Christoph Gaschler, Videobeat Networks

Christoph Gaschler, Videobeat Networks

Youtube Red (K)Ein Zukunftsmodell?

Montag, 09. November 2015
Nun ist er da, der Bezahlservice von Youtube. Zusätzlich zur Werbefreiheit bekommen Abonnenten originären Video Content und einen verkappten Musikstreaming­-Dienst. Zwischen Adblockern und GEMA bleibt der Erfolg in Deutschland allerdings zweifelhaft, findet Christoph Gaschler, Geschäftsführer von Videobeat Networks.

Die Features von Youtube Red sind inzwischen hinlänglich bekannt: Werbefreiheit ist das vordergründige Verkaufsargument, Youtube Red will Kunden allerdings mehr bieten. So wird der Service ab kommenden Jahr unter Youtube Red Originals exklusive Serien und Filme beinhalten. Dafür baut Youtube auf die Popularität hauseigener Stars, wie die des YouTubers Felix Kjellberg, alias PewDiePie, der seine Fanbase in den Bezahlservice locken soll. Zuschauer, die bereit sind, Bücher und Merchandising ihrer Idole zu kaufen, werden auch für Videos bezahlen.

Bei Youtube mag man das nicht hören wollen, aber die Ähnlichkeit zu etablierten Videostreamingdiensten wie Netflix und Hulu ist nicht von der Hand zu weisen. Auch die Musikbibliothek Youtube Music soll noch dieses Jahr auf den Markt kommen. Bereits jetzt zeichnet sich ab: In der Bezahlvariante ist der Service ein Konkurrent für etablierte Musikstreamingdienste. Selbst wenn nur jeder zehnte Youtube-Nutzer bereit ist zu zahlen, sind das mindestens viermal mehr als bei Spotify. Und bei Youtube Red gibt es das Streamingangebot von Google Play Music noch gratis dazu.

Kann Youtube Red auch in Deutschland funktionieren?

Fraglich bleibt vorerst nicht nur, wie sich Youtube Red auf dem deutschen Markt schlagen wird, sondern auch, in welcher Form der Service hierzulande überhaupt eingeführt werden kann. Bereits in der Vergangenheit hat sich mehrfach gezeigt, wie rückständig das deutsche Medienrecht ist. Das deutsche Rechtssystem ist träge und hat sich noch nicht auf das Livestreamen im Internet eingestellt. So war der im August eingeführte Service Youtube Gaming aufgrund der rechtlichen Lage nur eingeschränkt zu nutzen, da das Livestreaming-Angebot in Deutschland gesperrt war.

Das liegt daran, dass das deutsche Recht ab einer gewissen Anzahl an Zuschauern - ­ im Raum schwebt immer wieder die lächerlich niedrige Zahl 500 - ­ eine Sendelizenz erfordert. Dazu kommt, dass die fehlende finanzielle Beteiligung der Rechteinhaber an den Videos in Deutschland zu jahrelangen Rechtsstreitigkeiten zwischen Youtube und der Rechteverwertegesellschaft GEMA geführt hat. Der seit Jahren schwelende Streit führt dazu, dass man in Deutschland auf viele der populären Musikvideos keinen Zugriff hat. So war der Beta­-Test des Youtube Music-Vorgängers gar nicht erst in Deutschland gestartet. Ob die finanzielle Beteiligung der Rechteinhaber an den Einnahmen von Youtube Red daran etwas ändern wird, bleibt abzuwarten, zumal Youtube keine konkreten Zahlen kommuniziert.

Der allgegenwärtige Adblocker

Selbst wenn Youtube Red die rechtlichen und bürokratischen Hürden in Deutschland überwinden kann, das Echo der User war bis jetzt verhalten. Viele argumentieren, dass sie mit Adblockern bereits jetzt eine werbefreie Plattform hätten. Youtube Red ist auch die Antwort auf steigende Nutzerzahlen von Adblockern. Die kleinen Programme sind nicht nur in Deutschland umstritten, denn Inhalte werden im Internet durch Werbung finanziert. Für PewDiePie liegt allerdings genau dort der entscheidende Punkt. In einem Blogbeitrag bezieht er klar für Youtube Red Stellung. Er könne einerseits den Gebrauch von Adblockern verstehen, erklärt aber, dass insbesondere kleine Kanäle von zusätzlichen Einkünften durch Youtube Red profitieren werden, wenn der Gebrauch von Adblockern weiter wachse wie bisher.

Dabei sind Adblocker die Konsequenz von zu aggressiver und schlechter Werbung und damit sind die Werbetreibenden am Adblocker nicht ganz unschuldig. User haben genug  von ­Werbe­-Videos mit Ton, die ungefragt starten, wenn man eine Seite öffnet. Die mangelnde Benutzerfreundlichkeit von Werbung führt dazu, dass in Europa inzwischen ein gutes Viertel der Internetnutzer einen Adblocker installiert hat. Dabei beweisen die Youtube Ad Leaderbords jeden Monat aufs Neue, dass User Werbespots freiwillig millionenfach anklicken. Die Lösung ist leicht: Gute Werbeclips.

Video-Marketing vor neuen Herausforderungen

Mittelfristig sind durch Youtube Red keine signifikanten Auswirkungen für Werbetreibende in Deutschland zu erwarten. In dem Moment, wo Youtube Red hierzulande zu einer Verknappung des Werbeinventars führen sollte, können Marken dennoch niedrigere Preise realisieren, indem sie für die Plattform geeignete Werbung produzieren und diese dann auch effektiv aussteuern. Es gibt für Video-Marketer keinen Grund in Panik auszubrechen: Das klassische werbefinanzierte Youtube­-Modell wird nicht von jetzt auf gleich verschwinden. Selbst wenn Youtube Red weltweit ein Erfolgsmodell wird, dauert es Jahre, bevor sich Youtube von einem freien Videoportal zu einem reinen Abonnement-­Angebot entwickeln könnte. Bedenkt man die Abneigung der Youtube­-Community gegenüber Veränderungen, steht darüber jedoch ein großes Fragezeichen.

HORIZONT Newsletter Vor 9 Newsletter

Als Erster informiert sein? Ja, klar!

 


Meist gelesen
stats