Yahoo am Abgrund

Hauptsache, der neue Messenger ist da

Donnerstag, 03. Dezember 2015
Zerschlagen, abspalten oder abstoßen? Amerikanischen Medienberichten zufolge ist die Zukunft von Yahoo ungewiss, bis Ende der Woche soll dem Wall Street Journal zufolge über den Verkauf des Internetkonzerns entschieden werden. Und in Deutschland? Kommentiert Yahoo – wenig überraschend - die Spekulationen nicht, rührt dafür aber lautstark die Werbetrommel. Für den Messenger, der jetzt auch "Fotos in Original-Qualität verschicken" kann.
Themenseiten zu diesem Artikel:

Auf einer zweieinhalbseitigen Pressemitteilung werden die Vorteile des überarbeiteten Tools ausgerollt. Der Messenger biete beispielsweise "ein zeitgemäßes Chat-Erlebnis", "neue Funktionen wie das Tauschen von Bildern", die Möglichkeit,  animierte GIFs aus Tumblr einzubinden, sogar gesendete Nachrichten können Anwender wieder löschen. Nur: Wenn das Kerngeschäft Yahoos tatsächlich zur Disposition steht, wen interessant dann noch die nutzerfreundliche Bedienung des Messengers? Die im Übrigen bei anderen Diensten längst selbstverständlich ist? Doch das nur nebenbei.

Viel essentieller ist: Der Verwaltungsrat des Konzerns plant amerikanischen Medien  zufolge, das komplette Unternehmen beziehungsweise das Internetkerngeschäft zu verkaufen. Laut Informationen des Wall Street Journals soll die Entscheidung bereits Ende dieser Woche getroffen werden. Auch erste Kaufinteressenten soll es geben. Yahoo Deutschland kommentiert die Spekulationen nicht. Überhaupt schweigt  das Unternehmen, selbst zu Fragen nach einem Organigramm, einer Definition des "Kerngeschäfts" und verbleibender Unternehmensbereiche wolle man sich nicht äußern, heißt es aus München.

Der Internetkonzern steht seit Jahren unter Druck, Anleger sind enttäuscht. Alle Hoffnungen liegen auf CEO Marissa Mayer, deren Umbaumaßnahmen aber offenbar noch nicht die gewünschten Verbesserungen bringen. Fest steht dennoch, dass Yahoo Mail und Yahoo News zusammen die drittgrößten Websites in Amerika mit rund 210 Millionen Besuchern (Comscore im Oktober 2015) sind. Größer sind nur Google und Facebook. Außerdem gehören verschiedene Medienwebsites, die Fotoplattform Flickr und die im Mai 2013 für 1,1 Milliarden US-Dollar übernommene Blogging-Plattform Tumblr zum Konzern. Der größte Teil des Börsenwertes von Yahoo in Höhe von 31 Milliarden US-Dollar setzt sich Medienberichten zufolge aus Beteiligungen in Asien, an Alibaba und Yahoo Japan zusammen. Und den überarbeiteten Messenger, den gibt es seit dieser Woche auch noch. kan




stats