahre alt
Geboren 1937, startete Totila seine Marktforscherkarriere im Jahre 1958 beim Axel Springer Verlag als Studienleiter Marktforschung. Zwei Jahre später wechselte er zum Institut für Demoskopie Allensbach (AWA) und ging 1963 noch einmal für sieben Jahren zu Springer zurück.

1971 kam er dann als Stellvertretender Leiter Marktforschung zum JAHRESZEITEN VERLAG. Rasch wurde er Leiter der Abteilung – das blieb er dann: Totila hat nie aufgehört, auch nicht nach der üblichen Pensionsgrenze, für uns zu arbeiten. Für ihn galten Alters-Regeln nicht: Auf die Frage, wie alt er sei, antwortete er stets mit „37“ - seinem Geburtsjahrgang. Und so fühlte es sich auch an. Wie ihm war auch uns sein Alter egal, wir haben seinen Rat stets gesucht, gebraucht und geschätzt. Er hat bei uns Generationen von jungen Menschen mit seinem Know-how und seiner Kompetenz unterstützt, geschult und vorangebracht, und er hat den JAHRESZEITEN VERLAG bis ins laufende Jahr in der AG.MA vertreten, und zwar streitbar und vorbildlich.

AG.MA ist das richtige Stichwort. Denn wir waren nicht die Einzigen, die von seinem enormen Sachverstand, seiner Klugheit und seinem ungewöhnlichen Weitblick profitiert haben. Totila Zapf war in der deutschen Marktforscherszene eine Koryphäe, ein Treiber und Motor für marktforscherische Ansätze, die weit über die Branchengrenzen hinaus Einzug in Markt-Media-Studien fanden und die alle Vermarkter in Deutschland kannten und nutzten.

Er erfand und installierte die Funktions-Analyse – eine Studie, die über Jahrzehnte mittels multivariater Analyseverfahren die Inhalte von Medien klassifizierte. Content is king - das war ihm schon in den 70ern klar. Er präsentierte der AG.MA das „Zapf-Dürkheim Modell“ (weil er in Bad Dürkheim übernachtet hatte, als er auf ein neues Modell kam, Reichweiten neu und richtig zu berechnen). Er hat in den 80ern in der AG.MA die Möglichkeit geschaffen, Lesezirkel-Reichweiten adäquat und richtig abzubilden. Die Liste seiner marktforscherischen Meilensteine ließe sich lange fortsetzen.

Wir sind ihm zu größtem Dank verpflichtet, zu höchstem Respekt. Auch, weil er als Kollege großartig war. In seiner Funktion hatte er verbindende Talente, versammelte, begeisterte und einte Redakteure und Vertriebs- und Anzeigenverantwortliche bei der Präsentation, Erläuterung und Vermarktung seiner spannenden Marktforschungserkenntnisse. Seine Zuverlässigkeit, seine Klarheit und starke Stimme und vor allem auch sein Humor machten ihn zu einem gefragten Gesprächs- und Sparringspartner.

Am meisten vermissen wir ihn als Freund. Er liebte gutes Essen, guten Wein und sehr viele Jahre auch gute Brände, gute Zigarren und nicht ganz so gute Zigaretten. Auch als er auf diese verzichten musste, verlor er nicht seinen Humor – nach manch gutem Essen sagte er: Aber das erzählen wir nicht meiner Diätassistentin, ja?

Er konnte sich leidenschaftlich aufregen, ließ dann auch mal Reden vom Stapel, bei denen die Zuhörer auf dem Boden lagen vor Lachen und manchmal auch vor Zorn, denn er hatte dezidierte und gut begründete Meinungen zu wichtigen Themen unserer Zeit und war streitbar im besten Sinne des Wortes. Aber was auch immer er sagte, es war klug, reflektiert und fundiert, und er brachte es mit viel komödiantischem Geschick unter die Leute. 

Als es in einer fröhlichen Verlagsrunde unter Kolleginnen einmal darum ging, welcher Mann besonders gut aussieht, sagte er: „Ich mache bei dieser Wahl nicht mit, ich trete ja bei den Hunden an“. Auf die erstaunte Nachfrage, was er damit meint, erwiderte er: „Na, ich sehe doch aus wie ein Bobtail“. 

Das stimmt. Wie ein freundlicher, kluger, liebenswerter Bobtail. Wir werden ihn vermissen. Wir vermissen Totila jetzt schon.




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