Nach der Fusion mit Affilinet

Awin und die Zukunft des Affiliate-Marketings

Freitag, 12. Oktober 2018
Mit dem Zusammenschluss ihrer Tochterunternehmen Awin und Affilinet haben Axel Springer und United Internet die beiden führenden Affiliate-Netzwerke in Deutschland fusioniert. Welche Chancen und Risiken birgt die neue Supermacht für das Affiliate-Marketing? Eine Einschätzung von Fabian Schleicher, Leiter Affiliate Marketing der Performance Marketing Agentur Ad Agents.

Die erste Maßnahme des fusionierten Marktführers kam wenig überraschend: Awin kündigte an, seine Preis- und Vertriebsstruktur zu vereinheitlichen. Konnten Advertiser die beiden führenden deutschen Netzwerke Awin und Affilinet bisher gegeneinander ausspielen, wurde diesem Treiben schnell ein Riegel vorgeschoben. Für Werbetreibende ist das auf den ersten Blick ein Nachteil, weil das Preisniveau tendenziell steigt. Andererseits verspricht die Vereinheitlichung klarere Regeln und mehr Transparenz. Dass auf Netzwerkseite grundsätzlich Aufwände beim Setup von Programmen entstehen, sollte jedem klar sein.

Migration von Programmen: Altlasten entsorgen 

Der Umzug von Affilinet-Programmen zu Awin ist bereits im Gange: Dazu muss das neue Trackingpixel integriert und Werbemittel neu angelegt werden. Erst, wenn das neue Tracking einwandfrei funktioniert und alle Programminformationen vollständig übertragen wurden, ist die Migration abgeschlossen. Diese Übergangszeit bedeutet für die Kampagnenmanager natürlich zusätzliche Arbeit. Der Umzug birgt aber auch eine Chance. Bei alten Programmen, die bereits seit einigen Jahren laufen, kann gründlich aufgeräumt und eine neue, saubere Struktur angelegt werden. Die Migration birgt also durchaus etwas Positives: Sie zwingt zum Ausmisten.

Stärkere Lobby für die Disziplin Affiliate-Marketing

Im Vergleich zu den Disziplinen Suchmaschinenmarketing oder Social-Media-Advertising, die mit Google bzw. Bing und Facebook von internationalen Playern vorangetrieben werden, lebt Affiliate-Marketing von seiner Vielfalt an Netzwerken und Affiliates. Doch die Individualität, die mit den zahlreichen Plattformen einhergeht, hat auch ihren Preis: Affiliate-Marketing ist zuweilen unübersichtlich und verwinkelt. Der neue Player bringt erstmals eine enorme Reichweite unter einen Hut und verfügt über eine große Strahlkraft. Awin hat die Chance, die Disziplin Affliate-Marketing voranzubringen, wie Google und Facebook es in ihren Bereichen tun. Die geballte Komprimierung von Wissen und Knowhow wird das Affiliate-Marketing weiter professionalisieren.

Attraktive Features für Affiliates kreieren

Affiliates brauchen immer mehr Wissen und müssen einen enormen Aufwand fahren, um eine erfolgreiche Affiliate-Seite zu betreiben. Das Resultat: Es gibt tendenziell zu wenig gute Affiliates in einer Flut von Programmen. Es mangelt an nachwachsenden Onlinern, die saubere Affiliate-Seiten aufbauen. Als führendes Netzwerk hat Awin die Chance, Publisher-freundliche Konzepte zu entwickeln, diese zu bewerben und dem Affiliate-Marketing neue Flügel zu verleihen. Potential verspricht beim jungen Publikum zum Beispiel das Thema Influencer Marketing. Innovationen wie optisch ansprechende und flexible Widgets sind gefragt, um junge Zielgruppen für Affiliate-Marketing zu begeistern und unkomplizierte Lösungen zu liefern. Ein großes Netzwerk wie Awin hat das notwendige Knowhow und die Power, um das Affiliate-Marketing zukunftsfähig zu machen.

Konsequenzen für Netzwerk-Landschaft und Strategie

Es ist spannend zu beobachten, wie sich kleinere Netzwerke am Markt positionieren werden. Die Fusion reißt Nischen auf, die nun besetzt werden können. Gerade bei den Setup-Kosten, individuellen Verträgen oder der Usability können sich kleine Netzwerke von Awin abheben. Advertiser stehen vor der Entscheidung, ob sie sich auf die geballte Power von Awin konzentrieren oder versuchen, ihre Reichweite über mehrere, kleine Netzwerke abdecken. Die Anzahl der Publisher wird durch die Fusion von Awin und Affilinet vermutlich nicht zunehmen, da die wichtigen Partner ohnehin bereits auf beiden Plattformen aktiv sind. 

Internationalisierung wird einfacher und effizienter

Die internationale Power des neuen Netzwerks lässt sich sehen. Ob in Polen, Großbritannien oder Australien: Über Awin können Advertiser unkompliziert Reichweiten in der ganzen Welt generieren. Dass alle Zielländer über ein Netzwerk angesteuert werden können, macht die Arbeit natürlich effizienter. Denn Affiliate-Marketing ist nach wie vor viel manueller Aufwand, der sich schlecht automatisieren und synchronisieren lässt. Arbeitet ein Kunde mit mehreren Netzwerken zusammen, müssen teilweiße dieselben Handgriffe mehrmals durchgeführt werden. Diese spart man sich natürlich, wenn nur noch ein Netzwerk gepflegt wird. Andererseits bleibt die Herausforderung bestehen, länderspezifische Eigenheiten zu adressieren. Für manche Regionen macht es sicherlich Sinn, spezialisierte Netzwerke weiter zu pflegen. 




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