"Young Sheldon"

Ein Mini-Nerd als Hoffnungsträger für Pro Sieben

Montag, 08. Januar 2018
Heute Abend um 20:45 Uhr zeigt Pro Sieben die erste Folge von "Young Sheldon". Das Spin-Off der Erfolgs-Sitcom "The Big Bang Theory" erzählt die Kindheits-Geschichte von Super-Genie und Publikums-Liebling Sheldon Cooper. Für Pro Sieben, das auf ein alles andere als gutes Jahr zurückblickt, könnte der Neustart eine erste Weichenstellung im neuen Jahr werden.
Entweder man liebt ihn oder man hasst ihn: Sheldon Lee Cooper, 1980 in Texas geboren, hat einen Intelligenz-Quotienten von 187 – und lässt kaum eine Gelegenheit aus, um sein Umfeld seine geistige Überlegenheit spüren zu lassen. Mit seiner überheblichen Art und seiner mangelnden emotionalen Intelligenz hat es der Charakter zum Zuschauerliebling der "Big-Bang-Theory"-Fans geschafft.
Der junge Sheldon Cooper (Iain Armitage) steht im Zentrum der Serie
© Warner Bros.
Der junge Sheldon Cooper (Iain Armitage) steht im Zentrum der Serie
Dass Coopers Kindheit nun in einer eigenen Serie erzählt wird, geht auf eine Idee von Schauspieler Jim Parsons zurück, dem die Rolle des Sheldon auf den Leib geschrieben zu sein scheint. Der habe ihn eines Tages gefragt, eine Serie über die frühen Jahre der Figur zu machen, sagt Chuck Lorre, der "Young Sheldon" gemeinsam mit Steven Molaro entwickelt hat und auch für "TBBT" verantwortlich zeichnet. Immerhin kommt Sheldons Kindheit in der Serie immer wieder zur Sprache. "Ich fand die Idee großartig", so Lorre.

Darum geht es:

In der Tat hat man sich schon oft gefragt, wie Sheldon Cooper der wurde, der er ist. Viele Marotten und Ticks – und von denen hat der erwachsene Sheldon einige – entwickeln sich bekanntlich bereits in der Kindheit. Beim jungen Cooper (Gespielt von Iain Armitage) jedenfalls scheinen alle Voraussetzungen für eine veritable Entwicklungsstörung gegeben: Er wächst mit zwei Geschwistern in einer konservativen Mittelstands-Familie im Osten von Texas auf. Anders als seine Mutter Mary (Zoe Perry) hält er nicht viel von Gott und mit Sport kann er ebenfalls nichts anfangen – sehr zum Leidwesen seines Vaters George, dem Trainer des Highschool-Football-Teams.
Dafür interessiert sich der kleine Sheldon für alles, was mit Wissenschaft und Technik zu tun hat. In dieser Familienkonstellation aufzuwachsen, ist für den mit einem überragenden Intellekt ausgestatteten Knirps alles andere als leicht: "Jane Goodall musste nach Afrika gehen, um Affen zu studieren. Ich musste mich nur an den Familien-Esstisch setzen", sagt Sheldon über Eltern und Geschwister.

Weil er für die Grundschule einfach zu schlau ist, darf er mit 9 Jahren bereits auf die Highschool gehen – und wird prompt in die Klasse seines älteren Bruders Georgie (Montana Jordan) gesteckt. Natürlich fällt ihm die Anpassung dort schwer, worunter Sheldons Umfeld leidet, vor allem aber seine Familie.
Young Sheldon im Kreise seiner Familie
© Warner Bros.
Young Sheldon im Kreise seiner Familie

Machart:

Inwieweit dieser Spannungsbogen trägt, wird sich im weiteren Verlauf der Serie zeigen. Denn bei "The Big Bang Theory" ist Sheldon in einen größeren Handlungszusammenhang eingebettet und ein Rad in einem gut funktionierenden Getriebe. Ob er auch als alleiniges Zentrum funktioniert, darf man durchaus hinterfragen.

Spürbar anders wird die Serie auch durch ihre Machart: Im Gegensatz zu "The Big Bang Theory" oder "Two and a half Men" handelt es sich bei "Young Sheldon" nicht um eine Sitcom, die im Studio vor Live-Publikum aufgezeichnet wird.

Und wer sich für die Darsteller der Serie interessiert und darüber hinaus "TBBT"-Superfan ist, den dürfte vor allem dieses Detail erfreuen: Zoe Perry, die Sheldons Mutter Mary spielt, ist im wirklichen Leben die Tochter von Laurie Metcalfe, die in "The Big Bang Theory" Sheldons Mutter mimt.

Macher und Quoten:

Verantwortlich für die Serie ist "TBBT"-Mastermind Chuck Lorre, der auch für "Two and a Half Men" verantwortlich zeichnet. Steven Molaro, mit dem Lorre für "Young Sheldon" zusammenarbeitet, ist ebenfalls Autor und Produzent von "The Big Bang Theory". Produziert wird die Serie von Warner Bros. Television und Lorres eigener Firma Chuck Lorre Productions.

"Young Sheldon" startete am 25. September 2017 auf dem US-Sender CBS – und konnte gleich vom Start weg überzeugen. Die erste Folge sahen seinerzeit 17,2 Millionen Zuschauer. Zwar konnte die Serie an diesen Wert danach nicht mehr anknüpfen. Trotzdem blieben die Zuschauerzahlen seitdem im zweistelligen Millionenbereich. Die erste Folge nach der Weihnachtspause brachte es aber schon wieder auf über 14 Millionen Zuschauer. Kein Wunder, dass CBS nun offiziell eine zweite Staffel in Auftrag gegeben hat.
Mutter Mary Cooper versucht den kleinen Sheldon vor allen Übeln zu bewahren
© Warner Bros.
Mutter Mary Cooper versucht den kleinen Sheldon vor allen Übeln zu bewahren

Die Bedeutung für Pro Sieben:

Pro Sieben zeigt "Young Sheldon" ab dem 8. Januar montags um 20.45 Uhr. Sie läuft damit direkt nach einer neuen Folge "The Big Bang Theory", was schon einmal eine gute Voraussetzung ist. Immerhin ist "TBBT" für den Sender einer der zuverlässigsten Quotenbringer. Der Reiz, anschließend dranzubleiben und sich eine Extra-Portion Sheldon abzuholen, könnte bei den Zuschauern durchaus groß sein.

Gleichzeitig geht der Sender damit der wohl größten Konkurrenz aus dem Weg, die man im Januar haben kann: Ab dem 19. Januar zeigt RTL die neue Staffel von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" - abgesehen von der ersten Folge, die um 21.15 Uhr läuft, allerdings erst ab 22.15 Uhr. Die erste Folge von "Young Sheldon" muss sich mit einem Zocker-Special von "Wer wird Millionär" bei RTL sowie "Navy CIS" (Sat 1), "Stirb Langsam 2" (Kabel 1), "Goobye Deutschland" (Vox) und "Die Geissens" (RTL 2) messen.

Die Chancen auf einen Quoten-Erfolg sind also da. Alles andere wäre für Pro Sieben allerdings auch eine Enttäuschung. Das vergangene Jahr hat der Sender in der wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen mit 9,5 Prozent Marktanteil auf Platz 2 hinter RTL (12,2 Prozent) abgeschlossen. Gegenüber den Jahren 2016 (10,4) und 2015 (10,9) ist das noch einmal ein deutlicher Verlust. Das Geschäft mit TV-Werbung lief denn auch nicht so wie gewünscht.

Zumindest was diesen Aspekt angeht, macht "Young Sheldon" Pro Sieben schon jetzt Freude: Nach Angaben eines Sendersprechers seien die Werbeplätze bei der ersten Folge "sehr gut ausgelastet". ire


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