Zum Ende von "Günther Jauch" im Ersten

Unser Entertainer, kein Journalist

Freitag, 27. November 2015
Am Sonntag geht Günther Jauch zum letzten Mal mit seiner Talkshow im Ersten auf Sendung. Die Bilanz nach vier Jahren Polit-Talk im Ersten fällt gemischt aus: Die Zuschauerzahlen waren zwar gut, aus journalistischer Sicht konnte Jauch aber nicht überzeugen, meint HORIZONT-Chefreporter Jürgen Scharrer.
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Muss man sich Günther Jauch als einen Gescheiterten vorstellen? Ja – so absurd das auch klingt. Keiner ist so erfolgreich im Fernsehgeschäft unterwegs wie er, keiner ist bei der Bevölkerung so beliebt und auch die Bilanz seiner Polit-Talkshow jeden Sonntag um 21.45 Uhr ist tadellos: 4 bis 5 Millionen Zuschauer, das schafft sonst niemand.


Warum also gescheitert, warum ist es eine gute Nachricht, wenn sich der 59-Jährige am kommenden Sonntag mit seiner letzten Sendung von der ARD verabschiedet? Man muss den Blick zurückwerfen und sich erinnern, wie es war, als Jauch nach ewigem Hin und Her doch noch bei der ARD gelandet war und den begehrtesten Sendeplatz bekam, den das deutsche Fernsehen für eine Talkshow zu vergeben hat.
„Es hatte etwas Quälendes, zu sehen, wie redlich und beflissen sich der fleißige Jauch bemühte mit all seinen Karteikarten – und am Ende dann doch immer die Erkenntnis blieb: Er hat es einfach nicht drauf. “
Jürgen Scharrer
Jauch war schon damals über die Maßen erfolgreich, aber er war auch so etwas wie der große Verkannte. Es hatte ja fast schon  etwas Tragisches: Im Fernsehen feierte Jauch als Rateonkel und Showmaster Erfolge, aber im Grunde, so sah er es zumindest selbst, war er doch ein politischer Journalist! Ausgestattet mit  Bildung, dezidierten Meinungen und gleichzeitig ein Liebling der Massen. Wer, wenn nicht er, sollte das Kunststück hinbekommen, seriösen Talk mit dem Boulevard zu versöhnen und eine Bevölkerung, die ununterbrochen über "die da oben" motzt, für gesellschaftspolitische Themen zu begeistern?

Es hat von Anfang an nicht geklappt und es wurde in den vier Jahren kaum besser. Es hatte etwas Quälendes, zu sehen, wie redlich und beflissen sich der fleißige Jauch bemühte mit all seinen Karteikarten – und am Ende dann doch immer die Erkenntnis blieb: Er hat es einfach nicht drauf. Allzu oft verlor er sich ins Seichte, und wenn es darauf ankam, fiel ihm nichts Richtiges ein: zum Beispiel bei dem unsäglichen Auftritt des unsäglichen AfD-Politikers Björn Höcke mit seiner Deutschlandflagge.


Gut war Jauch immer dann, wenn es wie bei der Sendung mit Guido Westerwelle menschelte wie sonst nur bei Markus Lanz. Aber sonst, was bleibt? Nichts bleibt. Jauch hat es nicht geschafft, dem Format politische Talkshow neue Impulse zu geben. Und deswegen ist es gut, wenn 2016 Anne Will wieder übernimmt. Jauch ist mit Sendungen wie "Wer wird Millionär" und "Die 2"  dann wieder das, was er vor vier Jahren schon war: unser beliebtester TV-Unterhalter. js
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