Kritik an HORIZONT

Bomben-Reaktion

Mittwoch, 31. Oktober 2018
Die Frankfurter Zeitungsmacher wollen den Vorwurf, sie hätten in der Nacht der Bombenentschärfung versagt, nicht auf sich sitzen lassen. Eine Welle der Kritik erreicht die HORIZONT-Redaktion. Die Vorwürfe - und unsere Antwort.
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Was bisher geschah: Am Dienstag Morgen erschien hier auf HORIZONT Online der Kommentar "Die Bombe im Dunkeln". Tenor: Als in der Nacht 16.000 Frankfurter wegen einer Weltkriegsbombe aus ihren Wohnungen evakuiert wurden, haben die Zeitungen vor Ort ihr Publikum schlecht informiert. Nach 23 Uhr, so unser Befund, waren die Online-Redaktionen nicht mehr präsent, weder auf ihren Websites noch auf den Social-Media-Plattformen. Nur die öffentlich-rechtliche Hessenschau schob eine engagierte Nachtschicht. Die Kollegen haben reagiert, teils heftig.

Bild: Danke für schnelle Korrektur

Die Unternehmenskommunikation von Axel Springer in Berlin reagiert besonders schnell und schreibt: BILD Frankfurt hat gestern um 21.36 Uhr auf BILD.de berichtet, um 17.01 Uhr sogar schon auf Facebook: Die Bombe wurde heute Nacht gegen 2 Uhr entschärft, das Update gab‘s sofort heute früh. Danke für schnelle Korrektur.


HORIZONT antwortet: Exakt! Bild Frankfurt hat zwischen 21.36 Uhr und dem frühen Morgen nicht berichtet. Also genau in der Zeit, als 16.000 Frankfurter irgendwo bei Verwandten, Freunden, im Büro oder in der für den Notfall hergerichteten Messehalle saßen und diese Informationen suchten: Wann kann die Bombe entschärft werden? Läuft die Aktion planmäßig? Und vor allem: Wann können wir in unsere Wohnung zurück? Fast jeder der Betroffenen hat alle paar Minuten nach Updates in seinem Smartphone gesucht - und nichts gefunden.

FAZ: Das trifft nicht zu

Werner d'Inka, Herausgeber der FAZ, schickt einen Brief über die Mainzer Landstraße hinweg, von Haus zu Haus. "Es wäre ein Leichtes gewesen, Ihre Behauptung zu überprüfen, bevor Sie sie niederschrieben. Wir haben am 30. Oktober um 2.39 Uhr gemeldet: "Weltkriegsbombe erfolgreich entschäft". Davor wurden die Leser laufend informiert.

HORIZONT antwortet: Ja und nein. Ja, die FAZ hat um 2.39 Uhr über die Entwarnung berichtet. Also gut anderthalb Stunden nachdem die Frankfurter Feuerwehr die Evakuierung um 1.05 Uhr für beendet erklärt hatte. Welchen Sinn die Nachricht zu diesem Zeitpunkt haben sollte, erschließt sich uns nicht - natürlich hatten die Betroffenen sich bis dahin längst aus anderen Quellen informiert (Radio, Hessenschau, Twitter-Account der Feuerwehr).


Nein, davor hat die FAZ nicht laufend informiert. Um 22.48 Uhr gab es einen Zwischenstand, dann nichts mehr bis zum Ende der Evakuierung.

FNP: Steile These

Auf Twitter schreibt FNP-Chefredakteur Matthias Thieme: Steile These, @HORIZONT / Uwe Vorkötter - aber haben wirklich alle Journalisten geschlafen?

Die Online-Redaktion der FNP habe bis 22.34 getickert.  Es gebe eine Reportage  aus der Nacht und einen Print-Bericht.
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