RTL-Dschungelcamp

Krokodilpenis hat auch schon mal besser geschmeckt

Dienstag, 23. Januar 2018
In den ersten Folgen der zwölften Staffel von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" ("IBES") wurden die beiden Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow nicht müde zu erwähnen, dass das Durchschnittsalter der Camp-Bewohner knapp über 39 liegt und nie jünger war als 2018. Wer daraus folgert, die zwölf Kandidaten präsentierten sich taufrisch und kreuzfidel, der irrt gewaltig. Denn das Dschungelcamp hat in diesem Jahr mehr als sonst ein Problem: die völlig trostlose Kandidatenauswahl.
Wer der D-Prominenz im australischen Busch bei den Ekel-Prüfungen, dem Leiden, Hungern und Lästern so zuschaut, den beschleicht in diesem Jahr mehr als sonst das Gefühl, das alles schon x-mal gesehen und vor allem schon einmal viel unterhaltsamer gefunden zu haben. Nicht wenige erfahrene Dschungelcamp-Fans fragen sich deshalb: Hat das Format seinen Zenit nach eineinhalb Jahrzehnten überschritten? Haben wir Voyeure das trashige Treiben, die dumpfen Dialoge und Rollenklischees der Camper und das Mitekeln beim Verzehr von Krokodilpenissen wirklich satt?

Fakt ist, dass "IBES" in diesem Jahr weitere Zuschauereinbußen hinnehmen muss. 6,49 Millionen Zuschauer schalteten zum Start am vergangenen Freitag ein, 2017 waren es noch 7,36 Millionen. Am Sonntag sackte das Format mit 5,2 Millionen Zusehern gar auf den niedrigsten Wert seit neun Jahren. Dass das Kritisieren der Gesamt-Einschaltquote Meckern auf hohem Niveau ist, beweist der Blick in die werberelevante Zielgruppe: Denn bei den 14- bis 49-Jährigen kommt das Dschungelcamp auch jetzt noch auf deutlich über 30 Prozent Marktanteil. Für RTL sind das immer noch sehr gute Zahlen, die den Vermarktungserfolg weiter befeuern dürften.

Dennoch sprechen die sinkenden Einschaltquoten eine klare Sprache. Um in Zukunft Zuschauer zurück zu gewinnen, sollten sich die Macher vornehmen, wieder mehr Kandidaten mit Strahlkraft à la Brigitte Nielsen für die Show zu gewinnen. Denn die Menschen schauen einfach lieber halbwegs bekannten Promis beim Emu-Blut-Trinken zu als Möchtegern-Dramaqueens wie Matthias Mangiapane ("Rokoko-Tänzchen!"). Überhaupt scheint es für die Teilnahme am Dschungelcamp heute schon zu genügen, wenn man irgendwann mal bei "DSDS", "Germany’s Next Topmodel", "Der Bachelor" oder "Die Bachelorette" vorgesprochen hat.

Und wenn so semi-illustre Namen wie Jenny Frankhauser, David Friedrich, Daniele Negroni oder Kattia Vides dann im Dschungel ihr Feldbett beziehen, schlafen dem geneigten "IBES"-Zuschauer auf der Couch eher die Füße ein als dass er sich an ihre Gesichter erinnern kann. Erst recht, wenn auch die wenigen Hoffnungsträger im Camp wie Ansgar Brinkmann, Tatjana Gsell und Natascha Ochsenknecht dann so gar nicht aus dem Quark kommen und gefühlt nichts tun, das ihre Sendezeit steigern würde.

Bei aller Ödnis im Teilnehmerfeld kann sich RTL beim Dschungelcamp aber auf eines verlassen: die seit Jahren hohe Produktionsqualität von ITV Germany. Ob die dramaturgisch gekonnt inszenierten Beiträge mit genauso überraschender wie der jeweiligen Situation angepasster Musikauswahl, die pointierten und zeitkritischen Texte vom Autorenteam um Micky Beisenherz oder die fast schon beängstigend makellosen Moderationen vom Duo Zietlow/Hartwich – alle Beteiligten liefern mit heißer Nadel beständig ab und sorgen so dafür, dass "IBES" auch 2018 noch aus dem Einheitsbrei anderer Reality- und Trash-Formate im TV herausragt. Jetzt müssen nur die "Prominentendarsteller" (Zietlow) endlich aus ihrer Schockstarre erwachen. tt


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